[Rezension] Eva Björg Ægisdóttir – Home Before Dark


„November 1967: Die vierzehnjährige Marsibil hat einen heimlichen Brieffreund, der sich mit ihr treffen will. Sie verabredet sich mit ihm, ist aber nervös, denn sie hat sich als ihre ältere Schwester Stina ausgegeben, und am verabredeten Abend schafft sie es nicht zu dem Treffen. Dafür verschwindet ihre Schwester spurlos. Nur ihre blutbefleckte Anorakjacke wird an dem Ort gefunden, an dem Marsi sich mit ihrem Brieffreund verabredet hatte.

Zehn Jahre später bleibt Stinas Verschwinden weiterhin ungelöst. Marsi hat bisher aus Scham geschwiegen. Da erhält sie einen Brief – von ihrem ehemaligen Brieffreund. Jetzt muss sie die Wahrheit ans Licht bringen, auch wenn sie sich dabei nicht auf ihre eigenen Erinnerungen verlassen kann. Denn der Mörder ist immer noch auf freiem Fuß.“

Autorin: Eva Björg Ægisdóttir
Titel: Home Before Dark
Übersetzung: Freya Melsted
Genre: Psychothriller
Seitenzahl: 416
Erscheinungsdatum: 07. Mai 2026
Verlag: KiWi
Preis: 17,00€ (Paperback); 9,99€ (E-Book)

Meine Meinung:

Im November 1967 lebt die junge Marsibil mit ihrer Familie in einer kleinen isländischen Stadt. Heimlich schreibt sie seit Monaten Briefe mit einem Jungen, den sie noch nie getroffen hat. Das Problem ist allerdings, dass sie sich als ihre ältere Schwester Stina ausgegeben hat. Als schließlich ein Treffen vereinbart wird, bekommt Marsibil kalte Füße und erscheint nicht. Stattdessen verschwindet in genau dieser Nacht ihre Schwester spurlos. Zurück bleibt nur ihre blutverschmierte Jacke. Zehn Jahre später ist Stinas Verschwinden noch immer ungeklärt. Marsibil hat nie erzählt, welche Rolle der geheimnisvolle Brieffreund damals gespielt hat. Doch als plötzlich erneut ein Brief auftaucht, wird sie gezwungen, sich damit auseinanderzusetzen…

„Home Before Dark“ von Eva Björg Ægisdóttir kam für mich genau zur richtigen Zeit. Ich muss sagen, ich habe nicht immer Lust auf Nordic Noir mit seiner oft sehr eigenwilligen, düsteren Stimmung, die in skandinavischen Thrillern vorherrscht. Dafür muss ich wirklich in der richtigen Stimmung sein. Aber hier hat einfach alles gepasst. Und obwohl ich die Autorin bisher noch nicht kannte, habe ich mich extrem auf diese Neuerscheinung gefreut und wurde absolut nicht enttäuscht.

Was ich an diesem Thriller besonders mochte, war der Aufbau der Geschichte. Wir verfolgen hier zwei Zeitlinien, die sich immer abwechseln. Einmal begleiten wir Stina im Jahr 1967 und erleben die Ereignisse unmittelbar mit, während wir zehn Jahre später Marsibil folgen, die noch immer versucht zu begreifen, was damals passiert ist. Diese beiden Stränge haben sich fast wie zwei eigenständige Geschichten angefühlt, die sich nach und nach immer stärker miteinander verweben.

Besonders spannend fand ich dabei auch das Verhältnis der beiden Schwestern. Durch die wechselnden Perspektiven lernen wir beide sehr intensiv kennen. Wir wissen, wie sie denken und fühlen und gleichzeitig merkt man in der Vergangenheitsebene immer stärker, wie entfremdet die beiden eigentlich bereits voneinander sind.

Auch das Setting war einfach große Klasse. Dieses kleine isländische Städtchen, die düstere Atmosphäre, die verschlossenen Menschen und dieses ständige Gefühl, dass hier jeder irgendetwas verbirgt. So funktioniert Nordic Noir für mich gut. Obwohl ich selbst noch nie auf Island war, konnte ich mir alles unglaublich gut vorstellen. Ich liebe Kleinstadt Settings sowieso sehr und hier hat das einfach perfekt funktioniert. Vor allem, weil auch die Nebencharaktere richtig stark ausgearbeitet waren und niemand wie ein bloßer Statist wirkte. Jede Figur hatte ihren Platz in der Geschichte und hat wirklich etwas zur Handlung beigetragen.

Was mich zusätzlich überrascht hat, war wie zugänglich der Schreibstil war. Gerade bei Nordic Noir habe ich persönlich oft das Problem, dass die Bücher sprachlich etwas sperrig oder distanziert wirken. Das war hier überhaupt nicht der Fall. Eva Björg Ægisdóttir schreibt unglaublich flüssig und atmosphärisch. Diese Kombination aus düsterem Island Thriller und gleichzeitig sehr leichtem Lesefluss habe ich tatsächlich bisher eher selten gefunden.

Das Einzige, worüber ich zwischendurch ein bisschen gestolpert bin, waren die isländischen Namen. Spätestens als ich parallel kurz ins Hörbuch reingehört habe, musste ich feststellen, dass ich in meinem Kopf wirklich fast alles komplett falsch betont hatte. Das war irgendwie gleichzeitig verwirrend und ziemlich interessant.

Und dann natürlich das Ende. Die Geschichte baut sich eher ruhig auf und nimmt sich Zeit, die Figuren und die Atmosphäre wirken zu lassen. Aber genau dadurch funktionieren die späteren Enthüllungen umso besser. Ich habe mit mehreren Entwicklungen wirklich überhaupt nicht gerechnet und einige Wendungen haben nochmal einiges komplett auf den Kopf gestellt. Für mich war das ein richtig starker Psychothriller mit tollem Setting, starken Figuren und einer Geschichte, die einfach unglaublich viel Spaß gemacht hat.

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