[Rezension] Sebastian Sons – Stunde des Skorpions

„Drei Schicksale werden vereint in einem Kampf um Leben und Tod – und für die Wahrheit. Eine Welle von terroristischen Anschlägen erschüttert das Königreich Saudi-Arabien. Verantwortlich zeichnet der mysteriöse »Blaue Skorpion«, Anführer der Terrororganisation Grüne Armee. Als der pakistanische Gastarbeiter Ilyas unfreiwilliger Zeuge eines blutigen Attentats in der Oasenstadt Al-Ula wird und dabei seinen Bruder verliert, gerät er ins Fadenkreuz der Mörder. Eine wilde Hetzjagd durch die Wüste beginnt, auf der er zwei ungewöhnliche Verbündete findet: Layla, die Tochter eines saudischen Bauunternehmers, und Klaas, ein deutscher Diplomat. Immer tiefer verfangen sich die drei in einem Netz aus Gewalt, Lügen und Verrat, in dem Macht und Ressourcen auf dem Spiel stehen. Um ihr Leben zu retten, bleibt ihnen nur die Flucht nach vorn: Sie müssen herausfinden, wer wirklich hinter den Anschlägen steht. Doch der Skorpion plant ein verheerendes und aufsehenerregendes Finale …“
Autor: Sebastian Sons
Titel: Stunde des Skorpions
Genre: Thriller
Seitenzahl: 480
Erscheinungsdatum: 08. Oktober 2026
Verlag: Atrium
Preis: 20,00€ (Paperback); 15,99€ (E-Book)
Meine Meinung:
Vor Beginn der Fußball WM 2034 wird Saudi-Arabien von einer Reihe terroristischer Anschläge erschüttert. Der pakistanische Arbeiter Ilyas wird Zeuge eines Attentats und verliert dabei seinen Bruder. Auf der Flucht wendet er sich an Layla, die Tochter eines saudischen Bauunternehmers, und den deutschen Diplomaten Klaas. Gemeinsam versuchen sie herauszufinden, wer hinter den Anschlägen steckt und was hier eigentlich los ist…
Politische Thriller gehören tatsächlich eher zu den Büchern, die bei mir nicht so häufig auf dem Lesestapel landen. Warum das so ist, kann ich gar nicht genau sagen. Es ist ja gefühlt auch einfach ein kleinerer Teil des Thriller-Genres und bisher gab es nur wenige Bücher mit einer politischen Ausrichtung, die mein Interesse wirklich geweckt haben.
Bei „Stunde des Skorpions“ war das tatsächlich anders. Schon das Cover fand ich richtig schön gestaltet und auch thematisch war es für mich einfach mal etwas anderes. Vor allem, dass die Geschichte in Saudi-Arabien spielt, fand ich interessant. Ich könnte spontan tatsächlich keinen anderen Thriller nennen, den ich gelesen habe, der dort spielt. Dazu kommt, dass Terrorismus und die damit verbundenen politischen Bedrohungen jetzt auch nicht unbedingt Themen sind, die mir in meinen Thrillern ständig begegnen. Von daher war ich hier von Anfang an neugierig.
Ich musste beim Lesen allerdings auch feststellen, dass mir einiges an Hintergrundwissen fehlt. Sowohl kulturell als auch politisch kenne ich mich mit der Region einfach nicht besonders gut aus. Und genau deshalb fand ich es gut, dass Sebastian Sons immer wieder versucht, Zusammenhänge verständlich zu erklären. Man bekommt Einblicke in kulturelle Besonderheiten, politische Strukturen und die gesellschaftliche Situation und an einigen Stellen versucht der Autor auch, Vorurteile über Saudi-Arabien und die Menschen dort aufzuzeigen.
Trotzdem hatte ich immer wieder das Gefühl, dass mir vermutlich noch sehr viel Wissen fehlt. Aber grundsätzlich mag ich das ja an Büchern. Einfach toll, wenn ich bei einem Thriller nebenbei noch etwas über ein Thema lerne, mit dem ich mich vorher überhaupt nicht beschäftigt habe. Damit kriegt man mich eigentlich immer. „Stunde des Skorpions“ hat mir definitiv einiges über Saudi-Arabien und die dortigen politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse nähergebracht.
Auch der Aufbau des Buches hat mir gut gefallen. Wir haben wechselnde Perspektiven, begleiten dabei aber immer wieder dieselben Figuren. Und die Mischung fand ich wirklich interessant. Da ist Layla, die in Saudi-Arabien lebt, der pakistanische Arbeiter Ilyas und Klaas, ein deutscher Mitarbeiter der deutschen Botschaft. Dadurch bekommen wir die Entwicklungen aus sehr unterschiedlichen Perspektiven mit und sehen eben nicht nur die große politische Ebene, sondern auch, was diese Entwicklungen mit den einzelnen Menschen machen.
Was das Tempo betrifft, geht es direkt ziemlich rasant los und das bleibt auch über weite Teile des Buches so. Insgesamt ist „Stunde des Skorpions“ schon ein ziemlich actionreicher Thriller, was ich so nicht erwartet hätte.
Besonders im Gedächtnis geblieben sind mir die Passagen über die Lebensrealität der ausländischen Arbeiter. Gerade im Hinblick auf die Bauarbeiten für die bevorstehende Fußball WM 2034 fand ich vieles wirklich erschreckend. Wie die Menschen dort leben und arbeiten und unter welchen Bedingungen sie ihren Alltag bestreiten, hat bei mir wirklich Unbehagen und auch Entsetzen ausgelöst. Die Schilderungen haben mich dabei auch an die Berichterstattung rund um die Fußball WM in Katar erinnert. Auch dort waren die Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeitskräfte, die an den Bauprojekten beteiligt waren, ein großes Thema.
Überhaupt fand ich es gut, wie der Autor die großen politischen und gesellschaftlichen Themen auf einzelne Menschen herunterbricht. Ich stelle es mir gar nicht so einfach vor, solche komplexen politischen Entwicklungen in einem Thriller darzustellen, ohne dass am Ende alles nur noch aus großen Zusammenhängen und Machtinteressen besteht. Hier erleben wir eben nicht nur, was politisch passiert, sondern bekommen gleichzeitig mit, wie sich diese Entwicklungen auf einzelne Menschen auswirken.
Insgesamt schafft es „Stunde des Skorpions“ für mich ziemlich gut, dieses wirklich ernste Thema auf eine unterhaltsame Art und Weise als Thriller zu erzählen, ohne dass es aber seine Ernsthaftigkeit verliert. Insgeheim hatte ich bei Politikthrillern wohl immer etwas Angst vor einer zu trockenen Abhandlung über Politik und Kultur. Diesen Spagat zwischen Probleme aufzeigen, kulturelle und politische Zusammenhänge vermitteln und daraus trotzdem einen spannenden und actionreichen Thriller zu machen, hat Sebastian Sons für mich wirklich gut hinbekommen.
Leicht ist das Buch trotzdem nicht. Ich fand es durchaus bedrückend, überhaupt von den Lebensrealitäten zu lesen, die hier beschrieben werden. Gerade die Situation der Arbeiter hat mich teilweise wirklich beschäftigt und auch nach dem Lesen noch nachdenklich gemacht.
Wer gerne politische Thriller liest und Lust hat, sich einmal mit Saudi-Arabien und den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen dort zu beschäftigen, für den kann das Buch meiner Meinung nach wirklich interessant sein. Gerade wenn man wie ich gerne Thriller liest, die einem nebenbei noch Wissen zu einem Thema mitgeben, über das man vorher wenig wusste, bekommt man hier einiges geboten. Man sollte allerdings schon ein gewisses Grundinteresse an politischen Themen mitbringen. Wer mit politischen Stoffen eher wenig anfangen kann und lieber leichte Thriller liest, könnte hier vermutlich eher schwer Zugang finden.
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