[Rezension] Shari Lapena – Was sie nicht weiß

„Bryden und Sam sind glücklich verheiratet und haben alles, was sie sich je gewünscht haben: eine schicke Wohnung, erfolgreiche Karrieren, gute Freunde und eine dreijährige Tochter, die sie über alles lieben. Doch eines Abends bekommt Sam einen besorgten Anruf aus dem Kindergarten: Bryden hat offenbar vergessen, die kleine Clara abzuholen. Sam sammelt seine Tochter ein und fährt mit ihr nach Hause. Dort scheint alles in bester Ordnung zu sein: Brydens Auto steht in der Tiefgarage, Schlüssel, Handy und Portemonnaie liegen in der Wohnung. Nur von Bryden selbst fehlt jede Spur …“
Autorin: Shari Lapena
Titel: Was sie nicht weiß
Übersetzung: Kristian Lutze
Genre: Thriller
Seitenzahl: 384
Erscheinungsdatum: 19. August 2026
Verlag: Goldmann
Preis: 17,00€ (Taschenbuch); 14,99€ (E-Book)
Meine Meinung:
Bryden und Sam Frost führen mit ihrer dreijährigen Tochter Clara ein scheinbar perfektes Leben. Sie haben gute Jobs, ein schönes Zuhause und einen Freundes- und Familienkreis, auf den sie sich verlassen können. Doch eines Abends gerät dieses Leben plötzlich aus den Fugen, denn Bryden holt ihre Tochter nicht wie gewohnt aus dem Kindergarten ab. Sam macht sich also auf den Weg, um Clara abzuholen. Zu Hause angekommen, fehlt von Bryden jede Spur. Ihr Auto steht in der Tiefgarage, ihr Handy, ihre Schlüssel und ihre persönlichen Dinge sind noch in der Wohnung. Nichts deutet darauf hin, dass sie geplant hat, einfach zu verschwinden. Die Polizei beginnt mit der Suche nach der Vermissten und während Familie, Freunde und Nachbarn versuchen, Antworten zu finden, wird schnell deutlich, dass längst nicht alles so eindeutig ist, wie es zunächst scheint…
Was dieses Buch für mich besonders macht, ist vor allem seine Erzählweise. Wir bekommen es mit einer ganzen Reihe von Perspektiven zu tun und wechseln innerhalb eines Kapitels zwischen den einzelnen Figuren. Die verschiedenen Perspektiven sind also nicht durch eigene Kapitel voneinander getrennt, sondern lediglich durch Absätze. Das klingt zunächst vielleicht etwas unübersichtlich, funktioniert hier aber erstaunlich gut.
Gerade bei so vielen Personen ist es wichtig, dass die einzelnen Figuren klar genug voneinander abgrenzbar sind, damit man beim Wechsel nicht erst überlegen muss, wer hier gerade redet. Und das funktionierte hier super gut! Ich konnte die Perspektiven von Anfang an auseinanderhalten und wusste bei jedem Wechsel sofort, wo ich gerade bin und was diese Figur beschäftigt. Ein etwas ungewöhnlicher Aufbau mit den Wechseln im Kapitel, der für mich aber sehr gut funktioniert hat.
Gleichzeitig ist diese Vielzahl an Perspektiven natürlich perfekt für einen Thriller, bei dem man ständig versucht herauszufinden, wer hier eigentlich die Wahrheit sagt. Wer hat etwas zu verbergen? Wer könnte Brydens Verschwinden erklären? Wer lügt und wer sagt vielleicht nicht alles, was er weiß?
Auch die Ermittlungsarbeit hat mir gut gefallen. Detective Jayne Salter fand ich als Ermittlerin ausgesprochen gut. Sie ist aufmerksam, lässt sich nicht so leicht abspeisen und arbeitet sich konsequent durch die verschiedenen Aussagen und Widersprüche. Für mich muss eine Ermittlungsfigur dabei gar nicht zwingend besonders sympathisch sein. Viel wichtiger ist mir, dass ich ihre Arbeit gerne verfolge und genau das war hier der Fall.
Ein paar Passagen hätten ehrlicherweise etwas straffer ausfallen dürfen. Außerdem waren mir manche Figuren beziehungsweise deren Handlungsstränge stellenweise ein wenig zu sehr auf die Spitze getrieben. Das hätte für meinen Geschmack nicht ganz so ins Extreme gehen müssen. Allerdings hat mich das insgesamt nicht so gestört, dass dadurch der Lesespaß verloren gegangen wäre. Jedoch ist ein interessanter Nebenstrang leider etwas stiefmütterlich behandelt worden, da hätte ich gerne mehr erfahren.
Trotz dieser kleinen Kritikpunkte blieb die Geschichte für mich durchgehend interessant. Vor allem das Zusammenspiel der unterschiedlichen Perspektiven hat dafür gesorgt, dass man immer wieder neue Informationen bekommt und seine bisherigen Vermutungen überdenken muss.
Dieses Miträtseln hat mir besonders viel Spaß gemacht. Ich habe meine Meinung darüber, wer möglicherweise Dreck am Stecken hat, im Laufe der Geschichte mehrfach geändert. Und das lag nicht daran, dass die Auflösung für mich so überraschend war, sondern daran, dass tatsächlich mehrere Möglichkeiten für mich plausibel gewesen wären. Ich konnte mir bei verschiedenen Figuren vorstellen, dass sie mehr wissen, als sie zugeben. Mit dem Ende bin ich grundsätzlich zufrieden. Gerade wenn man lange miträtselt sollte es sich am Ende nicht zusammengewürfelt anfühlen.
“Was sie nicht weiß” ist damit für mich wieder ein guter Thriller von Shari Lapena. Besonders die ungewöhnliche Perspektivgestaltung und das Who Dunnit Gefühl haben mir gefallen. Ein paar Straffungen und etwas weniger Überzeichnung bei einzelnen Figuren hätten der Geschichte zwar gutgetan, insgesamt hatte ich aber viel Spaß beim Miträtseln und Entwirren der verschiedenen Geheimnisse.
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