[Rezension] Martina Straten – Böses Blut

„Als Profilerin Charlotte Sandberg zu einem Mord-Tatort in der Eifel gerufen wird, findet sie zwei junge tote Frauen – sorgfältig arrangiert, fast ehrfürchtig aufgebahrt, als wären sie Teil eines makabren Kunstwerks. Ihre makellosen Körper erzählen von Schönheit über den Tod hinaus. Doch ein Detail lässt Charlotte nicht los: Die Leichen der Opfer sind nahezu blutleer. Während sie zwischen familiärer Überforderung – ihre Teenagertochter leidet schwer unter der Scheidung der Eltern – und wachsendem Ermittlungsdruck an ihre Grenzen gerät, folgt Charlotte den Spuren eines Täters, dessen Motiv ihr das eigene Blut in den Adern gefrieren lässt.“
Autorin: Martina Straten
Titel: Böses Blut
Reihe: Charlotte Sandberg #1
Genre: Thriller
Seitenzahl: 352
Erscheinungsdatum: 7. Oktober 2026
Verlag: Hoffmann und Campe
Preis: 17,00€ (Paperback); 13,99€ (E-Book)
Meine Meinung:
Als Profilerin Charlotte Sandberg zu einem Tatort gerufen wird, bietet sich ihr ein verstörendes Bild. Zwei junge Frauen liegen tot in einem Schuppen, sorgfältig arrangiert. Besonders auffällig ist, dass den beiden Frauen quasi sämtliches Blut fehlt. Für Charlotte beginnt damit ein Fall, bei dem sich zunächst nur schwer erkennen lässt, wie die einzelnen Spuren zusammengehören. Während sie versucht, die Hintergründe der Tat zu entschlüsseln, wird sie nicht nur mit einem ungewöhnlichen Täter konfrontiert, sondern auch mit den eigenen Grenzen. Denn neben den Ermittlungen liegt auch ihr Privatleben brach…
Der Einstieg in „Böses Blut“ war ausgesprochen vielversprechend. Schon die Ausgangssituation hat mich sofort neugierig gemacht und ich war sehr schnell in der Geschichte. Besonders gut gefallen hat mir, dass der Fall nicht einfach geradlinig erzählt wird. Verschiedene Entwicklungen laufen zunächst nebeneinander her und müssen erst zusammenfinden, bevor sich das Gesamtbild ergibt. Das fand ich gut konstruiert und auch bis zum Ende spannend.
„Böses Blut“ ist aber kein Thriller, der permanent auf maximale Geschwindigkeit setzt, das braucht die Geschichte meiner Meinung nach auch nicht. Das Tempo ist eher moderat, ohne dass dadurch Langeweile entsteht. Die Gewalt wird auch nicht unnötig ausgeschlachtet, sondern passt einfach zum Fall.
Interessant fand ich vor allem Charlotte Sandberg selbst. Mit ihr bekommen wir eine Protagonistin, die wohl bewusst sehr nahbar angelegt ist und neben ihrem anspruchsvollen Beruf jede Menge private Baustellen mit sich herumschleppt. Sie ist geschieden, alleinerziehend, hat eine Tochter in der Pubertät und versucht gleichzeitig, ihr eigenes Privatleben wieder auf die Reihe zu bekommen. Dazu kommt, dass ihr Körper und insbesondere das Thema Gewicht generell im Buch immer wieder eine Rolle spielen.
Gerade das Thema Körperbild und der Umgang mit Schönheitsidealen und dem eigenen Älterwerden ist dabei offensichtlich bewusst gewählt und zieht sich dem entsprechend durch Charlottes Geschichte, aber auch generell als Aufhänger durch das gesamte Buch. Ich konnte die Intention dahinter gut nachvollziehen, persönlich war mir dieser Aspekt stellenweise trotzdem etwas zu präsent. Für mich hätte Charlotte auch ohne die wiederholte Auseinandersetzung mit ihrem Gewicht und ihrem Aussehen sehr nahbar gewirkt.
Überhaupt fand ich die Unterschiede zwischen Charlottes privater und beruflicher Seite teilweise erstaunlich groß. Privat zeigt sie sich eher unsicher, emotional und beinahe unbeholfen, ist im Beruf dann aber wieder ausgesprochen souverän. Sie zieht erstaunlich schnell die richtigen Schlüsse und bringt Dinge auf den Punkt, ohne dass wir so richtig den Weg dorthin mitbekommen hätten. Dadurch hat mich ihre berufliche Expertise stellenweise etwas überrascht.
Gleichzeitig zeigt sie aber doch auch in ihrem beruflichen Umfeld Seiten, die ich nicht als besonders professionell empfunden habe, wird zum Beispiel aufbrausend oder reagiert patzig. Dadurch fand ich Charlotte Sandberg total widersprüchlich. Aber… genau das macht mich neugierig auf die Fortsetzung, denn „Böses Blut“ ist der Auftakt der Reihe um die Ermittlerin.
Trotz meiner kleineren Kritikpunkte hat mich „Böses Blut“ insgesamt gut unterhalten. Der Fall ist interessant aufgebaut, die verschiedenen Perspektiven sorgen für Abwechslung und die Spannung bleibt konstant bestehen. Vor allem aber habe ich jetzt tatsächlich Lust zu erfahren, wie es mit Charlotte Sandberg weitergeht.
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