[Rezension] Sebastian Fitzek – Der Nachtzug

„In einer einzigen Nacht verlor der bekannte Berliner Strafverteidiger Adrian Corvin alles, was ihm im Leben wichtig war: Seine Frau Judith wurde brutal ermordet, sein fünfjähriger Sohn Emil entführt. Die geständige Mörderin lockt Adrian in den Royal Rail Express, einen der luxuriösesten Nachtzüge der Welt, in dem jedes Abteil sein eigenes Schlaf-, Bade- und Wohnzimmer hat.
Hier unterbreitet sie ihm ein diabolisches Angebot. Die Psychopathin verspricht, Emil lebend zurückzubringen. Unter einer völlig unerfüllbaren Bedingung, die nur eine Wahnsinnige stellen kann …“
Autor: Sebastian Fitzek
Titel: Der Nachtzug
Genre: Psychothriller
Seitenzahl: 352
Erscheinungsdatum: 21. Oktober 2026
Verlag: Droemer HC
Preis: 26,00€ (Gebunden); 19,99€ (E-Book)
Meine Meinung:
Das Leben des Berliner Anwalts Adrian Corvin wurde auf den Kopf gestellt. Seine Frau Judith wurde ermordet und sein fünfjähriger Sohn Emil entführt. Eine Frau gesteht die Tat und führt Adrian schließlich in den Royal Rail Express, einen der luxuriösesten Nachtzüge der Welt. Doch statt Antworten auf seine Fragen zu bekommen, wird er mit einem Angebot konfrontiert, das ihn vor eine unmögliche Entscheidung stellt. Die Mörderin verspricht, Emil lebend zurückzubringen. Allerdings nur, wenn Adrian eine Bedingung erfüllt, die kaum zu erfüllen ist…
Es ist wieder so weit. Ein neuer Herbst, ein neuer Fitzek. Und natürlich war ich auch diesmal gespannt, was Sebastian Fitzek sich für seinen neuesten Psychothriller ausgedacht hat. Die Werbetrommel wurde im Vorfeld schließlich wieder ordentlich gerührt. An den Trailern und der ganzen Kampagne kam man kaum vorbei. Das muss man ihm beziehungsweise dem Team dahinter lassen. Sie wissen einfach, wie man die Leserschaft neugierig macht und einen Hype erzeugt. Ich war jedenfalls gespannt, was mich in „Der Nachtzug“ erwarten würde.
Der Nachtzug selbst hat mir als Schauplatz durchaus gefallen. Wir haben durch den Zug eine abgeschlossene Umgebung und damit ein klassisches Locked-Room-Setting und die Fahrtzeit selbst dient als Countdown, der zusätzlichen Druck erzeugt. Man kann den Zug nicht einfach verlassen, sondern sitzt gewissermaßen in der Falle. Das fand ich als Setting durchaus gelungen. Allerdings hatte ich beim Lesen immer wieder das Gefühl, dass der Zug für die eigentliche Geschichte gar nicht unbedingt notwendig gewesen wäre. Im Grunde haben wir ein Hotel auf Rädern. Ein vergleichbares Szenario hätte sich vermutlich auch an einem anderen abgeschlossenen Ort erzählen lassen, nur dann hätte man sich eben einen anderen Countdown überlegen müssen. Trotzdem mochte ich den Schauplatz, weil es einfach mal was anderes war.
Im Mittelpunkt steht Adrian Corvin, aus dessen Sicht wir die Geschichte hauptsächlich erleben. Ich mag es tatsächlich total gerne mal andere Figuren als immer nur Ermittler zu begleiten und so finde ich Anwälte als Perspektive eine schöne Abwechslung. Und natürlich steht Adrian durch den Mord und die Entführung mächtig unter Druck, was dem ganzen richtig Geschwindigkeit verleiht.
Leider hat mich die Geschichte im weiteren Verlauf nicht so richtig überzeugt. Und damit sind wir bei einem allseits bekannten Problem, das ich bei Fitzek schon in einigen Büchern hatte. Es wird einfach immer abenteuerlicher und immer konstruierter. Natürlich lese ich einen Psychothriller nicht, weil ich eine alltägliche Geschichte erwarte. Ich möchte auf eine falsche Fährte gelockt werden und miträtseln, aber trotzdem muss es eben innerhalb der Geschichte glaubwürdig bleiben.
Bei „Der Nachtzug“ war das leider nicht wirklich der Fall. Ich kann mir einfacg nicht vorstellen, dass jemand so etwas tatsächlich plant und dann auch noch auf diese Weise durchzieht. Wenn ich bei einer Enthüllung innerlich schon aussteige, weil sie mir zu sehr an den Haaren herbeigezogen erscheint, kann sie mich auch nicht mehr richtig packen.
Das heißt nicht, dass ich „Der Nachtzug“ schlecht fand. Ich fand die Grundidee interessant und konnte durchaus nachvollziehen, was Fitzek mit dem abgeschlossenen Schauplatz und dem Countdown erreichen wollte. Nur hat mich die Umsetzung eben nicht ausreichend überzeugt, um aus dem Buch einen neuen Favoriten zu machen. Dafür waren mir einige Entwicklungen einfach zu unglaubwürdig und zu konstruiert. Das Buch reiht sich im Mittelfeld ein, denn ich habe definitiv andere Favoriten von Fitzek, habe aber auch schon welche gelesen, die mir noch weniger gefallen haben!
Werde ich trotzdem im nächsten Herbst wieder ganz selbstverständlich zu dem neuen Fitzek greifen? Aber klar! Ich weiß nun aber, dass seine Bücher für mich einfach eine ziemlich durchwachsene Sache sind. Es gibt Geschichten, die mich richtig begeistern, und andere, die ich einfach richtig quatschig finde. Ich warte also weiterhin jedes Jahr darauf, dass es ein gutes Jahr wird. Vielleicht wird’s ja nächstes Jahr was.
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