[Rezension] Mary Kubica – Just The Nicest Couple

„Jake Hayes ist verschwunden. Zuerst glaubt Nina, dass ihr Mann nur eine Auszeit nimmt, nachdem sie sich am Vorabend heftig gestritten hatten. Stunden und Tage vergehen, doch Jake bleibt spurlos verschwunden. Lily Scott, Ninas Freundin und Kollegin, hat das unbehagliche Gefühl, vielleicht die Letzte gewesen zu sein, die Jake vor seinem Verschwinden gesehen hat. Als sie ihrem Ehemann Christian davon erzählt, beschließen die beiden, dass niemand erfahren darf, was wirklich passiert ist – vor allem nicht Nina.

Doch Nina lässt nicht locker. Getrieben von Sorge, Angst und der verzweifelten Suche nach der Wahrheit, stößt sie auf Geheimnisse und Lügen, die niemand hätte erahnen können. Denn manchmal lauert die größte Gefahr genau dort, wo man sie am wenigsten vermutet …“

Autorin: Mary Kubica
Titel: Just The Nicest Couple
Übersetzung: Kerstin Winter
Genre: Thriller
Seitenzahl: 339
Erscheinungsdatum: 01. Juli 2026
Verlag: Aufbau Digital
Preis: 10,99€ (E-Book)

Meine Meinung:

Nach einem heftigen Streit verlässt Jake das Haus und lässt seine Ehefrau Nina allein zurück. Zunächst misst sie seinem Verschwinden keine allzu große Bedeutung bei. Sie geht davon aus, dass ihr Mann einfach etwas Abstand braucht und schon bald wieder auftauchen wird. Doch als aus Stunden Tage werden, wächst die Unruhe und aus einem gewöhnlichen Ehestreit entwickelt sich plötzlich ein Vermisstenfall. Zur gleichen Zeit kehrt Christian nach Hause zurück und findet seine Frau Lily völlig aufgelöst vor. Lily, die mit Nina zusammenarbeitet, macht ihm ein folgenschweres Geständnis. Sie glaubt, die letzte Person gewesen zu sein, die Jake gesehen hat, bevor er spurlos verschwand. Aus Angst vor den Konsequenzen treffen Christian und Lily eine Entscheidung, die weitreichende Folgen nach sich zieht…

Nachdem mich „She’s Not Sorry“ regelrecht begeistert hat und für mich zu den besten Thrillern des vergangenen Jahres gehörte, waren meine Erwartungen an „Just the Nicest Couple“ entsprechend hoch. Auch „Local Woman Missing“ konnte mich überzeugen, auch wenn ich „She’s Not Sorry“ noch einen Tick stärker fand. „The Other Mrs.“ hingegen hat mich zuletzt eher enttäuscht. Umso gespannter war ich darauf, in welche Richtung sich Mary Kubica mit ihrem neuesten Roman entwickeln würde.

Leider muss ich sagen, dass meine Begeisterung dieses Mal erneut etwas verhalten ausfällt.

Im Mittelpunkt stehen zwei Ehepaare. Nina und Jake sowie Lily und Christian. Von allen Figuren war mir Nina tatsächlich noch die sympathischste. Ihre Sorgen und ihre Verzweiflung wirkten auf mich am greifbarsten.

Mit Jake hingegen konnte ich kaum etwas anfangen. Das liegt allerdings nicht mal unbedingt an seiner Persönlichkeit, sondern vielmehr daran, dass wir ihn als Leser praktisch nie richtig kennenlernen. Das zentrale Ereignis, das sein Verschwinden auslöst, liegt bereits hinter uns, als die Geschichte beginnt. Dadurch werden wir direkt vor vollendete Tatsachen gestellt und haben kaum Gelegenheit, eine Beziehung zu dieser Figur aufzubauen. Alles, was wir über ihn erfahren, geschieht über die Erzählungen der anderen. Wirklich sympathisch erschien er mir dabei allerdings nicht.

Dafür, dass Lily so eine zentrale Rolle spielt, erleben wir ihre Perspektive nie selbst. Stattdessen begleiten wir ihren Ehemann Christian. Lily wirkte auf mich über weite Strecken wie das typische hilflose Vögelchen, das ständig beschützt werden muss und sich sehr stark in ihrem eigenen Leid verliert. Dadurch blieb sie für mich ebenfalls eher schwer zugänglich. Christian wiederum konnte mich als Perspektivfigur ebenfalls nicht vollständig überzeugen. Obwohl wir viel Zeit mit ihm verbringen, blieb er für mich erstaunlich blass.

Ich glaube, ein großer Teil dieses Problems hängt mit dem Aufbau der Geschichte zusammen. Das eigentliche Schlüsselerlebnis erleben wir als Leser eben nicht selbst, sondern steigen erst danach in die Handlung ein. Dadurch fehlt gerade zu Beginn ein Stück emotionale Bindung zu den Figuren.

Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus der Sicht von Nina und Christian. Dieser Perspektivwechsel funktioniert grundsätzlich gut und sorgt dafür, dass man beide Seiten der Ereignisse kennenlernt. Gleichzeitig habe ich mich im Laufe der Story immer wieder gefragt, ob die Geschichte nicht noch stärker gewesen wäre, wenn auch Lily selbst eine Erzählstimme bekommen hätte.

Allerdings entwickelt sich die Handlung sehr langsam. Obwohl das große Geheimnis bereits im Raum steht wie ein großer Elefant, passiert über einen langen Zeitraum vergleichsweise wenig. Wer einen temporeichen Thriller mit ständig neuen Enthüllungen erwartet, dürfte hier vermutlich etwas Geduld brauchen. Erst im letzten Drittel nimmt die Geschichte deutlich an Fahrt auf. Dann zeigt Mary Kubica endlich wieder, warum ihre Bücher so viele Leser begeistern. Die Spannung steigt spürbar an und auch einige Wendungen sorgen dafür, dass sich das Warten gelohnt hat.

Und wie immer, das Buch liest sich ausgesprochen flüssig und ist trotz des gemächlichen Tempos schnell durchgelesen. Gerade weil der Roman nicht besonders umfangreich ist, fällt es leicht, am Ball zu bleiben. Ich habe ihn fast in einem Rutsch gelesen.

Dennoch gehört „Just the Nicest Couple“ für mich leider nicht zu den stärkeren Romanen der Autorin. Die Grundidee hat mir gefallen und auch das Finale liefert einige spannende Momente. Insgesamt fehlte mir jedoch über weite Strecken die Dynamik. Der Spannungsbogen baut sich sehr langsam auf und verlangt einiges an Vertrauen, dass sich das Durchhalten am Ende auszahlt. Dieses Vertrauen hatte ich vor allem nur deshalb, weil Mary Kubica mich mit früheren Büchern bereits mehrfach überzeugen konnte.

Also insgesamt eine interessante Ausgangsidee, ein flüssiger Schreibstil und ein gelungenes Finale , jedoch mit Figuren, zu denen ich leider nur schwer eine Verbindung aufbauen konnte. Wer ruhige Psychothriller mit einem langsamen Spannungsaufbau mag, wird hier aber vermutlich nichts verkehrt machen. Für mich reicht der Roman allerdings nicht an Highlights wie „She’s Not Sorry“ oder auch „Local Woman Missing“ heran.

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