[Rezension] Jess Ryder – Seine zweite Ehe

„Meine beste Freundin hat mich davor gewarnt, Edward schon nach so kurzer Zeit zu heiraten. Er ist Witwer und hat einen süßen kleinen Jungen. Aber ich habe in ihm nur den liebenden, trauernden Vater gesehen, der meine Hilfe brauchte.
Doch am Tag unserer Hochzeit zerbrechen meine Träume unter den dunklen Wolken, die am Himmel aufziehen. Seine Familie ist nicht gekommen, um mit uns zu feiern. Statt einer Hochzeitsreise verbringen wir nur einen ruhigen Abend zuhause. Meinen Hochzeitsstrauß legen wir auf das Grab seiner ersten Frau. Und am selben Abend erzählt mir der kleine Noah, dass seine Mutter ganz sicher noch am Leben ist.
Woran genau erinnert er sich, und warum sollte sein Vater wollen, dass er es vergisst? Kenne ich meinen Ehemann so schlecht? Und wie weit wird Edward gehen, um mich daran zu hindern, die Wahrheit über seine erste Ehe herauszufinden?“
Autorin: Jess Ryder
Titel: Seine zweite Ehe
Übersetzung: Irene Fried
Genre: Thriller
Seitenzahl: 378
Erscheinungsdatum: 29. Juli 2026
Verlag: Bookouture
Preis: 11,99€ (Taschenbuch); 4,99€ (E-Book), Kindle Unlimited
Meine Meinung:
Lily kann ihr Glück kaum fassen, denn ausgerechnet sie hat sich den wohlhabenden Witwer Edward geangelt und als sie zeitnah heiraten, scheint ihr Glück vollkommen zu sein. Gemeinsam sind sie nun zusammen mit Edwards kleinem Sohn Noah eine Familie. Doch schon kurz nach der Hochzeit wird deutlich, dass hinter der scheinbar perfekten Fassade längst nicht alles so harmonisch ist, wie es zunächst den Anschein hatte. Der Junge behauptet immer wieder, seine Mutter sei gar nicht tot und werde schon bald zurückkehren. Gleichzeitig häufen sich merkwürdige Ereignisse, die Lily zunehmend verunsichern. Je tiefer sie in der Vergangenheit ihres Ehemanns wühlt, desto mehr wird klar, dass Edward sie nach Strich und Faden belogen hat…
Nachdem mich die bisherigen Bücher von Jess Ryder allesamt begeistern konnten, waren meine Erwartungen an „Seine zweite Ehe“ entsprechend hoch.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Lily, die sich mit der Hochzeit ihren Traum von einer Familie erfüllt. Doch schon rund um die Hochzeit hatte ich das Gefühl, dass irgendetwas faul ist. Edwards Familie kommt nicht zur Trauung und er selbst tut auch äußerst geheimnisvoll.
Mit Lily selbst bin ich allerdings nie richtig warm geworden. Sie hat für meinen Geschmack viel zu viele Red Flags übersehen. Die Kommunikation zwischen ihr und Edward läuft an vielen Stellen überhaupt nicht und ich hätte mir gewünscht, dass sie deutlich häufiger nachgehakt und die ganzen Dinge nicht einfach so akzeptiert hätte. Natürlich lebt eine Geschichte auch davon, dass Figuren nicht immer logisch handeln. Ein wenig mehr Kommunikation hätte hier allerdings viele Missverständnisse verhindert. Lily ist also definitiv eine Fugur, die man zwischendurch am liebsten einmal kräftig schütteln und ihr sagen möchte, dass sie endlich mal die Augen aufmachen soll.
Edward wäre für mich sehr weit entfernt von einem Traummann gewesen. Bis heute ist es mir ein Rätsel, was Lily eigentlich an Edward gefunden hat. Ich hatte während der gesamten Geschichte nicht das Gefühl, wirklich nachvollziehen zu können, warum sie sich ausgerechnet in ihn verliebt hat und schließlich sogar bereit war, ihn zu heiraten. Mir fehlte hier einfach die emotionale Grundlage, um ihre Entscheidungen wirklich verstehen zu können.
Die Geschichte ist in zwei Teile gegliedert. Den größten Teil begleiten wir Lily, bevor im zweiten Abschnitt noch eine weitere Perspektive hinzukommt. Dieser Wechsel hat der Handlung gutgetan und sorgte dafür, dass die Geschichte noch einmal etwas an Fahrt aufgenommen hat.
Denn mit dem Spannungsaufbau hatte ich zeitweise meine Schwierigkeiten. Die Geschichte lebt vor allem von den familiären Konflikten und den vielen kleinen Lügen. Den psychologischen Nervenkitzel, den ich erwartet hatte, habe ich allerdings über weite Strecken vermisst. Das Buch ist keineswegs langweilig, verlangt aber etwas Geduld, bis die Handlung richtig Fahrt aufnimmt, beziehungsweise Lily endlich mal die Augen aufmacht.
Die Auflösung hat mir dagegen gut gefallen. Sie passt zur Geschichte und rundet die Ereignisse schlüssig ab. Trotzdem konnte sie für mich nicht ganz wettmachen, dass sich die Handlung über lange Strecken eher ruhig entwickelt hat.
Insgesamt hat sich „Seine zweite Ehe“ für mich deutlich anders angefühlt als „Die Touristin“ oder „Die Villa“. Gerade diese beiden Bücher konnten mich mit ihrer besonderen Atmosphäre und den außergewöhnlichen Schauplätzen deutlich stärker fesseln. Wer Jess Ryder bisher noch nicht kennt, dem würde ich deshalb eher eines dieser beiden Bücher als Einstieg empfehlen.
Aber auch wenn mich diese Geschichte nicht ganz überzeugen konnte, werde ich bei den Büchern der Autorin weiterhin zugreifen. Schließlich haben mir ihre anderen Thriller bereits gezeigt, wie gut sie spannende Geschichten erzählen kann. Dieses Mal war es für mich einfach nicht der richtige Treffer.
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