[Rezension] Lisa Jewell – Kein Hauch von Wahrheit


Manche Begegnungen verändern dein Leben. Andere zerstören es.

Alix Summer ist Podcasterin – erfolgreich, selbstbewusst, mitten im Leben. An ihrem 45. Geburtstag begegnet sie in einem Londoner Pub einer Frau, die auf den ersten Blick kaum auffällt: Josie Fair. Auch sie wird an diesem Tag 45 – und wurde im selben Krankenhaus geboren. Ein Zufall? Oder der Beginn von etwas Unheimlichem?

Kurz darauf taucht Josie erneut auf. Sie bittet Alix, ihre Geschichte zu erzählen – sie stehe an einem Wendepunkt in ihrem Leben. Alix, die selbst mit kreativer Leere und den Eskapaden ihres alkoholkranken Ehemanns Nathan zu kämpfen hat, willigt ein. Doch mit jedem Interview wächst ihr Unbehagen.

Josie erzählt von ihrer Jugend, der frühen Ehe mit dem deutlich älteren Walter, von ihren Töchtern Erin und Roxy – und von einem Leben, das von Kontrolle und Schweigen geprägt ist. Alix spürt bald, dass etwas nicht stimmt. Eine diffuse Beunruhigung breitet sich aus – ein Gefühl, das sie nicht mehr abschütteln kann.

Die Grenzen zwischen Wahrheit und Lüge, Nähe und Gefahr verschwimmen. Josie drängt sich immer weiter in Alix’ Leben – bis Nathan plötzlich verschwindet und ein verstörendes Spiel aus Täuschung und Kontrolle beginnt … “

Autorin: Lisa Jewell
Titel: Kein Hauch von Wahrheit
Übersetzung: Michael Krug
Genre: Thriller
Seitenzahl: 388
Erscheinungsdatum: 18. Juli 2025
Verlag: Ronin
Preis: 19,00€ (Taschenbuch); 9,99€ (E-Book)

Meine Meinung:

Alix führt als erfolgreiche Podcasterin ein Leben, das nach außen perfekt wirkt. An ihrem fünfundvierzigsten Geburtstag begegnet sie zufällig Josie. Die beiden Frauen stellen fest, dass sie nicht nur am selben Tag geboren wurden, sondern sogar im selben Krankenhaus zur Welt kamen. Obwohl sie unterschiedlicher kaum sein könnten, entwickelt Josie schnell Interesse an Alix und ihrem Leben. Als Josie dann vom Podcast von Alix erfährt, schlägt sie ihr ein neues Projekt vor. Statt wie bisher erfolgreiche Frauen zu porträtieren, soll der Podcast ihren Weg von einer gescheiterten zu einer erfolgreichen Frau begleiten. Alix lässt sich auf die Idee ein, ohne zu ahnen, welche Folgen diese Entscheidung haben wird…

Lisa Jewell gehört für mich mittlerweile zu den Autorinnen, auf deren neue Bücher ich mich jedes Mal besonders freue. Ihre Thriller entwickeln für mich eine unglaubliche Sogwirkung und überraschen mich immer wieder mit wirklich intelligent aufgebauten Geschichten, die sich nur schwer durchschauen lassen.

Schon die Ausgangssituation hat mich sofort neugierig gemacht. Zwei Frauen, die am selben Tag im selben Krankenhaus geboren wurden und trotzdem kaum unterschiedlicher sein könnten. Aus dieser zunächst harmlos wirkenden Begegnung entwickelt sich eine Geschichte, die mich von Anfang an gepackt hat, zumal sich das Ausmaß erst mit der Zeit zeigt.

Besonders gut gefallen hat mir die Erzählweise. Die Handlung wird abwechselnd aus der Sicht von Alix und Josie erzählt. Dabei wird schnell deutlich, wie unterschiedlich beide die selben Situationen wahrnehmen. Was für die eine selbstverständlich erscheint, hat für die andere eine völlig andere Bedeutung. Gerade diese unterschiedlichen Blickwinkel sorgen dafür, dass ich mir nie sicher war, welcher Wahrnehmung ich eigentlich vertrauen konnte.

Für zusätzliche Abwechslung sorgen die eingestreuten Interviews sowie Auszüge aus der späteren Serienadaption der Geschichte. Diese Elemente fügen sich super in die Handlung ein und verleihen dem Buch eine richtig schöne Dynamik. Gleichzeitig erhält man immer wieder neue Informationen, ohne dass zu schnell zu viel verraten wird.

Und wie hier mit dem Thema Wahrheit gespielt wird! Während der gesamten Geschichte habe ich mich gefragt, wer ehrlich ist, wer etwas verschweigt und wer die Wahrnehmung anderer ganz bewusst beeinflusst. Ständig hatte ich das Gefühl, jetzt die Lösung zu haben, nur um kurz darauf wieder alles umzuwerfen. Ein wunderbares Rätselraten! Einzelne Entwicklungen konnte ich zwar erahnen, aber das große Ganze blieb für mich bis zum Schluss unvorhersehbar.

“Kein Hauch von Wahrheit“ hat mich von der ersten bis zur letzten Seite bestens unterhalten. Die ungewöhnliche Erzählweise, die vielschichtigen Figuren und die raffinierte Handlung haben dafür gesorgt, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen wollte. Lisa Jewell beweist für mich einmal mehr, warum sie zu meinen liebsten Thrillerautorinnen gehört.

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