[Rezension] Gilly Macmillan – Die Bibliothek

„Für Anya geht ein Traum in Erfüllung: Sie erhält das verlockende Angebot, uralte und streng geheime Manuskripte an der renommierten University of St Andrews in Schottland zu entschlüsseln. Doch kaum angekommen, spürt sie, dass hinter den vergilbten Seiten mehr lauert als vergessene Worte. Die Schriften bergen Geheimnisse, die mächtige Gegnerinnen um jeden Preis im Dunkeln halten wollen. Schon bald gerät Anya in ein gefährliches Netz aus Intrigen, Macht und Verrat. Aber auch sie selbst hütet ein Geheimnis aus ihrer Vergangenheit …“
Autorin: Gilly Macmillan
Titel: Die Bibliothek
Übersetzung: Christoph Göhler
Genre: Thriller
Seitenzahl: 368
Erscheinungsdatum: 26. August 2026
Verlag: Blanvalet
Preis: 18,00€ (Taschenbuch); 15,99€ (E-Book)
Meine Meinung:
Anya verfügt über ein außergewöhnliches Gedächtnis. Alles, was sie je gesehen hat, merkt sie sich bis ins kleinste Details und genau diese Fähigkeit führt sie an die renommierte University of St Andrews. Dort erhält sie den Auftrag, sich mit alten und streng gehüteten Manuskripten zu beschäftigen. Doch schon bald wird klar, dass hinter den historischen Schriften weit mehr steckt als wissenschaftliche Geheimnisse. Anya gerät in einen alten Konflikt zwischen Menschen, die seit langem um Wissen und Macht ringen, und muss sich nicht nur mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinandersetzen, sondern auch mit einer Welt aus Intrigen und geheimen Verbindungen…
Ich habe bereits einige Bücher von Gilly Macmillan gelesen und mochte ihre Geschichten bisher immer gern. Ja, sie sind zwar keine klassischen Pageturner, die von einer atemlosen Wendung zur nächsten hetzen, aber gut geschriebene psychologische Spannungsromane.
Allerdings war ich von „Die Bibliothek“ zunächst vor allem eines, nämlich irritiert. Schon der Einstieg ist wirklich langsam und auch im weiteren Verlauf entwickelt sich die Geschichte eher gemächlich. Wir haben es mit sehr vielen Personen und zahlreichen Perspektiven zu tun, zwischen denen immer wieder gewechselt wird. Dazu kommen verschiedene Schauplätze und zunehmend mehr Handlungsstränge. Man muss hier schon relativ aufmerksam bei der Sache bleiben, um den Überblick zu behalten. Normalerweise lösen sich solche anfänglichen Schwierigkeiten, wenn man die Figuren besser kennenlernt und die Zusammenhänge klarer werden. Hier hatte ich allerdings genau das gegenteilige Gefühl. Je weiter die Geschichte lief, desto komplexer wurde sie und desto mehr Fragen hatte ich.
Mir war dann schnell klar, dass „Die Bibliothek“ offensichtlich in eine ganz andere Richtung geht, als ich von Gilly Macmillan erwartet hatte. Aus dem zunächst eher geheimnisvollen Setting rund um eine Universität, alte Manuskripte und eine außergewöhnliche Bibliothek entwickelt sich zunehmend eine Geschichte über geheime Organisationen, historische Rätsel und Verschwörungen. Im ersten Moment fand ich diesen Genrewechsel sogar interessant. Ein bisschen Dark Academia, alte Schriften und geheime Gesellschaften? Warum eigentlich nicht.
Nur leider wurde die Geschichte mit zunehmendem Verlauf immer wilder und gleichzeitig immer schwerer greifbar. Besonders die beiden rivalisierenden Gruppierungen, die Larks und die Kats, konnte ich irgendwann nur noch schwer auseinanderhalten. Übrigens habe ich das Buch zwischenzeitlich als Hörbuch ausprobiert und musste dabei mehr als einmal schmunzeln, wenn von den „Kats“ gesprochen wurde. Denn beim Hören ist natürlich nicht zu erkennen, ob dort gerade von Katzen oder von den Kats die Rede ist. Miau.
Auch das Erzähltempo hat für mich nicht funktioniert. Das Buch lässt sich am Anfang viel Zeit, um seine Geschichte aufzubauen und die Figuren einzuführen, nur damit es dann am Ende scheinbar schnell gehen muss. Was sich zuvor langsam und ausführlich entwickelt hat, wird auf den letzten Metern hoppladihopp abgearbeitet. Das fand ich etwas unausgewogen.
Was mich aber besonders gestört hat, ist die Vermarktung des Buches. Ich habe extra nochmal nachgeschaut und die bisherigen Bücher von Gilly Macmillan wurden auf deutscher Seite als „Roman“ vermarktet, obwohl ich sie persönlich durchaus als psychologische Thriller empfunden habe. Bei „Die Bibliothek“ ist es nun plötzlich genau umgekehrt. Hier steht ausdrücklich „Thriller“ auf dem Cover. Da frage ich mich ehrlich gesagt, wie diese Einordnung zustande gekommen ist. Denn ausgerechnet dieses Buch empfand ich als am weitesten von einem Thriller entfernt. Stattdessen bekommt man hier einen sehr eigenwilligen Mix aus Mystery, historischen Rätseln, Geheimbünden, Verschwörungen und Abenteuerroman. Stellenweise fühlte ich mich eher an Dan Brown oder an den Film „Das Vermächtnis des geheimen Buches“ erinnert.
Dabei finde per se gar nicht, dass das Buch doof ist. Ich glaube sogar, dass diese Mischung durchaus seine Leserinnen finden kann. Nur würde ich dieses Buch dann auch ganz anders vermarkten und einordnen. Wer aufgrund der bisherigen Bücher der Autorin und der Bezeichnung „Thriller“ zugreift und einen eher psychologisch angelegten Spannungsroman erwartet, könnte sich hier fragen, in welches Buch er eigentlich hineingeraten ist. Genau das ist mir ja quasi passiert. Je weiter ich gelesen habe, desto weniger hatte ich das Gefühl, wirklich in die Geschichte hineinzufinden. Die Fragezeichen wurden nicht weniger, sondern mehr. Wirklich schade.
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