[Rezension] Chris Carter – Du kriegst mich nicht

„Dreizehn Jahre. So lautet das Urteil gegen Nelson Stewart – verurteilt für das, was er Samantha angetan hat. Doch noch im Gerichtssaal macht er ihr eines unmissverständlich klar: Er wird zurückkommen. Samantha verschwindet, zieht immer wieder um, und sie gibt sich einen neuen Namen. Als Mary Smith will sie in Frieden leben. Durchatmen. Aber Mary weiß, warum Nelson nicht locker lassen wird.
DENN NICHTS IST, WIE ES SCHEINT.
Es beginnt eine gnadenlose Verfolgung – bei der Marys Leben auf dem Spiel steht.“
Autor: Chris Carter
Titel: Du kriegst mich nicht
Übersetzung: Sybille Uplegger
Genre: Thriller
Seitenzahl: 464
Erscheinungsdatum: 30. Juli 2026
Verlag: Ullstein
Preis: 18,00€ (Taschenbuch); 13,99€ (E-Book)
Meine Meinung:
Samantha hat den Mut gefunden, ihren gewalttätigen Ehemann Nelson vor Gericht zu bringen. Nach seiner Verurteilung erhält sie im Rahmen eines Identitätswechsels einen neuen Namen und beginnt als Mary Smith ein neues Leben. Endlich bekommt sie die Chance auf einen Neuanfang und auf der Suche nach einem Ort, an dem sie endlich ankommen und sich ein neues Leben aufbauen kann, zieht Mary durchs Land. Niemand soll erfahren, wer sie wirklich ist. Doch die Angst vor der Vergangenheit bleibt ihr ständiger Begleiter. Zu groß ist die Sorge, dass ihr Exmann sie eines Tages doch aufspüren könnte…
Chris Carter gehört für mich seit Jahren zu den besten Thrillerautoren überhaupt. Seine Hunter & Garcia Reihe zählt zu meinen absoluten Lieblingsreihen und bisher konnte mich wirklich jeder einzelne Band überzeugen. Umso neugieriger war ich natürlich, als für dieses Jahr kein neuer Fall angekündigt wurde, sondern ein eigenständiger Thriller. Meine Vorfreude war riesig, gleichzeitig aber natürlich auch meine Erwartung. Wenn ein Autor über so viele Bücher hinweg überzeugen kann, setzt man die Messlatte automatisch ziemlich hoch.
Der Einstieg in die Story war enorm packend. Chris Carter versteht es einfach, den Leser von der ersten Seite an neugierig zu machen, und genau das ist ihm auch hier wieder gelungen. Ich war direkt in der Geschichte, allerdings hätte ich mir gerade zu Beginn etwas mehr Hintergrund zu Samanthas Vergangenheit und vor allem zu Nelson gewünscht. Es wird zwar deutlich, dass von ihm eine Bedrohung ausgeht, mir fehlte jedoch etwas das Gefühl dafür, wie groß diese Gefahr tatsächlich ist.
Nach dem gelungenen Auftakt verlor die Geschichte an Tempo. Mary reist umher und wir begleiten sie, ohne dass wirklich etwas passiert. Wirkliche Längen würde ich es zwar nicht nennen, trotzdem fehlte mir dieses typische Chris Carter Gefühl, bei dem man das Buch kaum noch aus der Hand legen kann und einfach immer weiterlesen möchte.
Hinzu kommt, dass mir Mary erstaunlich fremd geblieben ist. Obwohl wir die gesamte Geschichte aus ihrer Perspektive erleben, habe ich nie das Gefühl gehabt, sie wirklich tief zu kennen. Ich hätte mir eine stärkere emotionale Bindung zu ihr gewünscht. Das ist mir nur umso mehr aufgefallen, weil ich selbst Robert Hunter, der auch eher ein verschlossener Eigenbrötler ist, gefühlt besser kenne als Mary.
Was sich allerdings überhaupt nicht verändert hat, ist Chris Carters Schreibstil. Das Buch liest sich gewohnt flüssig und angenehm, die Seiten vergehen schnell und seine Handschrift ist definitiv zu erkennen. Gleichzeitig fühlt sich dieser Thriller aber deutlich anders an als die Hunter & Garcia Reihe. Der Fokus liegt viel stärker auf Mary und ihrer Geschichte, wodurch der Roman insgesamt ruhiger wirkt als die temporeichen Ermittlungen, die ich sonst mit Chris Carter verbinde. Was ich allerdings wirklich gar nicht gebraucht hätte, waren die Sexszenen.
“Du kriegst mich nicht” ist für mich ein guter Thriller mit einer spannenden Ausgangsidee, einem starken Einstieg und dem gewohnt flüssigen Schreibstil von Chris Carter. Meine „Enttäuschung“ rührt vor allem daher, dass der Autor die Messlatte mit seiner bekannten Reihe selbst unglaublich hoch gelegt hat. Einzeln betrachtet ist „Du kriegst mich nicht“ ein wirklich guter Thriller. Im direkten Vergleich konnte dieser Einzelband für mich leider nicht ganz mithalten. Wer sonst Hunter & Garcia liebt, sollte sich darauf einstellen, dass Chris Carter diesmal einen etwas anderen Weg eingeschlagen hat und für mich nicht die gleiche enorme Sogwirkung entfalten konnte. Aber immer noch – das ist Meckern auf hohem Niveau.
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