[Rezension] Agustina Bazterrica – Zart ist das Fleisch

Autorin: Agustina Bazterrica
Titel: Zart ist das Fleisch
Übersetzung: Matthias Strobel
Genre: Roman
Seitenzahl: 236
Erscheinungsdatum: 11. März 2026
Verlag: Suhrkamp
Preis: 12,00€ (Taschenbuch); 11,99€ (E-Book)
Meine Meinung:
Lange habe ich überlegt, ob ich überhaupt eine Rezension zu diesem Buch schreiben möchte. Das Buch ist durchaus umstritten und behandelt ein Thema, das alles andere als leicht zu verdauen ist. Tatsächlich gehört „Zart ist das Fleisch“ zu den wenigen Büchern, bei denen ich mich während des Lesens stellenweise nicht nur emotional, sondern wirklich körperlich schlecht gefühlt habe. Die Geschichte verlangt einem einiges ab und die Bilder bekommt man nicht so schnell wieder aus dem Kopf.
Zu Beginn wird ziemlich knapp erklärt, wie es überhaupt zu dem dortigen Stand der Menschheit gekommen ist. Kurz dachte ich, dass dieser Teil ruhig etwas ausführlicher hätte ausfallen dürfen. Aber eigentlich gelingt es der Autorin mit erstaunlich wenigen Worten, genau die richtige Atmosphäre zu schaffen. Dieses Gefühl des Unbehagens, der Fassungslosigkeit und des anfänglichen Unglaubens, ist quasi sofort da.
Besonders faszinierend fand ich dabei, wie sich die Wahrnehmung im Laufe der Geschichte verschiebt. Was für mich zunächst vollkommen unvorstellbar und absolut verstörend erscheint, wird für die Menschen innerhalb dieser Welt als ganz normal dargestellt.
Das ungute Gefühl zieht sich einfach durch die gesamte Geschichte. Denn „Zart ist das Fleisch“ ist nicht einfach nur eine verstörende Dystopie, sondern vor allem ein ausgesprochen gesellschaftskritisches Buch. Es regt zum Nachdenken an und lässt zahlreiche Parallelen zu unserer eigenen Gesellschaft zu. Gerade das macht die Lektüre so unangenehm. Denn je länger man sich damit beschäftigt, desto weniger lässt sich das Geschehen einfach als vollkommen absurde Fiktion abtun.
Auch bei unserer Hauptfigur war ich anfangs ein wenig skeptisch. Schließlich gehört sie offensichtlich selbst zu dieser ganzen Maschinerie und gibt sich recht distanziert, was es mir zunächst nicht gerade leicht gemacht hat beim Einordnen. Zwischenzeitlich gab es dann aber durchaus Momente, in denen ich kleine Lichtblicke gesehen hatte und sogar gehofft habe, es hier vielleicht doch mit einem sympathischen Menschen zu tun zu haben.
Auch sprachlich ist „Zart ist das Fleisch“ keine Lektüre, durch die man mal eben hindurchfliegt. Obwohl das Buch gar nicht besonders umfangreich ist, habe ich dafür ungefähr so lange gebraucht wie für einen deutlich längeren Unterhaltungs-Thriller. Die Sprache ist zwar weder ausgesprochen gehoben, aber eben auch nicht total leicht zugänglich. Sie bewegt sich irgendwo dazwischen und passt für mich ausgesprochen gut zur Geschichte. Es ist einfach kein Buch, das man nebenbei wegliest, und ich finde, dass die Sprache dem ernsten und verstörenden Thema absolut gerecht wird.
Auf jeden Fall reiht sich „Zart ist das Fleisch“ bei einigen ganz besonderen Büchern ein und wird definitiv im Kopf bleiben.
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