[Rezension] Natalie Chandler – Voices

„Tamsin Shaw liegt seit einem mysteriösen Autounfall im Koma. Was niemand weiß: Während sie nicht einmal einen Finger bewegen, geschweige denn die Augen öffnen kann, ist sie bei vollem Bewusstsein. Auch erinnern kann sich Tamsin nicht. Nicht an den Unfall, der sie ans Bett fesselte, und auch nicht an die Tage zuvor. Als Psychiaterin weiß sie, dass diese Art von Dornröschenschlaf sie vor einer besonders traumatischen Erinnerung schützen soll.

Als ihr Ehemann Jamie plötzlich beschließt, Tamsin aus ihrem vermeintlich hoffnungslosen Zustand zu erlösen, beginnt ein verzweifelter Kampf gegen die Zeit. Wenn sie jemals wieder ihre Tochter in die Armen schließen möchte, muss sie sich erinnern! Doch was, wenn die Wahrheit nicht nur schmerzhaft, sondern tödlich ist …“

Autorin: Natalie Chandler
Titel: Voices. Ich kann euch hören
Übersetzung: Alice Jakubeit
Genre: Thriller
Seitenzahl: 352
Erscheinungsdatum: 02. März 2026
Verlag: Knaur
Preis: 16,99€ (Taschenbuch); 12,99€ (E-Book)

Meine Meinung:

Tamsin liegt nach einem schweren Unfall im Krankenhaus. Für ihr Umfeld wirkt sie wie im Koma gefangen und nicht ansprechbar. Doch Tamsin ist bei Bewusstsein. Sie hört jedes Wort, jede Unterhaltung und jede noch so beiläufige Bemerkung an ihrem Krankenbett. Während Ärzte und Angehörige über ihren Zustand rätseln m, beginnt sie zu begreifen, dass ihr Unfall möglicherweise kein Zufall war.

Die Autorin Natalie Chandler war mir vorher nicht bekannt. Es handelt sich aber nicht um ihr Debüt, sondern sie hat bereits davor Thriller veröffentlicht, nur im deutschsprachigen Raum ist dies das erste Werk, das übersetzt wurde. Der Grundgedanke rund um eine scheinbar komatöse Figur mit vollem Bewusstsein ist natürlich kein neuer, gehört für mich aber zu den Tropes, die eigentlich immer gut funktionieren, wenn sie denn auch gut umgesetzt sind.

Und genau da liegt für mich hier das Problem. Der Einstieg ist wirklich stark. Man ist sofort in Tamsins Situation drin, spürt diese Hilflosigkeit und gleichzeitig die unterschwellige Bedrohung. Das hat mich direkt gepackt. Leider konnte das Buch dieses Niveau nicht durchgehend halten. Nach dem intensiven Anfang flacht die Spannung spürbar ab, vieles plätschert eher vor sich hin, bevor es zum Ende hin plötzlich wieder extrem anzieht und fast schon zu viel auf einmal passiert. Diese ungleichmäßige Verteilung hat den Lesefluss für mich etwas gebremst.

Positiv hervorheben möchte ich aber den Aufbau. Dass wir nicht ausschließlich an das Krankenbett gefesselt sind, sondern durch Rückblenden auch Tamsins Leben vor dem Unfall erleben, war absolut notwendig und gut gelöst. Diese Perspektivwechsel bringen Dynamik rein und sorgen dafür, dass die Geschichte nicht zu dröge wird. Ohne diesen Gegenpart wäre das Ganze deutlich zäher gewesen.

Der Schreibstil selbst ist angenehm leicht und sehr zugänglich, das Buch liest sich wirklich flüssig weg. Inhaltlich gibt es einige Wendungen, die man zumindest erahnen kann, während andere wiederum etwas konstruiert wirken. Das Ende empfand ich dann als recht überladen und etwas hektisch abgehandelt.

Unterm Strich ist „Ich kann euch hören“ kein schlechter Thriller, aber auch keiner, der besonders aus der Masse heraussticht. Gerade bei diesem Thema habe ich schon stärkere Umsetzungen gelesen.

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