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[Rezension] Andreas Eschbach – NSA

Autor: Andreas Eschbach
Titel: NSA – Nationales Sicherheits-Amt
Genre: Roman
Seitenzahl: 796
Erscheinungsdatum: 28. September 2018
Verlag: Bastei Lübbe
Preis: 22,90€ (Gebunden); 16,99€ (E-Book)

Inhalt: 

„Weimar 1942: Die Programmiererin Helene arbeitet im Nationalen Sicherheits-Amt und entwickelt dort Programme, mit deren Hilfe alle Bürger des Reichs überwacht werdenErst als die Liebe ihres Lebens Fahnenflucht begeht und untertauchen muss, regen sich Zweifel in ihr. Mit ihren Versuchen, ihm zu helfen, gerät sie nicht nur in Konflikt mit dem Regime, sondern wird auch in die Machtspiele ihres Vorgesetzten Lettke verwickelt, der die perfekte Überwachungstechnik des Staates für ganz eigene Zwecke benutzt und dabei zunehmend jede Grenze überschreitet …

Was wäre, wenn es im Dritten Reich schon Computer gegeben hätte, das Internet, E-Mails, Mobiltelefone und soziale Medien – und deren totale Überwachung?”
(Bastei Lübbe)

Meine Meinung:

Helene hat ein natürliches Talent für Zahlen und Programmierung, weshalb sie nach ihrem Schulabschluss schnell für das Nationale Sicherheits-Amt angeworben wird. Hier entwickelt sie Programme, die der Überwachung von Bürgern des deutschen Reiches dienen sollen. Ein Haushalt kauft konstant mehr Essen ein, als dass es gemeldete Bewohner gibt? Oder verbraucht ein Haushalt vielleicht mehr Strom als üblich? Für genau solche Gegebenheiten entwickelt Helene ein System, welches dann sofort Alarm schlägt. Erst viel zu spät meldet sich Helenes Gewissen. Als durch ihre Programmierung ihre große Liebe droht, als versteckter Fahnenflüchtling gefunden zu werden, setzt Helene alles daran dies zu verhindern.

“NSA” spielt in der NS Zeit, jedoch unter der Prämisse, dass bereits damals ein ausgefeiltes Technologiesystem existiert – das heißt es gibt Computer, Mobiltelefone, elektronische Bezahlsysteme und Internet. Das Bargeld wurde abgeschafft, beinahe alles geschieht elektronisch. So ergeben sich natürlich undenkbare Möglichkeiten der Überwachung. Im Laufe der Story finden wir einige Verweise auf tatsächlich geschehene Ereignisse der NS Zeit – nur dass in unserer Geschichte ganz andere Ressourcen  zu Verfügung stehen. So wird beispielsweise auch Bezug genommen auf Anne Frank, deren Familie nun durch Helenes Programmierungen schnell in ihrem Versteck gefunden werden konnte, da einfach durchschnittlich zu viele Kalorien im Haushalt eingekauft wurden.

Ich fand die Idee hinter der ganzen Geschichte wirklich sehr interessant und beängstigend. Die totale Überwachung und unsere Protagonistin befindet sich mitten im Geschehen. Helene wacht erst auf, als es für ihre große Liebe Arthur brenzlig wird. Arthur hat Fahnenflucht begangen und muss sich fortan verstecken. Er findet Zuflucht auf einem Hof von Helenes Freundin. Helene muss sehr weit gehen, um Arthur zu schützen und begibt sich so immer mehr in gefährliche Gefilde.

Eschbach schreibt sehr fesselnd und so konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Fernab der eigentlichen Geschichte um die technologisch fortgeschrittene NS Zeit, ging es sehr viel um zwischenmenschliche Beziehungen. Hier könnte man zeitweise meinen, dass der Roman sich eher an junge Erwachsene richtet, um nicht zu sagen eher an Frauen. Unsere Protagonistin Helene verhält sich oftmals sehr naiv. Die Liebesszenen scheinen wie aus einem Groschenroman und hätten für mich echt nicht sein müssen. Daher war ich froh, dass der eigentliche Mittelpunkt der Geschichte trotzdem die totale Überwachung des Staates bleibt. Die Entwicklung von Helene war trotzdem äußerst interessant anzusehen. Vom naiven Mädchen entwickelt sie sich zu einer kämpferischen jungen Frau, die oftmals ihre eigenen Bedürfnisse unter deren anderer stellt.

Insgesamt fand ich den Roman wirklich spannend, es gab keine Längen und ich wollte stets wissen wie es mit unserer Helene weitergeht. Die Prämisse des Buches wurde wirklich sehr gut umgesetzt, so dass man durchaus glauben kann, dass es genau so abgelaufen wäre. Eschbach hat es geschafft auf die beklemmende Nazizeit nochmal einen drauf zu setzen, so dass sich alles noch beängstigender anfühlt. Außerdem gibt es natürlich einen Denkanstoß in Richtung unserer heutigen Zeit, denn alles was dort angeschnitten wird, könnte man genauso auf unsere heutige Zeit übertragen. Freimütig werden alltägliche Dinge in sozialen Medien geteilt, mit der Payback Karte werden fleißig Informationen darüber gesammelt, was man alles kauft. Und mit genau solchen Informationen arbeiten die Nazis und überwachen so die Bürger des dritten Reiches. Von daher – “NSA” spielt zwar in der Vergangenheit, ist jedoch gar nicht so weit weg von der Gegenwart.

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1 Comment

  • Reply Lesemonat Dezember 2018 – Laura von Eden 1. Januar 2019 at 16:00

    […] Andreas Eschbach – NSA […]

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