[Rezension] Sarah Pekkanen – House of Glass


„Sie sind die perfekte Familie. Doch der Schein trügt …

Seit die 9-jährige Rose Barclay den dramatischen Tod ihres Kindermädchens miterleben musste, spricht sie nicht mehr, mit niemandem. Nun soll Sorgerechtsanwältin Stella Hudson Roses Interessen in der Scheidung ihrer Eltern vertreten. Doch die gesamte Familie scheint entschlossen, Stella möglichst von Rose fernzuhalten. Bald wird Stella klar, dass in dieser Familie jeder etwas zu verbergen hat, einschließlich Rose. Der Dreh- und Angelpunkt ist dabei der Tod des Kindermädchens, der möglicherweise ein Mord war. Und jedes Familienmitglied kommt als Täter infrage: die Mutter, der Vater, die Großmutter, sogar Rose. Ist ausgerechnet die Person, die Stella beschützen soll, genau die, vor der sie sich in Acht nehmen muss?“

Autorin: Sarah Pekkanen
Titel: House of Glass
Übersetzung: Julia Abrahams
Genre: Thriller
Seitenzahl: 432
Erscheinungsdatum: 3. August 2026,
Verlag: Lübbe
Preis: 18,00€ (Taschenbuch); 12,99€ (E-Book)

Meine Meinung:

Stella Hudson ist Sorgerechtsanwältin und wird als Gutachterin in einem schwierigen Sorgerechtsstreit eingesetzt. Sie soll beurteilen, bei welchem Elternteil die neunjährige Rose künftig besser aufgehoben wäre. Eine einfache Aufgabe ist das allerdings nicht, denn Rose spricht seit einem traumatischen Erlebnis nicht mehr. Sie musste mit ansehen, wie die Nanny der Familie starb, und leidet seitdem unter selektivem Mutismus. Tatsächlich steht sogar im Raum, dass der Tod kein Unfall war, sondern vielleicht doch Mord…

Stella kann Rose also nun nicht einfach fragen, bei wem sie leben möchte. Stattdessen muss sie sich über Gespräche mit den Eltern, Beobachtungen und die vorhandenen Unterlagen ein eigenes Bild von der Familie machen, doch die gesamte Familie macht ihr es mehr als schwer Zugang zu finden. Für Stella stellt sich also nicht nur die Frage, was tatsächlich passiert ist, sondern auch, wem sie in dieser Familie überhaupt vertrauen kann.

Gleichzeitig wird der Fall für Stella zu einer persönlichen Reise in ihre eigene Vergangenheit. Auch sie hat als Kind nach einem traumatischen Erlebnis nicht mehr gesprochen. Stella musste den Tod ihrer Mutter miterleben und hat sich über viele Jahre nicht mehr damit auseinandergesetzt. Durch die Arbeit an Roses Fall beginnt sie nun, sich erneut mit dem Geschehen von damals zu beschäftigen und möchte nun wissen, was genau mit ihrer Mutter geschehen ist.

Die Geschichte wird vollständig aus Stellas Sicht erzählt. Wir begleiten sie überwiegend in der Gegenwart bei ihrer Arbeit an Roses Fall und bekommen dabei auch Einblicke in ihr Privatleben. Zwischendurch gibt es Rückblenden in Stellas Kindheit, die nach und nach mehr über ihre eigene traumatische Vergangenheit und den Tod ihrer Mutter erzählen.

Der Schwerpunkt liegt damit klar auf der Gegenwart und dem Sorgerechtsfall. Die Rückblenden ergänzen Stellas persönliche Geschichte aber sehr geschickt und machen ein rundes Bild von ihr.

Ich hatte mich auf „House of Glass“ wirklich sehr gefreut. Das Cover hat mir auf Anhieb gefallen, der Klappentext klang genau nach meinem Beuteschema und mit Sarah Pekkanen war mir außerdem eine Autorin bereits ein Begriff. „Die Wahrheit über ihn“, was sie gemeinsam mit Greer Hendricks geschrieben hat, hatte ich vor einigen Jahren gelesen und ausgesprochen positiv in Erinnerung. Entsprechend war für mich eigentlich schnell klar, dass ich „House of Glass“ unbedingt lesen möchte.

Der Einstieg war dann zwar etwas holpriger, als ich erwartet hatte, aber nach und nach hat mich die Geschichte immer mehr gepackt. Besonders gut gefallen hat mir die verzwickte Familienkonstellation. In dieser Familie steckt von Anfang an unglaublich viel Konfliktpotenzial, und ich mochte, wie die unterschiedlichen Beziehungen und Spannungen innerhalb der Familie dargestellt wurden. Die gescheiterte Ehe, der Tod der Nanny und Roses eigene Erlebnisse ergeben ein Gefüge, das man nicht so schnell einschätzen kann.

Ich habe übrigens meine Meinung über die Ereignisse im Laufe der Story immer wieder geändert. Ich war ein paar Mal ic überzeugt, verstanden zu haben, was hier vor sich geht, nur um kurze Zeit später wieder daran zu zweifeln. Es gab dann doch einige falsche Fährten und Wendungen, die dafür gesorgt haben, dass die Geschichte nicht völlig vorhersehbar ist. Richtig tolles Miträtsel-Potenzial!

Die Auflösung zum Ende fand ich dann insgesamt gelungen. Die verschiedenen Spuren der Geschichte wurden stimmig zusammengeführt und es war nicht so offensichtlich, dass ich schon früh alles durchschaut hätte. Das ist bei einem psychologischen Thriller natürlich ein großer Pluspunkt. Sehr interessant fand ich außerdem Stellas eigene Geschichte. Die Parallelen zwischen ihr und Rose sind nicht nur für den Fall wichtig, sondern geben Stella als Figur auch viel Tiefeund Expertise. Ihre Vergangenheit hat mich tatsächlich so interessiert, dass ich an manchen Stellen gerne noch mehr über sie erfahren hätte. Ich hätte mir nach dem Ende sogar noch ein weiteres Buch mit Stella vorstellen können, auch wenn „House of Glass“ ja leider nur ein Einzelband ist.

Ich hätte mir lediglich ein kleines bisschen mehr Sogwirkung gewünscht. Gerade weil mich die Geschichte inhaltlich so angesprochen hatte und meine Erwartungen entsprechend hoch waren, hatte ich gehofft, noch stärker an die Handlung gefesselt zu sein. Das hat meinem Lesevergnügen aber letztlich keinen großen Abbruch getan, sondern hängt ja eher mit meiner Erwartung zusammen.

Insgesamt war „House of Glass“ für mich ein wirklich gelungener psychologischer Thriller mit einer interessanten Familienkonstellation, einer spannenden persönlichen Geschichte und einer Auflösung, die mich überzeugen konnte. Ich mochte es, dass ich während des Lesens immer wieder umdenken musste und nicht von Anfang an wusste, wem ich hier eigentlich vertrauen kann.

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