[Rezension] Karsten Dusse – Filmriss auf Immenhof

„Die Kriminalpsychologin Sophia, geschieden, zweifache Teenager-Mutter und gerade wieder frisch getrennt, schenkt sich zum 45. Geburtstag ein Wochenende auf dem Immenhof. Das zum Hotel umgebaute Landgut ist für sie der Inbegriff von heiler Welt und Geborgenheit ihrer Kindheitsfilme. Nach einer Retro-Party mit Pony-Romantik und Wodka Red Bull wacht sie am nächsten Morgen allerdings mit einem Filmriss neben der abgetrennten Hand ihres Ex-Freundes auf. Sie hat keine Ahnung, wer dafür verantwortlich ist – weiß aber, dass sie am Tag vorher noch den perfekten Plan hatte, ihren Ex ohne Spuren zu ermorden. Zwischen Kindheitsidyll und schlechtem Gewissen rekonstruiert sie die Nacht – und findet dabei überraschend zu sich selbst zurück.“
Autor: Karsten Dusse
Titel: Filmriss auf Immenhof
Genre: Roman
Seitenzahl: 320
Erscheinungsdatum: 29. Juli 2026
Verlag: Heyne
Preis: 24,00€ (Hardcover); 21,99€ (E-Book)
Meine Meinung:
Eigentlich wollte Sophia auf dem Immenhof einfach nur eine kurze Auszeit nehmen und sich selbst ein Geburtstagsgeschenk machen. Doch nach einer durchzechten Nacht wacht sie mit einem kompletten Filmriss auf und macht einen schockierenden Fund. Neben ihr liegt die abgetrennte Hand ihres Ex-Freundes. Von dem Rest von ihm fehlt jede Spur. Sophia hat keine Ahnung, was in der vergangenen Nacht passiert ist und ob sie selbst etwas damit zu tun hat. Sie macht sich also nun an die Arbeit und versucht die Ereignisse Stück für Stück zu rekonstruieren…
Karsten Dusse gehörte für mich zu den Entdeckungen der letzten Jahre. Seine Achtsam Morden Reihe habe ich von Anfang an geliebt. Eine tolle Mischung aus Spannung, schwarzem Humor und herrlich absurden Situationen. Auch die Serienumsetzung hat diesen besonderen Ton meiner Meinung nach erstaunlich gut eingefangen.
Umso größer war die Vorfreude auf „Filmriss auf Immenhof“. Erst beim Lesen wurde mir übrigens bewusst, dass der Titel auf Filme anspielt. Die kenne ich selbst zwar nicht, das hat dem Verständnis aber überhaupt nicht geschadet. Die Bezüge werden kurz erklärt und wer die Filme kennt, entdeckt vermutlich noch die eine oder andere zusätzliche Anspielung.
Leider, leider konnte mich das Buch insgesamt nicht überzeugen. Was die Achtsam Morden Reihe für mich so besonders gemacht hat, war der trockene Humor, mit dem Anwalt Björn Diemel selbst die absurdesten Situationen kommentiert. Bei „Filmriss auf Immenhof“ hatte ich das Gefühl, dass Karsten Dusse versucht hat, diesen Erzählstil auf eine neue Geschichte zu übertragen. Während er dort perfekt zur Figur passte, wirkte er auf mich bei Sophia leider deutlich weniger stimmig.
Vor allem zu Sophia habe ich überhaupt keinen Zugang gefunden. Sie blieb für mich distanziert und begegnete selbst einschneidenden Ereignissen mit einer Gelassenheit und Ironie, die auf mich nicht glaubwürdig wirkte. Der Humor, den er dann in diesen Situationen benutzte, wirkte zu gewollt und verlor dadurch seine Wirkung. Was bei Achtsam Morden herrlich trocken funktioniert hat, fühlte sich hier eher konstruiert an.
Der Einstieg fiel mir entsprechend auch nicht leicht und ich brauchte einige Zeit, um überhaupt in die Geschichte hineinzufinden. Hinzu kam, dass sich die Handlung für mein Empfinden stellenweise unnötig in die Länge zog. Da Sophia zunächst selbst versucht herauszufinden, was passiert ist, werden viele Vermutungen und Erkenntnisse bereits im Verlauf der Geschichte ausführlich thematisiert. Als wir dann zum Ende den Filmriss aufdröseln, werden zahlreiche dieser Punkte noch einmal aufgegriffen umd das sorgt natürlich für viele Wiederholungen. Gefühlt haben wir uns da im kreis gedreht und sind sehr langsam voran gekommen.
Am ehesten lässt sich mein Gesamteindruck so beschreiben, dass sich der Humor für mich etwas aus der Zeit gefallen angefühlt hat. Ein bisschen wie bei einer späten Fortsetzung eines Kultfilms, wo man versucht, den Charme und die Witze des Originals unverändert zu übernehmen, obwohl sich drumherum vieles inzwischen verändert hat. Nicht, weil die Grundidee schlecht wäre, sondern weil sie für mich heute einfach nicht mehr dieselbe ist.
Vielleicht waren meine Erwartungen nach der Achtsam Morden Reihe auch einfach besonders hoch. Umso mehr hat es mich eben enttäuscht, dass mich dieses Buch nicht erreichen konnte. Ich hatte sogar das Gefühl, dass er sich mit der Entscheidung für eine weibliche Hauptfigur keinen Gefallen getan hat. Während der Anwalt aus seiner Reihe für mich von Beginn an greifbar und authentisch wirkte, blieb Sophia über das gesamte Buch hinweg unnahbar. Hinzu kamen einige Szenen und Bemerkungen, die auf mich unnötig klischeehaft wirkten. Insgesamt entstand dadurch der Eindruck, dass Karsten Dusse männliche Figuren authentischer schreibt.
„Filmriss auf Immenhof“ ist leider hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben. Die Grundidee hat durchaus Potenzial, doch der Humor wollte bei mir einfach nicht zünden, die Protagonistin blieb für mich blass und auch das Erzähltempo wurde durch viele Wiederholungen ausgebremst. Schade, denn ich hatte mich sehr auf dieses neue Buch gefreut. Vielleicht finden die Fans der Immenhof Filme Gefallen daran.
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