[Rezension] John Marrs – Tödliche Tiefen


„Eiskaltes Wasser, keine Luft zum Atmen: Panisch erkennt Damon, dass er sterben wird. Die Wette, im winterlichen Meer zu schwimmen, endet verhängnisvoll. Erinnerungen laufen wie Filmsequenzen vor seinen Augen ab. Ex-Frau, Job, Freunde – und ein unbekannter toter Junge. In letzter Sekunde wiederbelebt, fragt er sich verwirrt: Wer war das Kind? Der Junge lässt Damon im Alltag nicht los. Herauszufinden, wer es ist, wird für ihn zur Obsession.

Er taucht in seine zerbrochene Vergangenheit ein. Doch statt Antworten zu bekommen, stößt er auf eine Mauer des Schweigens. Es scheint nur einen Weg zu geben: Er muss erneut sterben und wiederbelebt werden. Einmal, zweimal, dreimal – bis er die Wahrheit kennt. Aber auf der Suche nach jemandem, der ihm dabei hilft, gerät er an die Falsche …“

Autor: John Marrs
Titel: Tödliche Tiefen
Übersetzung: Tanja Lampa
Genre: Thriller
Seitenzahl: 447
Erscheinungsdatum: 13. Januar 2026
Verlag: Edition M
Preis: 11,99€ (Taschenbuch); 2,49€ (E-Book)

Meine Meinung:

Was als Mutprobe im eiskalten Wasser beginnt, wird zu einer lebensbedrohlichen Situation für Damon, aus der er nur knapp gerettet wird. Während er bewusstlos ist, erlebt er etwas, das sich unauslöschlich in sein Gedächtnis einbrennt. Das Bild eines toten Jungen, den er nicht kennt und doch auf verstörende Weise zu erkennen glaubt. Nach seiner Wiederbelebung lässt ihn diese Vision nicht mehr los. Damon beginnt, an seinen Erinnerungen zu zweifeln und sich zu fragen, ob das, was er gesehen hat, Einbildung war oder ein verdrängtes Fragment seiner eigenen Vergangenheit. Je intensiver er sich mit dieser Frage beschäftigt, desto deutlicher wird, dass seine Erinnerungen Lücken aufweisen und dass die Wahrheit weit unangenehmer sein könnte, als er bereit ist zu akzeptieren…

Ich würde dringend empfehlen, vorab „Die gute Seele“ von John Marrs gelesen zu haben oder zumindest die zentralen Punkte noch präsent zu haben. Es gibt früh im Buch eine Begegnung, dessen Bedeutung sich erst mit dem Wissen aus diesem Roman vollständig erschließt. Mir selbst wäre es defintiv lieber gewesen, wenn ich die Details aus „Die gute Seele“ nicht nur grob, sondern konkreter im Kopf gehabt hätte. Auch wenn „Tödliche Tiefen“ als Standalone vermarktet wird, würde das Buch spürbar von dem Vorwissen profitieren.

Im Mittelpunkt des Buches steht Damon, eine Figur, die stark über ihre innere Wahrnehmung und ihre Erinnerungen definiert wird. Er ist kein klassischer Held und schon gar kein analytischer Problemlöser, sondern ein Mensch, der mit den eigenen Gedanken, Zweifeln und Unsicherheiten ringt. Gerade sein langsames Begreifen und sein Zögern prägen den Verlauf der Geschichte maßgeblich. Grundsätzlich war Damon mir nicht sonderlich sympathisch, was aber auch nicht nötig ist, um mir ein Buch schmackhaft zu machen. Die Charakterzeichnung von Damon ist konsequent, kann aber stellenweise auch ermüdend wirken, da Damon lange braucht, um Zusammenhänge zu erkennen, die für mich bereits greifbar waren. Gleichzeitig passt diese Langsamkeit jedoch zu den Themen des Romans: Erinnerung, Verdrängung und die Schwierigkeit, sich der eigenen Vergangenheit zu stellen.

Die Geschichte spielt überwiegend in der Gegenwart und wird aus wechselnden Perspektiven erzählt, wobei Damon klar im Zentrum steht. Die Kapitel sind kurz, präzise und häufig so angelegt, dass sie mit einem Spannungsmoment enden. Diese Struktur sorgt dafür, dass man trotz ruhigerer Passagen recht gut im Lesefluss bleibt. Gerade im Mittelteil nimmt sich der Roman viel Zeit für innere Prozesse und psychologische Entwicklungen. Das Tempo ist hier gedrosselt, ohne dass die Handlung vollständig zum Stillstand kommt. Gegen Ende zieht das Erzähltempo deutlich an und führt die verschiedenen Fäden zusammen.

„Tödliche Tiefen“ erzählt von Schuld, Verdrängung und der Frage, wie zuverlässig unsere eigene Wahrnehmung ist. John Marrs verbindet dabei psychologische Spannung mit sehr ernsten Themen rund um Tod, Identität und die Angst vor dem, was ans Licht kommen könnte, wenn man beginnt, sich selbst zu hinterfragen.

Der Einstieg in „Tödliche Tiefen“ ist sehr stark. Die Nahtoderfahrung und die damit verbundene Vision erzeugen sofort eine dichte, beklemmende Atmosphäre und machen neugierig auf die Hintergründe. Nachdem dieser Grundstein gelegt ist, verläuft der Mittelteil für meinen Geschmack etwas zu verhalten. Die Geschichte kommt voran, aber langsamer, als es der intensive Beginn erwarten lässt. Besonders Damon als Hauptfigur hat mich dabei zwiegespalten zurückgelassen. Seine Art und sein langes Verharren im Ungewissen empfand ich stellenweise als anstrengend. Er war einfach nicht der schnellste im Puzzleteile zusammensetzen. Die Wendungen im Buch sind typisch für John Marrs. Nicht überzogen, nicht effekthascherisch, sondern sinnvoll aufgebaut und nachvollziehbar. Sobald die Geschichte wieder an Fahrt aufnimmt, steigt auch das Spannungsniveau spürbar. Das Ende hingegen wirkte auf mich etwas gedrängt. Hier passiert in kurzer Zeit sehr viel, was im Kontrast zum ruhigeren Mittelteil steht.

Insgesamt ist „Tödliche Tiefen“ ein guter Thriller, der mit Atmosphäre, psychologischer Tiefe und einem starken Einstieg punktet, zeigt aber kleinere Schwächen im Tempo und in der Gewichtung des Finales. Nicht mein Lieblingsbuch von John Marrs, aber ein überzeugender Thriller für alle, die psychologisch geprägte Geschichten mit ernsten Themen mögen. Ich kann die oft gelesene Euphorie zum Buch einfach nicht zu 100% teilen.

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