[Rezension] Chris Chibnall – Septembermord

„Das stille Dörfchen Fleetcombe wird jäh aus seiner Idylle gerissen, als der Wirt des „White Hart“ tot aufgefunden wird. Seine Leiche wurde mitten auf der Bundesstraße grotesk inszeniert: halbnackt an einen Stuhl gefesselt, ein Hirschgeweih auf dem Kopf. Für Detective Nicola Bridge, die gerade erst in ihre Heimat zurückgekehrt ist, wird der Fall zum Prüfstein. Gemeinsam mit dem jungen DC Harry Ward folgt sie den Spuren. Doch je mehr Fragen sie stellen, desto dichter wird der Nebel aus Lügen um sie herum. Die Dorfgemeinschaft schweigt, und bald müssen die Ermittler erkennen, dass in Fleetcombe jeder seine Geheimnisse hat – und dass zwischen all den Halbwahrheiten ein Mörder sitzt, der darauf vertraut, dass das Dorf ihn schützt.“
Autor: Chris Chibnall
Titel: Septembermord
Reihe: Bridge & Ward #1
Übersetzung: Leena Flegler
Genre: Krimi
Seitenzahl: 416
Erscheinungsdatum: 31. Juli 2026
Verlag: Piper
Preis: 18,00€ (Taschenbuch); 5,99€ (E-Book)
Reihenfolge:
- Septembermord
Meine Meinung:
Im beschaulichen Küstenort Fleetcombe scheint jeder jeden zu kennen. Als der Wirt des traditionsreichen Pubs White Heart ermordet aufgefunden wird, übernimmt die gerade erst in ihr Heimatdorf zurückgekehrte Nicola Bridge die Ermittlungen. Gemeinsam mit ihrem jungen Kollegen Harry Ward stößt sie auf eine Dorfgemeinschaft, in der jeder seine Geheimnisse hütet und Loyalität oft wichtiger ist als die Wahrheit.
Chris Chibnall ist vor allem als Drehbuchautor, Produzent und Showrunner bekannt. Er hat die Krimiserie „Broadchurch“ erschaffen und damit das Genre entscheidend geprägt. „Septembermord“ ist sein Romandebüt und man merkt, dass diese sich stilistisch in der Richtung bewegt. Auch dass Chibnall aus dem Fernsehen kommt, merkt man dem Roman an. Die Geschichte entwickelt sich wie eine klassische britische Krimiserie. Statt auf rasante Action setzt man hier auf Kleinstadtflair, einprägsame Figuren und gründliche Ermittlungsarbeit. Das Tempo ist ruhig und lässt der Dorfgemeinschaft viel Raum.
Besonders gut gefallen hat mir tatsächlich der Schauplatz. Fleetcombe ist sehr lebendig beschrieben. Ich liebe es außerdem, wenn in Büchern Karten dabei sind. Ich blättere dann gerne zurück und schaue nach, wo sich die Figuren gerade befinden oder wie die einzelnen Orte zueinander liegen.
Der Fall selbst beginnt mit einer eindrucksvollen Inszenierung und weckt direkt die Neugier. Ganz gepackt hat mich die eigentliche Geschichte dahinter allerdings nicht. Die Ermittlungen und der Weg zur Auflösung waren interessant und ich habe die einzelnen Puzzleteile gern verfolgt. Trotzdem hat mir am Ende etwas gefehlt, das mich stärker mitreißt oder nachhaltig überrascht. Für die kommenden Bände wünsche ich mir deshalb einen Fall, der mich noch mehr fesselt und dessen Auflösung einen größeren Eindruck hinterlässt.
Die Dorfgemeinschaft dagegen ist toll eingefangen. Jeder kennt jeden, die Familien sind seit Generationen miteinander verbunden und jeder weiß über die Vergangenheit der anderen Bescheid. Selbst wenn nicht alle gut miteinander auskommen, hält man nach außen zusammen. Entsprechend stoßen die Ermittler schnell auf Misstrauen, denn unangenehme Fragen zu stellen ist hier alles andere als willkommen.
Mit Nicola Bridge und Harry Ward bekommen wir zwei Ermittler, die durchaus Potenzial haben. Wirklich nah bin ich den beiden allerdings noch nicht gekommen. Vielleicht liegt das an der typisch britischen Zurückhaltung. Mir haben an einigen Stellen noch mehr persönliche Einblicke gefehlt, um die Figuren greifbarer machen. Die Dynamik zwischen Bridge und Ward hat mir dagegen gut gefallen.
Insgesamt ist „Septembermord“ für mich ein solider Reihenauftakt mit einem gelungenen Schauplatz und viel britischem Krimiflair. Die Figuren und der eigentliche Fall dürfen in den nächsten Bänden für meinen Geschmack noch etwas mehr Tiefe und Wucht entwickeln. Weiterlesen möchte ich die Reihe auf jeden Fall, denn das Potenzial ist da.
![]()