[Rezension] Camilla Bruce – Am Ende des Gartens

„Clara Woods ist eine Mörderin, das kann man nicht anders sagen. So ruht ihr Ehemann bereits seit einiger Zeit unter einem überwucherten Blumenbeet im Garten ihres alten, düsteren Hauses. Als Claras Bruder stirbt, soll ausgerechnet sie der Vormund ihrer Nichten Lily und Violet werden. Und diese Gelegenheit, an das Geld der Mädchen zu kommen, lässt sie sich nicht entgehen. Doch kaum sind die beiden Mädchen angekommen, ist Claras Frieden dahin. Denn Violet kann den toten Ehemann sehen – und alle Geister von Claras anderen Opfern auch. Bald schon wissen Lily und Violet mehr, als sie sollten, und das kann Clara unmöglich hinnehmen. Aber die Schwestern sind alles andere als wehrlos, und es beginnt ein ungleicher Kampf …“
Autorin: Camilla Bruce
Titel: Am Ende des Gartens
Übersetzung: Dietmar Schmidt
Genre: Horror-Thriller
Seitenzahl: 432
Erscheinungsdatum: 28. September 2026
Verlag: Lübbe
Preis: 18,00€ (Taschenbuch); 12,99€ (E-Book)
Meine Meinung:
Clara Woods ist keine besonders angenehme Frau und lebt allein in einem alten, düsteren Haus. Als ihr Bruder stirbt, werden ihr ausgerechnet seine beiden Töchter Lily und Violet anvertraut. Für Clara ist das allerdings nicht nur eine unerwartete Verantwortung, sondern auch die perfekte Gelegenheit, an das Vermögen der Mädchen zu gelangen. Doch mit der Ankunft der Schwestern verändert sich einiges. Violet besitzt eine Gabe, die Clara ganz und gar nicht gebrauchen kann, denn sie kann die Toten sehen. Und in Claras Haus gibt es davon mehr als genug…
Ich hatte mit „Am Ende des Gartens“ von Camilla Bruce wirklich viel Freude. Vor allem, weil der Roman eine Geschichte erzählt, die sich nicht ganz so entwickelt, wie man es vielleicht von einem klassischen Spukhausroman erwarten würde.
Erzählt wird aus drei Perspektiven, nämlich aus der Sicht von Tante Clara sowie den beiden Schwestern Lily und Violet. Diese Aufteilung fand ich wirklich gut. Gerade bei Lily und Violet fand ich es schön, nicht einfach nur ein Geschwisterpaar als Einheit zu erleben, sondern beide Mädchen auch als eigenständige Figuren kennenzulernen. Ihre unterschiedlichen Sichtweisen geben der Geschichte jeweils etwas anderes und ergänzen sich dadurch sehr gut.
Ja, und Tante Clara… Clara ist ganz bewusst keine Figur, die man besonders sympathisch finden soll. Und trotzdem fand ich ihre Perspektive ausgesprochen interessant. Toll fand ich, dass wir mehr über ihre Vergangenheit und Kindheit erfahren. Dadurch bekommt ihr Verhalten zumindest teilweise einen nachvollziehbaren Hintergrund. An manchen Stellen hatte ich sogar Mitleid mit ihr. Allerdings immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass eine schwierige Kindheit zwar erklären kann, warum ein Mensch bestimmte Wege eingeschlagen hat, aber nicht automatisch entschuldigt, wie er sich später anderen gegenüber verhält. Gerade aber dieser Gegensatz hat Clara für mich zu einer interessanten Figur gemacht.
Besonders gut gefallen hat mir die Einbettung der übernatürlichen Komponente. Wir haben definitiv einige schaurige Stellen, die sich zum Gruseln eignen, trotzdem ist das Ganze nicht einfach ein typischerSpukhausroman. Camilla Bruce geht mit ihren Erscheinungen teilweise erstaunlich humorvoll um.
Gerade Clara reagiert auf die Geister nämlich häufig nicht so, wie man es vielleicht erwarten würde. Statt schreiend vor ihnen davonzulaufen, begegnet sie ihnen eher genervt, patzig und gehässig. Sie ist also zu den Geistern genauso ätzend wie zu den Lebenden. Das hat mich einige Male wirklich zum Lachen gebracht. Der Roman hat dadurch eine angenehm schräge Komponente, ohne aber zur Horrorkomödie zu werden.
Gleichzeitig sind die Geister aber nicht einfach nur dazu da, für ein bisschen Grusel zu sorgen. Sie bringen ihre eigenen Geschichten mit und dadurch bekommen die Erscheinungen viel mehr Gewicht und fügen sich sehr schön in die Geschichte ein. Auch atmosphärisch konnte mich das Buch überzeugen. Das alte Haus, der Garten und die düstere Stimmung passen hervorragend zur Geschichte und gerade für die ersten Herbsttage ist „Am Ende des Gartens“ für mich eine ziemlich passende Lektüre.
Ein kleiner Kritikpunkt bleibt für mich allerdings die Länge. Mit seinen 432 Seiten hätte die Geschichte für meinen Geschmack an einigen Stellen etwas straffer erzählt werden können. Es gibt ein paar kleinere Schleifen, bei denen ich das Gefühl hatte, dass die Handlung auch etwas schneller hätte vorankommen dürfen. Gleichzeitig bin ich mir aber gar nicht sicher, ob eine kürzere Geschichte der Atmosphäre gutgetan hätte. Genau diese ausführlichere Erzählweise trägt schließlich auch dazu bei, dass man dieses Haus, seine Bewohner und seine Vergangenheit so intensiv kennenlernt.
Sehr gut gefallen hat mir auch das Ende. Obwohl in dieser Geschichte viel Tragisches passiert, hat es mich mit einem richtig wohligen und guten Gefühl zurückgelassen. Ich mochte diesen Abschluss einfach sehr. Es ist ein Ende, das die Geschichte für mich wunderbar abrundet und mich tatsächlich mit einem richtig schönen Gefühl das Buch zuklappen ließ.
„Am Ende des Gartens“ ist für mich deshalb vor allem ein ungewöhnlicher Gruselroman mit interessanten Figuren, einer wunderbar düsteren Atmosphäre, einer ordentlichen Portion schwarzem Humor und einem wirklich schönen Ende. Kein klassische Spukhausroman, sondern etwas ganz besonderes.
![]()