[Rezension] Benjamin Wiater – Blutsfreunde

„Anfang der 90er-Jahre erschüttert der grausame Mord an der 17-jährigen Nina eine Kleinstadt. Die Freunde David, Meike, Simon und Lars fassen einen waghalsigen Plan: Sie wollen den Fall auf eigene Faust aufklären. Doch je tiefer sie in Ninas scheinbar perfektes Leben eintauchen, desto mehr verstörende Geheimnisse kommen ans Licht. Was als aufregendes Sommerabenteuer beginnt, wird zum Albtraum. 25 Jahre später kehrt David nach Audorf zurück. Alte Wunden reißen auf. Die Freunde werden gezwungen, sich der Schuld zu stellen, die sie damals auf sich geladen haben, den Taten, die sie begangen haben – und einem fatalen Irrtum.“
Autor: Benjamin Wiater
Titel: Blutsfreunde
Genre: Thriller
Seitenzahl: 448
Erscheinungsdatum: 14. Oktober 2026
Verlag: Gmeiner
Preis: 18,00€ (Paperback); 4,99€ (E-Book)
Meine Meinung:
Anfang der 90er wird eine langweilige Kleinstadt durch den grausamen Mord an der 17-jährigen Nina erschüttert. Die Freunde David, Meike, Simon und Lars wollen sich nicht damit abfinden, dass der Fall ungelöst bleibt, und beschließen, selbst herauszufinden, was mit Nina geschehen ist. Doch je tiefer sie graben, desto deutlicher wird, dass hinter der scheinbar perfekten Fassade des Ortes und der Familie einiges verborgen liegt. 25 Jahre später kehrt David, der seiner Heimat längst den Rücken gekehrt hat, nach Audorf zurück. Die Vergangenheit ist allerdings längst nicht so abgeschlossen, wie es zunächst scheinen mag.
Ich freue mich immer, wenn ich einen richtig guten deutschen Thriller entdecke. Zuletzt hatte ich da beispielsweise Caroline Frey oder auch Caroline Seibt auf dem Schirm. Umso neugieriger war ich auf „Blutsfreunde“ von Benjamin Wiater.
Erzählt wird auf zwei Zeitebenen, wobei wir zwischen der Vergangenheit Anfang der 90er Jahre und der Gegenwart hin und her wechseln. Das hat für mich richtig gut funktioniert. In der Vergangenheit erleben wir einen Sommer, in dem die Hitze förmlich über der Dorf flimmert. Die Atmosphäre ist wirklich schön eingefangen und passt wunderbar zu dieser Zeit, in der eine Freundesgruppe kurz vor einem großen Umbruch steht. Gerade David hat Pläne für die Zukunft, denn für ihn soll es bald für ein Austauschjahr ins Ausland gehen. Eigentlich sollte dieser Sommer noch einmal unbeschwert sein, mit langen Tagen und dem Gefühl, dass einem die ganze Welt offensteht. Doch dann kommt alles anders.
In der Gegenwart begegnen wir David wieder, inzwischen erwachsen und längst weggezogen. Aus bestimmten Gründen kehrt er nach Audorf zurück und damit auch an einen Ort, an dem vieles geschehen ist, das ihn bis heute begleitet. Durch den Wechsel zwischen den Zeitebenen hatte ich stellenweise tatsächlich das Gefühl, zwei unterschiedliche Personen zu begleiten. Natürlich handelt es sich um denselben Menschen, aber zwischen dem Jugendlichen von damals und dem Erwachsenen von heute liegen eben ein paar Jahre.
Was mir an den zwei Zeitlinien besonders gut gefallen hat, war auch der atmosphärische Kontrast. Während wir in der Vergangenheit diesen heißen Sommer haben, ist die Gegenwart von einer klirrenden Kälte geprägt.
Überhaupt sind die Figuren für mich eine große Stärke des Buches. Die Freundesgruppe aus der Vergangenheit fühlte sich richtig echt an, und ich konnte mich gut auf die Jugendlichen und ihre Lebenswelt einlassen. Tatsächlich hatte ich beim Lesen immer wieder das Gefühl, einen Coming-of-Age-Roman vor mir zu haben. Das ist etwas, das ich ohnehin sehr gerne lese, und genau deshalb hat mich dieser Teil der Geschichte so abgeholt. Ich wollte nicht nur wissen, was damals passiert ist, sondern habe auch gerne Zeit mit diesen Figuren verbracht.
Interessant ist auch der Vergleich zwischen den Jugendlichen von damals und wenn man Jugendliche von heute sieht. Es ist schon erstaunlich, wie sehr sich die Lebensrealität junger Menschen in dieser Zeit verändert hat. Anfang der 90er Jahre spielten soziale Medien noch keine Rolle. Heute gehören sie für Jugendliche ganz selbstverständlich zum Alltag und beeinflussen auch, wie sie miteinander umgehen.
Ich hatte insgesamt wirklich Spaß daran, die Zusammenhänge zu entwirren und gemeinsam mit den Figuren der Wahrheit näherzukommen. Die Hinführung zur Auflösung fand ich dabei gelungen. Ich hatte zwar irgendwann eine Vermutung, in welche Richtung sich alles entwickeln könnte, und auch gerade für das Ende hätte ich mir etwas mehr Zeit gewünscht. Hier ging es mir dann doch ein wenig zu schnell, sodass die Auflösung für meinen Geschmack etwas überhastet abgehandelt wurde.
Das ändert allerdings nichts daran, dass „Blutsfreunde“ für mich ein gelungener Thriller ist, der mir beim Lesen richtig viel Spaß gemacht hat. Ich freue mich immer, wenn ich eine schöne Entdeckung im Bereich der deutschen Thriller mache, und Benjamin Wiater hat mich mit diesem Buch definitiv neugierig auf seine weiteren Geschichten gemacht. Ich bin gespannt, was wir in Zukunft noch von ihm lesen werden, und hoffe sehr, dass da noch einiges kommt.
![]()