[Rezension] Sarah Goodwin – Der Fjord

„Ein luxuriöses Anwesen an der norwegischen Küste – weißer Sand, kristallklares Wasser und ein atemberaubender Blick auf den Fjord. Als Amelia die Einladung zur legendären Sommerparty der Familie Fowley erhält, weiß sie: Das ist ihre Chance! Denn es war auf der Party der Fowleys im Vorsommer, als ihre Schwester Rose zum letzten Mal gesehen wurde. Getarnt als Freundin eines Gasts, dringt Amelia in die schillernde Welt der Reichen und Mächtigen ein. Wird sie hier endlich erfahren, was mit ihrer Schwester geschah? Doch je näher sie der Wahrheit kommt, desto gefährlicher wird ihr Spiel …“

Autorin: Sarah Goodwin
Titel: Der Fjord
Übersetzung: Michael Krug
Genre: Thriller
Seitenzahl: 384
Erscheinungsdatum: 27. April 2026
Verlag: Lübbe
Preis: 13,99€ (Taschenbuch); 9,99€ (E-Book)

Meine Meinung:

Amelia reist unter falscher Identität nach Norwegen, um auf einem luxuriösen Anwesen an einer exklusiven Feier teilzunehmen. Zwischen wohlhabenden Gästen, oberflächlichen Gesprächen und einer perfekt inszenierten Fassade wirkt zunächst alles wie ein gewöhnliches, wenn auch dekadentes Zusammentreffen. Doch Amelia ist nicht ohne Grund hier. Ein Jahr zuvor ist ihre Schwester genau auf dieser Feier spurlos verschwunden und seitdem lässt sie die Frage nach dem, was damals wirklich passiert ist, nicht mehr los. Amelie will endlich Antworten, nachdem die Polizei schon längst nicht mehr ermittelt. Während sie versucht, unauffällig zu bleiben und ihre Rolle glaubhaft zu spielen, beginnt sie, hinter die Fassade der Reichen zu schauen und erkennt, dass hier wohl mehr Geheimnisse vergraben liegen als sie zunächst dachte…

Ich freue mich jedes Jahr auf ein neues Buch der Autorin. Mit „Der Fjord“ legt Sarah Goodwin allerdings einen Thriller vor, der sich spürbar von ihren bisherigen Werken unterscheidet. Während Bücher wie „Stranded“ oder „Die Yacht“ stark von einem ausgeprägten Survival-Aspekt und einer intensiven Gruppendynamik lebten, wirkt das Setting hier zwar weiterhin abgeschottet, gleichzeitig aber deutlich offener.

Gerade dieser Unterschied ist beim Lesen deutlich spürbar. In ihren früheren Geschichten lag der Fokus stark auf kleinen Gruppen, in denen sich die Dynamik immer weiter zuspitzte und der Mensch selbst zur größten Bedrohung wurde. Dieses beklemmende Gefühl, das sich langsam aufbaut und schließlich kippt, gehört für mich zu den größten Stärken der Autorin. In „Der Fjord“ ist dieser Aspekt zwar in Ansätzen vorhanden, tritt aber deutlich in den Hintergrund.

Durch die Vielzahl an Figuren, insbesondere die vielen Partygäste, entsteht ein anderes Lesegefühl. Viele von ihnen bleiben eher im Hintergrund und wirken fast wie Statisten, die zwar präsent sind, aber kaum Tiefe entwickeln. Dadurch fehlt es an einigen Stellen an der Intensität, die ihre anderen Bücher für mich so besonders gemacht hat.

Auch Amelia als Hauptfigur fügt sich in dieses Bild ein. Sie ist klar motiviert und verfolgt einen Plan, der von Anfang an sehr zielgerichtet wirkt. Ihr Antrieb ist zwar emotional absolut nachvollziehbar, gleichzeitig erscheinen einige ihrer Entscheidungen aber stark auf die Handlung zugeschnitten. Ich hatte das Gefühl, dass hier oft Dinge passend gemacht wurden, damit es für den Plot passt.

Auch der Aufbau der Geschichte ist eher langsam. Nach einem Einstieg, der zwar neugierig macht und die Ausgangssituation klar absteckt, entwickelt sich die Handlung dann vergleichsweise langsam. Das vorsichtige Vorgehen von Amelia ist zwar zur Situation passend, sorgt aber dafür, dass sich einige Passagen etwas ziehen. Gleichzeitig hab ich leider eigentlich alle zentralen Entwicklungen und größere Enthüllungen relativ früh erahnen können, wodurch ein Teil der Spannung verloren ging.

Gerade im Vergleich zu den anderen Büchern von Sarah Goodwin fehlt hier für mich ein Stück weit das, was ihre Geschichten sonst so besonders macht. Dieses intensive Spiel mit Gruppendynamik, das langsame Kippen von Situationen und die daraus entstehende Beklemmung mussten zugunsten einer stärker geplanten, auf den Plot ausgerichteten Handlung weichen. Auch die Auflösung wirkt stellenweise eher konstruiert und nicht ganz so rund, wie ich es mir gewünscht hätte.

Liegt es vielleicht daran, dass das Buch im Original unter dem Pseudonym Amy Cunningham erschienen ist? Es wirkt tatsächlich so, als hätte die Autorin hier bewusst mit ihrem gewohnten Stil gebrochen und sich in eine etwas andere Richtung ausprobiert. Der Originaltitel des Buches („The Serial Killer’s Party“) ist übrigens so viel knackiger als unser deutscher „Der Fjord“, zudem es im Buch auch eine Figur namens Ford gibt, und meine Augen öfters mal darüber gestolpert sind.

Das alles macht „Der Fjord“ keineswegs zu einem schlechten Buch. Die Grundidee ist spannend, das Setting atmosphärisch und die Geschichte insgesamt gut lesbar. Im direkten Vergleich mit ihren anderen Werken ist dieser Thriller aber leider nicht mein liebster. Insgesamt ist es ein solides, unterhaltsames Buch, das mich gut durch die Seiten getragen hat, aber nicht ganz an die Intensität und Stärke ihrer bisherigen Geschichten heranreicht.

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