[Rezension] Ursula Poznanski – Das Signal


„Du dachtest, ein GPS-Tracker liefert Antworten – doch er stößt dich in finstere Abgründe

Digital, emotional und hoch raffiniert: Dieser Psychothriller ist Domestic Noir vom Feinsten von Bestseller-Autorin Ursula Poznanski. Ein spannender Technologie-Thriller um ein altes Haus, eine Frau mit Handicap und ein digitales Katz-und-Maus-Spiel zwischen Wahrheit und Wahnsinn

Gefangen im eigenen Haus: Bei einem Unfall verliert die junge Innenarchitektin Viola Decker ein Bein – und plötzlich besteht ihre Welt nur noch aus Hindernissen. Zwar kümmert ihr Mann Adam sich rührend um sie; mit dem barrierefreien Umbau ihres abgelegenen alten Hauses scheint er es allerdings nicht eilig zu haben. Viola sitzt buchstäblich im Erdgeschoss fest, alleine mit einer wortkargen Pflegerin, von der sie sich ständig überwacht fühlt.

Und immer wieder verschwinden wichtige Dinge aus Violas Reichweite. Um nicht lange danach suchen zu müssen, stattet sie sie mit winzigen GPS-Trackern aus. Als Adams Verhalten sich zu verändern beginnt und er immer häufiger spät nach Hause kommt, beginnt sie heimlich, auch ihn zu tracken, und entdeckt schon bald beunruhigende Muster. Offensichtlich belügt er sie über seinen Tagesablauf – und nicht nur er. Warum? Mit jedem Tag und jeder Lüge wächst in Viola ein furchtbarer Verdacht … „

Autorin: Ursula Poznanski
Titel: Das Signal
Genre: Thriller
Seitenzahl: 400
Erscheinungsdatum: 02. Februar 2026
Verlag: Droemer Knaur 
Preis: 24,00€ (Gebunden); 20,99€ (E-Book)

Meine Meinung:

Violas Alltag wird durch einen einschneidenden Unfall, bei dem sie ihr Bein verliert, komplett aus der Bahn geworfen. Von einem Moment auf den anderen ist nichts mehr selbstverständlich, Bewegungsfreiheit wird zum Luxus, Abhängigkeit zum täglichen Begleiter. Was zunächst schon so nach einem Alptraum klingt klingt, wird nur noch schlimmer, denn Viola beginnt ihrem Ehemann Adam immer mehr zu misstrauen. Er verschwindet stundenlang, ihre Gehhilfen sind plötzlich weg und die eigens eingestellte Pflegerin ist auch mehr eine Gefängniswärterin. Kurzerhand schiebt sie ihrem Mann einen GPS Tracker unter, um zumindest ein Stück weit Augen auf ihren Mann zu haben…

Mit „Das Signal“ legt Ursula Poznanski einmal mehr einen Thriller vor, der aktuelle Technik, menschliche Abgründe und eine sehr persönliche Geschichte miteinander verknüpft. Schon nach wenigen Seiten wird klar, dass hier nicht nur ein klassischer Spannungsroman wartet, sondern auch ein sehr nahbarer Blick auf eine Protagonistin, deren Leben sich schlagartig verändert. Moderne Technologie in Form von GPS Tracking spielt außerdem eine entscheidende Rolle. GPS-Tracker, digitale Spuren und scheinbar harmlose Helferlein entwickeln eine Eigendynamik, die Viola sowohl neue Möglichkeiten eröffnet als auch Fragen aufwirft, die sie lieber nicht stellen würde. Lange bleibt offen, wohin sich die Handlung entwickelt. Ist es ein Domestic Thriller über persönliche Beziehungen und Misstrauen? Oder steckt doch etwas Größeres dahinter, das sich erst Stück für Stück offenbart? Gerade dieses breite Spektrum sorgt dafür, dass man als Leser ständig zwischen Theorien schwankt und die Geschichte lange nicht in eine eindeutige Richtung einordnen kann.

Ursula Poznanski gehört für mich seit Jahren zu den Autorinnen, bei denen ich eigentlich bedenkenlos zugreifen kann. Ihre Werke sind erstaunlich breit gefächert. Von Standalones zu Ermittlerreihen und Jugendthrillern und dennoch erkennt man stets ihre Handschrift. Viele ihrer Bücher stehen noch auf meiner Leseliste, und bisher war ich im Großen und Ganzen immer sehr angetan davon, wie sie Spannung mit aktuellen Themen und glaubwürdigen Figuren verbindet. „Das Signal“ reiht sich da nahtlos ein und zeigt erneut, wie mühelos sie zwischen Zielgruppen und Erzählstilen wechseln kann.

Hauptfigur in „Das Signal“ ist Viola und damit eine Protagonistin, die man nicht so schnell vergisst. Das, was ihr vor Beginn der eigentlichen Handlung widerfährt, ist einschneidend und lebensverändernd und dennoch begegnet sie ihrer Situation mit einer erstaunlichen Mischung aus Pragmatismus, Sarkasmus und trockenem Humor. Gerade dieser Tonfall macht viel vom Reiz des Buches aus. Wo andere Geschichten in düstere Schwere abgleiten würden, setzt Poznanski immer wieder kleine humorvolle Impulse. Viola nimmt ihr Schicksal nicht leicht, aber sie lässt sich auch nicht vollständig davon definieren. Dieser Galgenhumor sorgt immer wieder für Momente, in denen man trotz der ernsten Thematik schmunzeln muss. Ein kleiner Kritikpunkt bleibt für mich die Rehabilitationsphase, die stellenweise etwas knapp angerissen wirkt. Sie ist präsent, aber oft eher im Hintergrund und nur dann deutlich, wenn es für den Plot gerade notwendig ist. Hier hätte ich mir an manchen Stellen etwas mehr Tiefe gewünscht.

Violas Mann bildet einen interessanten Kontrast zu ihr. Wo sie versucht, mit Ironie und nüchterner Akzeptanz voranzukommen, wirkt er häufig vorsichtiger, kontrollierter, stellenweise fast überbehütend. Dieses Spannungsfeld innerhalb der Beziehung verleiht der Geschichte zusätzliche Dynamik. Gerade im Zusammenspiel zeigt sich, wie unterschiedlich Menschen mit Ausnahmesituationen umgehen können. Als Viola zu Beginn ihren Mann als Ästeht beschreibt, war mir schon klar, dass er sich mit einer einbeinigen Frau wohl schwer tun wird…

Auch die Nebenfiguren sind alles andere als bloßes Beiwerk. Besonders Violas „Wächterin“ bzw. Pflegerin sorgt für einige der unterhaltsamsten Szenen im Buch. Ihr Zusammenspiel mit Viola ist stellenweise herrlich bissig und wirklich zum Schreien komisch. Diese Dialoge lockern die Handlung enorm auf und verhindern, dass die Geschichte zu schwer wird. Gleichzeitig behalten die Figuren ihre Wichtigkeit für den Plot und wirken nie wie reine Stichwortgeber.

Ein persönlicher Pluspunkt für mich sind Bücher, die mit einer Karte beginnen. Ich liebe es, während des Lesens immer wieder zurückzublättern, Straßen und Orte nachzuschlagen und mich räumlich zu orientieren. „Das Signal“ hat genau dieses Detail, das mir sofort ein gutes Gefühl gegeben hat. Die technische Komponente rund um GPS-Tracker und digitale Nachverfolgung ist spannend umgesetzt. Es wird humorvoll in die Geschichte eingebaut, schon allein die Namen sind wirklich witzig. Gleichzeitig wird deutlich, wie schmal der Grat zwischen Hilfe und Kontrolle sein kann.

Der Spannungsbogen entfaltet sich eher schleichend als explosiv. Lange ist unklar, welches Ziel die Geschichte ansteuert, was jedoch weniger verwirrend als vielmehr reizvoll ist. Der Weg zur Lösung hat mir sehr gut gefallen, ebenso die Auflösung selbst. Sie ist nicht in jeder Facette vollkommen überraschend, denn einige Entwicklungen lassen sich dann doch erahnen, wirkt aber stimmig und zufriedenstellend.

„Das Signal“ hat mich von der ersten Minute an gepackt. Der Einstieg mit Violas Schicksalsschlag ist intensiv, ohne erdrückend zu sein, und der immer wieder aufblitzende Humor macht die Geschichte erstaunlich leicht lesbar, obwohl das Thema eigentlich schwer wiegt. Unterm Strich bleibt ein sehr gelungener Thriller, der mich nur noch einmal mehr daran erinnert hat, dass ich definitiv mehr von Ursula Poznanski lesen möchte. Vielleicht ist jetzt endlich der richtige Zeitpunkt, ihre Wiener Ermittlerreihe von der Leseliste zu befreien.

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