[Rezension] Riley Sager – Middle of the Night

„Das Schlimmste, was in Hemlock Circle je passiert ist, geschah im Hinterhof von Ethan Marsh. In einer Julinacht vor dreißig Jahren verschwand der zehnjährige Billy aus dem Zelt, in dem Ethan und sein bester Freund übernachteten, und tauchte nie wieder auf.
Dreißig Jahre später kehrt Ethan nur widerwillig nach Hemlock Circle zurück. Von Schlaflosigkeit und Albträumen geplagt, muss er sich fragen, ob die merkwürdigen Dinge, die in seinem Heimatort passieren, mit Billy zu tun haben. Ist sein tot geglaubter Freund etwa zurückgekehrt?
Die mysteriösen Vorkommnisse veranlassen Ethan zu untersuchen, was in jener Nacht wirklich geschah. Und ihm wird schnell klar, dass der beschauliche Vorort keineswegs ein sicherer Ort ist.“
Autor: Riley Sager
Titel: Middle of the Night
Übersetzung: Christine Blum
Genre: Thriller
Seitenzahl: 416
Erscheinungsdatum: 15. Januar 2026
Verlag: dtv
Preis: 13,00€ (Taschenbuch); 4,99€ (E-Book)
Meine Meinung:
Ethan kehrt nach vielen Jahren in seine Heimat zurückkehrt. Vor dreißig Jahren passierte hier etwas, das sein Leben nachhaltig geprägt hat, und vor allem nie vollständig aufgearbeitet wurde. Mitten in einer lauen Sommernacht verschwand sein bester Freund Billy aus dem gemeinsamen Campingzelt. Bis heute fehlt jede Spur und der Fall wurde nie aufgeklärt.
Ethan ist der Fixpunkt der Geschichte. Einmal in der Vergangenheit als Junge, einmal in der Gegenwart als Erwachsener. In den Rückblicken erleben wir ihn als sensiblen, neugierigen Jugendlichen, der sich an einem Wendepunkt seines Lebens befindet. Diese Szenen haben tatsächlich eine leichte Coming-of-Age-Färbung, die ich überraschend toll fand und die dem Buch gut stehen. Der erwachsene Ethan wirkt geerdet, kontrolliert und doch innerlich zerrissen. Er hat gelernt zu funktionieren, aber nicht wirklich Frieden mit dem Vergangenen geschlossen. Gerade dieser Spagat zwischen damals und heute verleiht seinem Charakter eine glaubwürdige Schwere und sorgt dafür, dass man als Leser wirklich wissen will, wie sich alles wirklich zugetragen hat.
Sager nutzt im Buch das klassische Mittel zweier Zeitebenen. Die Gegenwart und die Ereignisse von vor dreißig Jahren werden in abwechselnden Kapiteln erzählt. Dieser Wechsel funktioniert gut, sorgt für Rhythmus und hält die Spannung auf einem konstanten Level. Vor allem die Kapitel in der Vergangenheit haben wie gesagt für mich gut funktioniert und sind atmosphärisch stärker ausgeprägt als das Gegenwartssetting.
Riley Sager gehört für mich zu den Autoren, bei denen es selten ein Mittelding gibt. Entweder er trifft voll ins Schwarze oder es verfehlt mich komplett. Das macht jeden neuen Sager für mich immer wieder spannend und zugleich ein bisschen riskant. „Middle of the Night“ ist für mich der erste Sager, der sich bewusst im Mittelfeld einordnet. Es ist kein kompletter Reinfall wie manch andere Titel, aber auch kein herausragender Hit. Die Grundidee ist stark, der Aufbau solide, und es gibt Momente, die richtig gut funktionieren. Gleichzeitig fehlt mir hier der letzte Funke, der ein Buch zu einem echten Highlight macht. Kein schlechtes Buch, aber eben auch keines, das mich nachhaltig begeistern würde. Es ist eher ein Spannungsroman als ein echter Thriller. Wenig Thrill, wenige echte Überraschungen, dafür ein solider Plot und eine gut erzählte Rahmenhandlung.
Ich habe mich nicht wirklich aufs Glatteis führen lassen durch die lasch gesetzten falschen Fährten und die kleinen Wendungen haben bei mir emotional nicht so gezündet, wie ich es mir gewünscht hätte. Die Zeitschiene mit den Coming-of-Age-Momenten mochte ich, und sie waren für mich definitiv das stärkste Element des Buches.
Für Thriller-Einsteiger ist das ein völlig solides Buch und gut zugänglich. Als langjährige Sager-Leserin weiß ich jedoch, dass er es deutlich besser kann, und hoffe, dass ihn das nächste Projekt wieder in Richtung eines klaren Hits führt.
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