[Rezension] Samantha Hayes – Eine zu viel

„Nach dem Tod des Familienvaters Ray lädt Mutter Connie ihre drei Töchter samt Partnern und Kindern in eine abgelegene schottische Lodge ein. Zehn Tage sollen sie dort verbringen: nachtrauern, zusammenrücken, vielleicht neu beginnen. Doch Connie hütet ein brisantes Geheimnis: Rays Testament – und die Wahrheit, die es an die Oberfläche bringen wird. Während Connie den richtigen Moment für ihre Offenbarung sucht, kippt die Stimmung wie das Wetter in den Highlands. Wer steht zu wem? Und was geschieht, wenn die größte Gefahr nicht draußen lauert, sondern mit am Tisch sitzt?“
Autorin: Samantha Hayes
Titel: Eine zu viel
Übersetzung: Anne Rudelt
Genre: Thriller
Seitenzahl: 448
Erscheinungsdatum: 2. Juli 2026
Verlag: dtv
Preis: 13,00€ (Taschenbuch); 9,99€ (E-Book)
Meine Meinung:
Zum ersten Mal seit dem Tod von Familienoberhaupt Ray kommt die Familie wieder an der Küste zusammen. Eigentlich soll das gemeinsame Wochenende allen die Möglichkeit geben, gemeinsam Abschied zu nehmen. Doch Mutter Connie weiß schon vor dem Wiedersehen, dass ihnen noch etwas anderes bevorsteht: Rays Testament soll verlesen werden. Während Bea, Darby und Kate davon noch nichts ahnen, sitzt Connie die ganze Zeit ein ungutes Gefühl im Nacken. Denn sie weiß genau, dass Rays letzter Wille Dinge ans Licht bringen könnte, die sie am liebsten für immer verschwiegen hätte.
Schon kurz nach der Ankunft wird klar, dass in dieser Familie längst nicht alles so harmonisch ist, wie es von außen aussieht. Zwischen den Geschwistern schwelen alte Konflikte, unausgesprochene Vorwürfe und jede Menge persönlicher Ballast. Irgendwie hat jeder etwas zu verbergen und genau das sorgt dafür, dass die Stimmung von Kapitel zu Kapitel angespannter wird.
Erzählt wird die Geschichte überwiegend aus den Perspektiven von Connie und ihren Töchtern Bea, Darby und Kate. Dazu kommen Kapitel aus der Sicht von Darbys Stiefsohn Theo. Das hat mir richtig gut gefallen, weil man dieselben Situationen immer wieder anders erlebt. Jeder nimmt Ereignisse anders wahr und genau dadurch setzt sich das Gesamtbild nach und nach zusammen.
Auch die Aufteilung in drei Teile fand ich hier richtig gelungen. Oft frage ich mich bei solchen Unterteilungen, ob sie überhaupt nötig gewesen wären. Hier hatte ich dagegen das Gefühl, dass mit jedem Abschnitt noch einmal eine Schippe draufgelegt wird. Im ersten Teil lernen wir die Familie kennen und bekommen ein Gespür dafür, wie kompliziert das Verhältnis der einzelnen Mitglieder zueinander eigentlich ist. Im zweiten Teil geht es dann zurück in die Vergangenheit von Connie und Ray, wodurch vieles plötzlich einen ganz anderen Sinn ergibt. Und im dritten Teil? Da geht es dann wirklich Schlag auf Schlag.
Ich hätte ehrlich gesagt nie damit gerechnet, was sich hinter dieser Familie alles verbirgt. Samantha Hayes deckt ein Geheimnis nach dem anderen auf und ich saß mehr als einmal da und dachte nur: „Was? Echt jetzt?“ Dabei lebt der Thriller für mich gar nicht von möglichst brutalen Szenen, sondern vielmehr von den menschlichen Abgründen, die sich nach und nach auftun. Als ich das Buch begonnen habe, hätte ich niemals gedacht, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln würde.
Der Einstieg braucht allerdings ein bisschen Geduld. Durch die vielen Figuren und Perspektivwechsel musste ich mich erst einmal orientieren und die Namen lernen. Das hat sich für mich aber absolut gelohnt.
Plottechnisch sind an ein paar Stellen bei mir kleinere Fragezeichen geblieben und nicht jede Entwicklung hat sich für mich komplett schlüssig angefühlt. Wenn ich die Handlung bis ins Detail auseinandernehmen würde, gäbe es sicher den einen oder anderen Punkt zu diskutieren. Insgesamt hat mich das Buch aber so gut unterhalten, dass es Schwächen für mich am Ende ausgebügelt hat.
Letztlich ist „Eine zu viel“ ein Familienthriller, der vor allem von seinen Figuren, ihren Beziehungen und den vielen gut platzierten Enthüllungen lebt. Ja, man muss sich auf die vielen Charaktere einlassen, aber bekommt einen Thriller, der mit jeder Seite mehr Fahrt aufnimmt und bis zum Schluss unterhält.
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