[Rezension] Liz Nugent – Die Wahrheit über Ruby Cooper

»Wäre meine Schwester nicht so schön gewesen, dann wäre all das nie passiert.«
Ruby Cooper und ihre Schwester Erin führen ein idyllisches Leben in Boston, getragen vom starken Zusammenhalt ihrer Kirchengemeinde. Als Ruby sechzehn ist, wird sie in einen Vorfall verwickelt, der die geordnete Welt ihrer Familie einstürzen lässt. Ruby flieht in die Heimat ihrer Mutter. Doch über Jahrzehnte hinweg werden die Nachwirkungen eine Spur der Verwüstung hinterlassen – für Ruby in Dublin und für Erin in Boston.“
Autorin: Liz Nugent
Titel: Die Wahrheit über Ruby Cooper
Übersetzung: Astrid Gravert
Genre: Thriller
Seitenzahl: 388
Erscheinungsdatum: 30. Juli 2026
Verlag: Gutkind
Preis: 24,00€ (Hardcover); 15,99€ (E-Book)
Meine Meinung:
Ruby Cooper wächst gemeinsam mit ihrer Schwester Erin in einer liebevollen Familie auf und scheint zunächst eine unbeschwerte Kindheit zu erleben. Doch ein einschneidendes Ereignis verändert das Leben der Familie von Grund auf. Was zunächst wie ein einzelner Schicksalsschlag erscheint, zieht weitreichende Folgen nach sich, die nicht nur Ruby und Erin, sondern auch viele Menschen in ihrem Umfeld über Jahrzehnte hinweg begleiten.
Nachdem mich „Seltsame Sally Diamond“ vor Kurzem so begeistert hat, waren meine Erwartungen an dieses Buch natürlich riesig. Sally ist für mich eine der eindrucksvollsten Figuren, die ich seit Langem in einem Buch kennen gelernt habe und ich war unglaublich gespannt darauf, ob Liz Nugent dieses Niveau noch einmal erreichen kann.
Was mich schon bei „Seltsame Sally Diamond“ so beeindruckt hat, ist auch hier wieder eine der größten Stärken der Autorin. Sie erschafft Figuren, die sich unglaublich echt anfühlen. Kein Schwarz/Weiß und niemand von ihnen ist einfach nur gut oder böse. Jeder trägt seine eigenen Verletzungen mit sich herum, trifft falsche Entscheidungen oder handelt in bestimmten Momenten nachvollziehbar, obwohl man selbst ganz anders entschieden hätte. Genau dadurch wirken die Menschen in diesem Roman so lebendig.
Ruby ist dabei eine Hauptfigur, die es einem wirklich alles andere als leicht macht. Sie gehört definitiv nicht zu den Figuren, die man sofort ins Herz schließt. Trotzdem wollte ich immer weiterlesen, weil ich verstehen wollte, was ihre Beweggründe sind und wie sich ihr Leben entwickelt. Liz Nugent schafft es dabei immer wieder, selbst für Menschen, mit denen man sich eigentlich gar nicht identifizieren möchte, Verständnis oder Mitgefühl zu wecken.
Erzählt wird die Geschichte überwiegend aus den Perspektiven von Ruby und Erin. Im Mittelpunkt allgemein steht eine Familiengeschichte, die sich über viele Jahre erstreckt und dabei unglaublich tragisch ist. Die Geschichte verfolgt das Leben der beiden Schwestern von den späten 1990ern bis in die Gegenwart. Dadurch lernen wir die Menschen über eine große Zeitspanne hinweg kennen und erleben ihre Entwicklungen unmittelbar mit. Es ist unglaublich zu sehen, wie eng die Schicksale der Figuren miteinander verwoben sind und welche Auswirkungen ihre Entscheidungen, Zufälle und Verluste auf das Leben eines jeden haben können. Immer wieder musste ich darüber nachdenken, wie anders das Leben aller Beteiligten wohl verlaufen wäre, wenn dieses eine Ereignis zu Beginn nie passiert wäre. Natürlich lässt sich das nicht beantworten, trotzdem drängt sich diese Frage beim Lesen immer wieder auf. Gerade dadurch wird einem bewusst, welche weitreichenden Folgen einzelne Entscheidungen oder Schicksalsschläge haben können und wie unfair das Leben manchmal spielt.
An vielen Stellen hat mich das an „Die Geschichte der Baltimores“ von Joël Dicker erinnert. Nicht, weil sich die Geschichten ähneln, sondern weil beide Bücher auf eindrucksvolle Weise zeigen, wie Familien über viele Jahre hinweg von bestimmten Ereignissen geprägt werden und welche Konsequenzen daraus entstehen. Eine große, emotionale Lebensgeschichte, die mich komplett in ihren Bann gezogen hat.
Auch wenn mir „Seltsame Sally Diamond“ am Ende vielleicht noch einen kleinen Tick besser gefallen hat, spielt „Die Wahrheit über Ruby Cooper“ für mich auf einem ähnlich hohen Niveau. Liz Nugent hat mir erneut gezeigtt, wie außergewöhnlich gut sie Figuren schreiben kann und erzählt uns hier eine bewegende, tragische Familiengeschichte, die mich emotional sehr mitgenommen hat.
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