[Rezension] Nicola Sanders – Don‘t Believe Her

„Was, wenn die Wahrheit das größte Risiko ist?
Ellie hat alles: eine glückliche Beziehung, eine kleine Tochter und ein schönes Haus. Nur Carla, ihre beste Freundin aus Kindheitstagen und seit 12 Jahren schmerzlich vermisst, fehlt nach wie vor. Als Carla eines Tages vor der Tür steht, sind alle hellauf begeistert – bis auf Ellie, die spürt, dass hier etwas nicht stimmt. Das hier muss eine fremde Frau sein. Je vehementer Ellie versucht, ihre Zweifel zu beweisen, desto mehr steht sie allein da. Familie, Freunde und auch Carlas Mutter halten Ellie für paranoid. Doch tief in ihr wächst die Gewissheit: Diese Frau ist nicht die, die sie vorgibt zu sein – und ihre Rückkehr bringt alles in Gefahr, was Ellie liebt.“
Autorin: Nicola Sanders
Titel: Don‘t Believe Her
Übersetzung: Wolfgang Thon
Genre: Thriller
Seitenzahl: 336
Erscheinungsdatum: 24. Februar 2026
Verlag: HarperCollins
Preis: 17,00€ (Paperback); 14,99€ (E-Book)
Meine Meinung:
„Don’t Believe Her“ von Nicola Sanders Don’t Let Her Stay (Rezension) bereits das zweite Buch der Autorin, das ich gelesen habe. Nachdem mich ihr erstes Werk letztes Jahr so begeistert hat, war meine Erwartung entsprechend hoch und auch dieses Mal wurde ich absolut nicht enttäuscht.
Im Mittelpunkt steht Ellie, deren beste Freundin Carla in ihrer gemeinsamen Teenagerzeit spurlos verschwand. Dieses Verschwinden hat Ellies Leben nachhaltig geprägt. Über Jahre hinweg hat sie an Carla gedacht, sich gefragt, wo sie ist, was mit ihr passiert sein könnte, und irgendwann fast akzeptiert, dass sie vermutlich nicht mehr lebt. Umso unfassbarer ist es, als Carla plötzlich wieder auftaucht. Zumindest behauptet das jeder. Für alle anderen steht fest, dass die verschwundene Freundin endlich zurück und alles in Ordnung ist. Doch Ellie spürt vom ersten Moment an, dass etwas nicht stimmt. Diese Frau verhält sich nicht wie die Carla, die sie von früher kennt. Kleine Gesten, Blicke, Aussagen, alles fühlt sich fremd an. Das Problem ist nur, dass ihr niemand glaubt. Weder Außenstehende noch die Menschen, die ihr eigentlich am nächsten stehen. Besonders kompliziert wird alles durch Nick, Ellies Verlobten, der gleichzeitig Carlas Bruder ist. Auch er scheint überzeugt davon, dass seine Schwester zurückgekehrt ist. Während alle erleichtert sind, wächst in Ellie ein nagender Zweifel, der sie zunehmend isoliert. Sie beginnt sich zu fragen, ob sie die Einzige ist, die klar sieht, oder ob sie selbst langsam den Bezug zur Realität verliert…
Gerade dieser familiäre Spin, dass Ellie nun mit Carlas Bruder Nick verlobt ist, macht die Situation so explosiv. Die zurückgekehrte Carla bleibt schwer greifbar und distanziert. Generell keine der Figur wirkt vollkommen vertrauenswürdig. Niemand verhält sich wirklich rational oder nachvollziehbar. Ich war beim Lesen ständig hin und hergerissen, habe meine Einschätzung gefühlt alle paar Kapitel geändert und irgendwann gedacht, dass hier vielleicht wirklich alle ein bisschen verrückt sind. Diese permanente Unsicherheit sorgt für eine enorme Spannung.
Diese Erzählweise aus Ellies Sicht funktioniert hervorragend. Man spürt ihre Zweifel, ihre Angst, ihre Wut und diese wachsende Verzweiflung darüber, dass ihr offenbar niemand glaubt. Man möchte unbedingt herausfinden, ob Ellie recht hat oder ob sie sich in etwas hineinsteigert und hier selbst die Verrückte ist. Dieses Gefühl, nie genau zu wissen, auf welcher Seite die Wahrheit liegt, zieht sich konsequent durch die gesamte Handlung.
Wie schon bei „Don’t Let Her Stay“ beweist Nicola Sanders erneut, wie gut sie ihre Leserinnen an der Nase herumführen kann. Die Story strotzt nur so vor Spannung und man rauscht förmlich durch die Seiten, weil man unbedingt wissen will, wie sich dieses wilde Konstrukt am Ende auflösen wird. Besonders beeindruckt hat mich wieder, wie sehr mich die Figuren emotional mitgenommen haben zumindest auf der Nervigkeits-Skala. Es ist selten, dass Charaktere einen so sehr aufregen und gleichzeitig so fesseln. Dass eine Autorin es schafft, mich so positiv auf die Palme zu bringen, spricht absolut für ihr Talent.
Das Ende war vielleicht einen Hauch überzogen, aber wenn ich ehrlich bin, passt das zu ihrem Stil und hat mich schon beim ersten Buch nicht wirklich gestört. Insgesamt hatte ich erneut unglaublich viel Spaß beim Lesen. „Don’t Believe Her“ ist packende Unterhaltungslektüre mit starker Sogwirkung und Figuren, über die man sich herrlich aufregen kann.
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