[Rezension] Karin Slaughter – Tödliches Verderben (North Falls #2)

Autorin: Karin Slaughter
Titel: Tödliches Verderben
Reihe: North Falls #2
Übersetzung: Simone Schroth, Birgit Schmitz
Genre: Thriller
Seitenzahl: 560
Erscheinungsdatum: 28. Juli 2026
Verlag: HarperCollins
Preis: 24,00€ (Hardcover); 19,99€ (E-Book)
Reihenfolge:
- Dunkle Sühne (Rezension)
- Tödliches Verderben
Meine Meinung:
Kaum scheint sich North Falls von den Ereignissen des letzten Falls zu erholen, wird die Kleinstadt erneut von einem brutalen Verbrechen erschüttert. Die ehemalige Polizistin Allison Vickery wird in ihrem eigenen Haus erschossen, ihre sechzehnjährige Tochter Mandy überlebt den Angriff schwer verletzt. Für Sheriff Emmy Clifton beginnt eine Ermittlung, bei der zunächst völlig unklar ist, wer Allison nach dem Leben trachtete. Hat sie sich während ihrer Zeit bei der Polizei Feinde gemacht, geht es um eine alte Rechnung oder steckt etwas ganz anderes hinter der Tat? Gemeinsam mit ihrer Schwester Jude folgt Emmy den ersten Spuren und stößt auf ein Geflecht aus lange verborgenen Geheimnissen.
Schon mit dem ersten Teil „Dunkle Sühne“ konnte mich Karin Slaughter vollkommen begeistern. Der Auftakt der North Falls Reihe gehörte zu meinen Thrillerhighlights des letzten Jahres und entsprechend hoch waren meine Erwartungen an die Fortsetzung. Auch „Tödliches Verderben“ hat mich wieder bestens unterhalten und zeigt einmal mehr, wie toll die Autorin komplexe Kriminalfälle mit persönlichen Geschichten ihrer Figuren verbinden kann.
Erzählt wird die Geschichte überwiegend aus den Perspektiven von Emmy und Jude. Besonders gut gefallen hat mir, dass beide denselben Ereignissen häufig einen unterschiedlichen Blickwinkel verleihen. Die Dynamik zwischen den Frauen gehört für mich zu den Stärken der Reihe und ich bin gespannt, wie das weiterentwickelt wird.
Besonders gefreut habe ich mich darüber, dass Jude wieder mehr Raum bekommen hat. Ihre Geschichte wurde im ersten Band bereits angedeutet und nun erfahren wir noch mehr über sie. Mit Emmy hatte ich in diesem Band allerdings deutlich mehr zu kämpfen. Sie befindet sich ohne Zweifel in einer schwierigen Lebensphase und viele ihrer Entscheidungen lassen sich durchaus nachvollziehen. Trotzdem macht sie es einem stellenweise nicht leicht, sie zu mögen. Gut, dass ich sie aus „Dunkle Sühne“ noch ganz anders in Erinnerung hatte. Dort konnte ich viel leichter eine Verbindung zu ihr aufbauen und genau dieses Bild hat mir auch hier geholfen, ihre Entwicklung einzuordnen.
Der Fall selbst ist wieder ausgesprochen vielschichtig. Themen wie Häusliche Gewalt, Korruption innerhalb des Polizeiapparates und Drogenkriminalität begegnen uns. Viele Zusammenhänge reichen weit in die Vergangenheit zurück und erst spät wird deutlich, wie eng die einzelnen Ereignisse miteinander verwoben sind. Gerade diese Vielschichtigkeit schafft die Autorin immer richtig gut und ich liebe es, wie sich alles mit der Zeit entblättert.
Mit über 550 Seiten nimmt sich der Roman reichlich Zeit, alle Fäden zusammenzuführen. Das passt prinzipiell sehr gut zu dem umfangreichen Fall. Dennoch gab es zwischendurch immer wieder Abschnitte, in denen Figuren bereits bekannte Informationen noch einmal aufgriffen und wiederholt reflektiert haben. Dadurch ist stellenweise etwas die Geschwindigkeit abgeflacht. Wer also einen Thriller sucht, den man an einem Tag locker verschlingen kann, der wird hier eher nicht fündig. „Tödliches Verderben“ verlangt Aufmerksamkeit und Ruhe, belohnt einen dafür aber mit einer durchdachten und stimmigen Geschichte.
Auch wenn beide Bücher einen eigenständigen Kriminalfall erzählen, würde ich unbedingt empfehlen, die Reihe in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Vor allem die persönliche Entwicklung der Figuren und ihre Beziehungen zueinander schreiten voran.
Mit „Tödliches Verderben“ haben wir eine echt starke Fortsetzung bekommen, die erneut mit einem komplexen Fall und glaubwürdigen Figuren überzeugt. Persönlich hat mir „Dunkle Sühne“ noch einen kleinen Tick besser gefallen, einfach weil mich der erste Band insgesamt noch etwas mehr packen konnte. Das ändert aber nichts daran, dass auch „Tödliches Verderben“ ein toll konstruierter Thriller ist, den Fans der Reihe auf keinen Fall verpassen sollten.
