[Rezension] Roger Stelljes – Die verstummten Mädchen (Tori Hunter #1)

„Seit zwanzig Jahren war FBI-Agentin Tori Hunter nicht mehr in ihrer Heimatstadt Manchester Bay, Minnesota. Seit dem Tag, an dem ihre Zwillingsschwester spurlos verschwand. Aber als ihr anonym ein Zeitungsartikel über eine weitere Vermisste geschickt wird, muss Tori endlich zurückkehren: Denn genau wie ihre Schwester verschwand Genevieve während der Feierlichkeiten zum amerikanischen Unabhängigkeitstag.
Tori schwört sich, Antworten für die verzweifelten Eltern zu finden. Doch dies stellt sich schwieriger als gedacht heraus: Die örtliche Polizei verdächtigt bereits einen Mann und scheint entschlossen, jegliche Einwände von Tori zu ignorieren.
Aber als der Verdächtige tot aufgefunden und nur Tage später eine weitere junge Frau ermordet wird, nimmt der Fall eine persönliche Wendung: In der Nähe der Leiche wird DNA entdeckt, die zu der einen Person gehört, der Tori am meisten vertraut. Könnte der Täter ihr näher sein, als sie denkt?“
Autor: Roger Stelljes
Titel: Die verstummten Mädchen
Reihe: FBI Agentin Tori Hunter #1
Übersetzung: Tanja Lampa
Genre: Thriller
Seitenzahl: 496
Erscheinungsdatum: 29. Dezember 2025
Verlag: dtv
Preis: 13,00€ (Klappbroschur); 4,99€ (E-Book)
Reihenfolge:
- Die verstummten Mädchen
- Die Wintermädchen
- Die versteckte Mädchen
- Vermisster Engel
- Die Gräber im Schnee
- Ihre verlorenen Seelen
- In der Kälte entführt
Meine Meinung:
In „Die verstummten Mädchen“ wird FBI-Agentin Tori Hunter mit einem Fall konfrontiert, der schnell größere Ausmaße annimmt, als zunächst vermutet. Eine junge Frau ist verschwunden, die Spuren verlaufen ins Leere und die Zeit arbeitet gnadenlos gegen die Ermittler. Während Tori versucht, Ordnung in ein Geflecht aus Hinweisen, Verdächtigen und alten Verbindungen zu bringen, wird immer deutlicher, dass dieser Fall tiefer reicht und vor allem persönlicher wird als ihr lieb ist.
Im Zentrum steht FBI-Agentin Tori Hunter, eine engagierte Ermittlerin mit eigener Vergangenheit, die immer wieder Einfluss auf ihre Entscheidungen nimmt. Sie ist grundsätzlich sympathisch angelegt, auch wenn nicht jede ihrer Handlungen vollständig nachvollziehbar ist. Gerade diese kleinen Brüche machen sie jedoch menschlich und greifbar.
An ihrer Seite steht ein Polizeikollege, der als wichtiger Gegenpol fungiert und sowohl beruflich als auch zwischenmenschlich eine Rolle spielt. Die Dynamik zwischen den Figuren lebt stark vom persönlichen Austausch, von Spannungen und unausgesprochenen Konflikten. Toris Hintergrundgeschichte wird früh angedeutet und bildet eine wichtige Basis für ihre Motivation und ihr Verhalten im Verlauf der Handlung.
Das Buch ist überwiegend aus Toris Perspektive in der Gegenwart erzählt. Zwischendurch werden vereinzelt andere Blickwinkel eingeschoben, diese nehmen jedoch nur einen sehr kleinen Anteil ein und dienen vor allem dazu, zusätzliche Informationen zu liefern oder Spannung aufzubauen.
Grundsätzlich handelt es sich um einen klassischen Thriller mit starkem Fokus auf Ermittlungsarbeit. Auffällig ist jedoch die umfangreiche Backstory zu Beginn. Viele Figuren werden eingeführt, Zusammenhänge müssen erst eingeordnet werden, was anfangs etwas Konzentration erfordert. Mit seiner vergleichsweise hohen Seitenzahl wirkt das Buch zunächst durchaus einschüchternd.
Die Grundidee und die eigentliche Story haben mir wirklich gut gefallen. Allerdings hätte dem Buch eine Straffung an einigen Stellen gutgetan. Es gibt kleinere Ausschweifungen und Extrarunden innerhalb der Handlung, die nicht zwingend notwendig gewesen wären und die Spannung stellenweise etwas ausbremsen.
Neben der Ermittlungsarbeit nimmt das Zwischenmenschliche einen großen Raum ein, teilweise zu groß und vielleicht auch etwas klischeehaft. Die Balance zwischen ernster, düsterer Story und Beziehungsdynamiken empfand ich nicht durchgehend als stimmig.
Tori Hunter selbst ist dennoch eine Protagonistin, der ich gerne weiter folge. Auch wenn nicht jede Entscheidung überzeugt, habe ich die Figuren insgesamt schnell liebgewonnen. Einige Verhaltensweisen und Dialoge wirken aus heutiger Sicht leicht aus der Zeit gefallen, was zeitweise eine etwas altmodische Atmosphäre erzeugt. Erstaunlich, da das Buch im Original gar nicht so alt ist. Vielleicht hat der Autor aber auch einfach die Menschen und das Meinungsbild der Gegend sehr gut eingefangen.
Trotz dieser Kritikpunkte ist „Die verstummten Mädchen“ ein sehr fesselnder Thriller mit interessanten Charakteren und einer Geschichte, die neugierig auf mehr macht. Für mich reicht dieser erste Band definitiv aus, um zur Fortsetzung zu greifen und der Reihe weiter zu folgen. Ein schönes Beispiel dafür, dass es sich lohnt bei Kindle Unlimited zu stöbern.
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