[Rezension] Alex Finlay – Good Night, Pretty Girl

„Silvester 1999. Vier Mädchen werden bei der Arbeit in einer Videothek überfallen; nur eines lässt der Killer am Leben. Fünfzehn Jahre später werden in derselben Kleinstadt drei Teenager während ihrer Nachtschicht in einer Eisdiele erstochen, und erneut verschont der Täter die vierte von ihnen. Auch ihr flüstert er seinen Abschiedsgruß ins Ohr: »Good night, pretty girl.« Nach dem ersten Fall hatte die Polizei rasch einen Verdächtigen, den Freund eines der Opfer. Doch der junge Mann konnte fliehen und ist seither verschwunden. Nun führt der neuerliche Albtraum drei Menschen bei der Suche nach der Wahrheit zusammen: die einzige Überlebende des ersten Massakers, den Bruder des mutmaßlichen Täters von 1999 und die FBI-Agentin Sarah Keller, die in die abgründigen Geheimnisse von zwei Mordnächten eintauchen muss …“

Autor: Alex Finlay
Titel: Good Night, Pretty Girl
Übersetzung:  Leo Strohm
Genre: Thriller
Seitenzahl: 400
Erscheinungsdatum: 21. Januar 2026
Verlag: Goldmann
Preis: 13,00€ (Paperback); 11,99€ (E-Book)

Meine Meinung:

In einer kleinen amerikanischen Kleinstadt arbeiten vier Mädchen in der Silvesternacht 1999 in einer Videothek. Was als völlig normaler Abend beginnt, endet in einem Albtraum. Ein Täter stürmt den Laden, tötet drei der jungen Frauen brutal und lässt eine am Leben. Bevor er verschwindet, flüstert er ihr nur zwei Worte ins Ohr: „Gute Nacht, du hübsches Ding…“.

Fünfzehn Jahre später wiederholt sich das Grauen. Diesmal trifft es vier Teenagerinnen, die abends in einer Eisdiele arbeiten. Wieder tötet der Täter drei der Frauen. Und wieder überlebt genau eine und auch sie hört: „Gute Nacht, du hübsches Ding“.

Alex Finlay hat mich bereits mit „Allein gegen die Lüge“ komplett abgeholt und sich damit für mich sofort als Autor etabliert, den ich unbedingt weiterverfolgen möchte. Ich war vor allem davon beeindruckt, wie gut er es geschafft hat, Thriller-Spannung mit emotionaler Tiefe zu verbinden, insbesondere durch die sehr greifbar gezeichnete Familiengeschichte, die mich damals extrem gepackt hat. Wer „Allein gegen die Lüge“ noch nicht gelesen hat, unbedingt nachholen! (Rezension)

Besonders schön fand ich das Wiedersehen mit FBI-Agentin Sarah Keller, die auch hier wieder eine wichtige Rolle spielt, allerdings ohne dass man die Bücher zwingend in Reihenfolge lesen müsste. Zeitlich gesehen spielt „Good Night, Pretty Girl“ sogar vor „Allein gegen die Lüge“, was ihrer Figur im Nachhinein noch einmal zusätzliche Tiefe verleiht.

Im Zentrum von „Good Night, Pretty Girl“ stehen vier Figuren. Ella, die Überlebende des ersten Massakers und die nie wirklich mit dem Erlebten abgeschlossen hat. Jessie, das neue „Final Girl“, die nicht einfach nur Opfer bleiben will, sondern Antworten sucht. Chris, der Bruder des damaligen Hauptverdächtigen, der bis heute mit dem Stigma lebt und wie bereits erwähnt Sarah Keller, unsere FBI Agentin.

Die Geschichte wird auf zwei Ebenen erzählt. Die Vergangenheitsebene rund um das erste Massaker 1999 und die Gegenwartsebene, in der sich die neuen Morde ereignen. Der Fokus liegt dabei klar auf der Gegenwart, während die Vergangenheit nur mittels eines kleinen Rückblicks geschildert wird. Erzählt wird aus wechselnden Perspektiven, vor allem aus Sicht von Ella, Jessie, Sarah Keller und Chris. Alle vier verfolgen im Kern dasselbe Ziel, nämlich die Wahrheit über die Taten herauszufinden, gehen dabei jedoch sehr unterschiedlich vor. Genau das sorgt dafür, dass sich die Handlung organisch entwickelt und man als Leserin ständig neue Blickwinkel auf dieselben Ereignisse bekommt.

Typisch Finlay sind auch hier wieder die kurzen, pointierten Kapitel, die fast immer mit einem kleinen Cliffhanger enden. Sobald die Perspektive wechselt, will man eigentlich sofort weiterlesen, weil man unbedingt wissen möchte, wie es im vorherigen Handlungsstrang weitergeht. Für mich ist das genau diese Art von Erzählrhythmus, die einen Thriller zu einem echten Pageturner macht.

Auch wenn „Good Night, Pretty Girl“ für mich ein starker Thriller war, liegt es im direkten Vergleich zu „Allein gegen die Lüge“ ein wenig zurück. Das lag weniger an der Story als an meiner emotionalen Bindung zu den Figuren. Nicht, weil die Charaktere hier schlechter ausgearbeitet wären, im Gegenteil, auch wenn ich Jesse als Final Girl nicht ganz greifen konnte. Ich habe mich mit den Figuren im ersten Buch einfach noch ein kleines Stück mehr verbunden gefühlt. Vor allem die Familiengeschichte aus „Allein gegen die Lüge“ hat mich emotional stärker gecatcht als die Final Girl Thematik in diesem Buch. Ich kann es gar nicht perfekt in Worte fassen, aber dort war diese zusätzliche emotionale Ebene, die mich noch tiefer in die Geschichte gezogen hat.

Nach diesen beiden Büchern steht jedoch für mich fest, Alex Finlay gehört nun ganz klar zu den Thriller Autoren, deren Neuerscheinungen ich mir künftig blind anschauen werde. Umso mehr freue ich mich, dass bereits ein drittes Buch auf Deutsch angekündigt ist, das noch dieses Jahr erscheinen soll. „Good Night, Pretty Girl“ ist ein extrem spannender, gut konstruierter Thriller, der erneut zeigt, wie gut Finlay Geschichten erzählen und Plots entwickeln kann. Auch wenn er für mich persönlich einen Hauch hinter „Allein gegen die Lüge“ zurückbleibt, ist das Jammern auf sehr hohem Niveau. Wer den Vorgänger mochte, wird auch dieses Buch lieben.

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