[Rezension] Lisa Unger – Apartment 5B

„Die Autorin Rosie Lowan und ihr Ehemann Chad kommen in New York kaum über die Runden, als sie eine überraschende Nachricht erhalten: Chads verstorbener Onkel hat ihnen seine Luxuswohnung im historischen Windermere-Gebäude vererbt. Das junge Paar kann sein Glück kaum fassen. Doch schon kurz nach dem Umzug beschleicht Rosie ein beängstigendes Gefühl. Die vielen Kameras im Haus und die überfürsorglichen Nachbarn erscheinen ihr seltsam. Ebenso wie die Gerüchte um mysteriöse Todesfälle, die sich im Gebäude ereignet haben sollen. Als kurz darauf eine Leiche gefunden wird, weiß Rosie: Sie muss die Wahrheit über das Windermere herausfinden, bevor auch sie in tödliche Gefahr gerät …“

Autorin: Lisa Unger
Titel: Apartment 5B
Übersetzung: Anke Angela Grube
Genre: Thriller
Seitenzahl: 496
Erscheinungsdatum: 31. Januar 2025
Verlag: Lübbe
Preis: 12,99€ (Taschenbuch); 9,99€ (E-Book)

Meine Meinung:

Als Rosie und ihr Ehemann Chad überraschend eine Wohnung erben, scheint sich für die beiden zunächst ein Traum zu erfüllen. Im Moment kommen beide beruflich kaum über die Runden und mit dem Apartment 5B im legendären Windermere haben sie eine Wohnung gefunden, die sie sich unter normalen Umständen vermutlich nie hätten leisten können.

Doch schon bald stellt Rosie fest, dass im Windermere doch nicht alles so idyllisch ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Seltsame Geräusche, merkwürdige Vorkommnisse und die eigentümlichen Bewohner des Hauses sorgen dafür, dass sie sich zunehmend unwohl fühlt. Rosie beginnt sich zu fragen, ob hinter all den merkwürdigen Ereignissen tatsächlich mehr steckt, denn je länger sie im Windermere lebt, desto weniger lässt sich erklären, was dort vor sich geht…

Rosie und Chad stehen im Mittelpunkt der Geschichte und als Paar haben die beiden für mich grundsätzlich gut funktioniert. Allerdings ist Rosie dabei stellenweise schon ziemlich gutgläubig. Sie verhält sich an einigen Punkten erstaunlich naiv und lässt sich von bestimmten Personen und Situationen sehr beeinflussen. Andererseits passt diese Naivität natürlich zu ihrer Rolle in der Geschichte.

Auch die übrigen Bewohner des Windermere tragen einiges zur Atmosphäre bei. Sie sind nicht unbedingt die tiefgründigsten Figuren, fügen sich aber gut in dieses leicht merkwürdige und undurchsichtige Umfeld ein. Irgendwie sind alle eher schräg und jeder scheint seine eigenen Geheimnisse zu haben.

Was mich bei „Apartment 5B“ tatsächlich überrascht hat, war der Aufbau. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass die Geschichte nach einer Weile plötzlich die Perspektive wechselt und uns in die Vergangenheit des Windermeres führt.

Wir begleiten dort eine andere Bewohnerin des Hauses und bekommen damit gewissermaßen eine kleine eigene Geschichte präsentiert. Dieser Handlungsstrang nimmt nicht denselben Raum ein wie Rosies Geschichte in der Gegenwart, taucht aber immer wieder auf. Zunächst war für mich überhaupt nicht klar, wie diese Ereignisse mit der Gegenwart zusammenhängen. Erst nach und nach setzen sich die einzelnen Puzzleteile zusammen und die Verbindung zwischen den beiden Zeitebenen wird verständlicher.

Besonders gut gefallen hat mir die insgesamte Atmosphäre des Windermere. Dieses alte, luxuriöse Gebäude hat etwas sehr Elegantes, gleichzeitig aber auch etwas Unheimliches. Gerade die kleinen Details haben für mich dabei viel ausgemacht. Da gibt es Kameras, Überwachung und dieses Sprechsystem, über das der Portier direkt mit den Bewohnern kommunizieren kann. Dinge, die in einem modernen Gebäude vermutlich völlig normal wären, wirken in diesem alten Haus aber halt seltsam und fast schon befremdlich.

Dazu kommt immer wieder dieser kleine übernatürliche Unterton. „Apartment 5B“ ist für mich definitiv ein Thriller, aber einer, bei dem die Möglichkeit des Übernatürlichen immer ein bisschen im Raum steht. Rosie bringt durch ihre Familiengeschichte außerdem selbst eine Verbindung zu Spiritualität und übersinnlichen Dingen mit. Eigentlich möchte sie genau diesem Teil ihrer Vergangenheit entkommen und landet ausgerechnet in einem Gebäude, das geradezu danach schreit, dass hier etwas nicht stimmt.

„Apartment 5B“ hat mir aber vor allem wegen seiner Atmosphäre und des kleinen übernatürlichen Vibes gefallen. Lisa Unger schafft es ziemlich gut, dieses alte, luxuriöse Gebäude gleichzeitig faszinierend und unheimlich wirken zu lassen. Dazu kommt die eben auch die stetige Frage, ob die merkwürdigen Ereignisse tatsächlich eine übernatürliche Ursache haben oder ob sich am Ende doch alles anders erklären lässt.

Ganz frei von Schwächen ist das Buch für mich allerdings nicht. Gerade Rosie war mir an manchen Stellen doch etwas zu naiv, bei den Nebenfiguren hätte ich mir teilweise mehr Tiefe gewünscht und den Einstieg in das Buch etwas weniger langsam. Trotzdem war „Apartment 5B“ am Ende für mich ein unterhaltsamer Thriller, der mit einer schönen düsteren Atmosphäre und einem Hauch Spukhaus daherkommt.

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