[Rezension] Mats Strandberg – Die Muse

„Hedda Strömberg hat eine Schreibkrise. Nachdem der erste Band ihrer Krimi-Trilogie erfolglos geblieben ist, will ihr neues Buch einfach keine Form annehmen. Als sie von ihrem alten Freund David für einen gemeinsamen Schreiburlaub auf den Landsitz seiner einflussreichen Familie eingeladen wird, sagt sie deshalb zu. Was kann ihr Besseres passieren, als ein wenig Zeit mit ihrem erfolgreicheren Kollegen zu verbringen?
Und der Plan scheint aufzugehen: Die Villa Thamyris ist ein verzauberter Ort, inmitten von Kunstwerken und der inspirierenden Architektur entdeckt Hedda ihre Kreativität wieder. Doch der Preis dafür ist höher als gedacht, denn hinter den Mauern der Villa verbirgt sich etwas unfassbar Böses. “
Autor: Mats Strandberg
Titel: Die Muse
Übersetzung: Justus Carl, Nina Hoyer
Genre: Roman
Seitenzahl: 464
Erscheinungsdatum: 26. August 2026
Verlag: FISCHER Tor
Preis: 17,00€ (Taschenbuch); 14,99€ (E-Book)
Meine Meinung:
Hedda Strömberg hat eine Schreibflaute. Der erste Band ihrer Krimireihe ist hinter den Erwartungen zurückgeblieben und nun will der zweite Teil erst Recht nicht klappen. Doch ganz unverhofft lädt ihr alter Studienfreund David sie zu einer gemeinsamen Auszeit auf seinem Familienanwesen ein. Die alte Zeit wieder aufleben lassen und vielleicht die so dringend benötigte Inspiration finden, also warum nicht?
Doch schon bei ihrer Ankunft wird klar, dass es sich bei dem vermeintlichen Landsitz um weit mehr handelt als ein gewöhnliches Ferienhaus. Die imposante Villa Thamyris ist seit Generationen im Besitz der Familie und hier haben Kunst und Kultur einen ganz besonderen Stellenwert. Und siehe da, endlich fließen die Worte wieder und sie kann sich ganz dem Schreiben widmen. Doch kann es sein, dass die neu gewonnene Inspiration einen hohen Preis hat?
Schon länger hatte ich die Bücher von Mats Strandberg im Auge. Irgendwie ist es bisher aber nie dazu gekommen, dass ich tatsächlich eines seiner Werke gelesen habe. Also warum nicht gleich mit seinem neuesten Werk anfangen? Auch die grundlegende Idee klang für mich unglaublich spannend. Die Beschreibung lässt vieles offen und verrät kaum etwas darüber, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln würde. Genau das hat meine Neugier geweckt. Ich hatte mir eine düstere, unheimliche Atmosphäre vorgestellt, mit einem imposanten alten Herrenhaus und einer wohlhabenden Familie, die seit Generationen in ihrer eigenen Welt lebt.
Was die Atmosphäre betrifft, hat Mats Strandberg meine Erwartungen durchaus erfüllt. Die Villa Thamyris ist ein richtig stimmiger Schauplatz. Auch die unterschwellige Bedrohung, die sich nach und nach aufbaut, ist durchaus gelungen. Es gab eine Szene im ersten Drittel, die ich richtig gruselig fand und die mir gezeigt hat, welches Potenzial in der Geschichte steckt. Oder stecken könnte…
Leider hatte ich über weite Strecken das Gefühl, dass einfach zu wenig passiert. Bis ungefähr drei Viertel des Buches plätschert die Handlung ziemlich vor sich hin. Es wird viel geredet, es geht um die Beziehungen zwischen den Figuren und um die besondere Welt, in der sich die Familie bewegt. Das alles trägt zwar zur Atmosphäre bei, konnte aber einfach keinen Horrorvibe transportieren. Abgesehen von einzelnen Momenten fehlte mir schlichtweg die Spannung.
Natürlich kann man argumentieren, dass dieser lange Aufbau notwendig ist, um ein entsprechendes Unbehagen entstehen zu lassen. Das verstehe ich durchaus. Nur hätte ich mir gewünscht, dass auf dieser langen Strecke etwas mehr passiert. Im letzten Viertel nimmt die Geschichte plötzlich ordentlich Fahrt auf und der Horroraspekt wird deutlich in den Vordergrund gerückt. Diesen Teil habe ich durchaus gemocht, allerdings hatte ich auch das Gefühl, dass hier sehr viel auf einmal nachgeholt werden sollte. Ich hätte mir einfach eine etwas ausgewogenere Gewichtung gewünscht.
Bei den Figuren bin ich ebenfalls etwas zwiegespalten. Die Geschichte wird überwiegend aus Heddas Perspektive erzählt. Sie ist dabei nicht unbedingt die sympathischste Protagonistin, hat durchaus ihre Ecken und Kanten, war für mich aber trotzdem eine gut gezeichnete Figur. Bei den übrigen Familienmitgliedern hatte ich dagegen gelegentlich Schwierigkeiten, die einzelnen Personen auseinanderzuhalten. Obwohl die Anzahl der Figuren eigentlich überschaubar ist, hätte ich mir stellenweise am liebsten einen Stammbaum neben das Buch gelegt.
Auch das Thema Kunst und Kreativität, das sich durch den gesamten Roman zieht, fand ich grundsätzlich interessant. Ich selbst habe allerdings wenig Berührungspunkte mit Kunst und künstlerischen Tätigkeiten. Muss man aber auch nicht, die Thematik wird einfach immer wieder in die Geschichte eingewebt, ohne sie zu sehr in den Vordergrund zu rücken.
Unterm Strich bin ich bei „Die Muse“ etwas hin- und hergerissen. Ich mochte die Atmosphäre und auch die Art, wie Mats Strandberg seine Geschichte erzählt. Der Horroranteil hat mir durchaus gefallen, nur musste ich dafür einen sehr langen Atem mitbringen. Ich kann mir gut vorstellen, dass einige Leserinnen und Leser schon vorher die Geduld verlieren und es dann kaum noch eine Rolle spielt, was im letzten Viertel passiert.
Für mich bleibt deshalb ein etwas durchwachsener Eindruck. Trotzdem hat mich das Buch neugierig auf die weiteren Werke des Autors gemacht. Zumindest weiß ich jetzt, dass mir seine Art zu erzählen grundsätzlich gefällt. Ich hoffe daher, dass seine anderen Romane eine etwas andere Gewichtung beim Spannungsaufbau haben.
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