[Rezension] Clémence Michallon – Our Last Resort

„Ein abgelegenes Luxus-Resort mitten in der Wüste von Utah: Die Geschwister Frida und Gabriel hoffen auf ein paar erholsame Tage. Und es fühlt sich tatsächlich an wie im Paradies – bis die Leiche einer jungen Frau gefunden wird. Als der Verdacht auf Gabriel fällt, wird Frida mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Denn es ist nicht das erste Mal, dass ihr Bruder des Mordes verdächtigt wird. Frida hat immer an seine Unschuld geglaubt, doch jetzt kann selbst sie die Beweise, die sich gegen ihn häufen, nicht mehr ignorieren. Sollte sie sich wirklich so sehr in ihrem Bruder getäuscht haben?“
Autorin: Clémence Michallon
Titel: Our Last Resort
Übersetzung: Urban Hofstetter
Genre: Thriller
Seitenzahl: 384
Erscheinungsdatum: 25. März 2026 (Paperback)
Verlag: Blanvalet
Preis: 18,00€ (Paperback); 4,99€ (E-Book)
Meine Meinung:
In „Our Last Resort“ von Clémence Michallon begleiten wir Frida und Gabriel, die eine gemeinsame Vergangenheit teilen, die sie bis heute nicht loslässt. Beide befinden sich in einem abgelegenen Resort, das als Rückzugsort dient und die Möglichkeit verspricht, Abstand vom eigenen Leben zu gewinnen. Für Frida ist dieser Aufenthalt ein Versuch, Kontrolle zurückzugewinnen und mit dem Erlebten abzuschließen. Doch wirkliche Ruhe stellt sich nicht ein, vor allem nicht, weil plötzlich ein junge Frau tot aufgefunden wird.
Parallel zur Gegenwart im Resort wird die Vergangenheit Stück für Stück offengelegt. Der zweite Erzählstrang nähert sich dabei langsam der Gegenwart an und zeigt, welche Ereignisse Frida und Gabriel zu den Menschen gemacht haben, die sie heute sind. Der Mord im Resort, der bereits früh geschieht, bildet den Ausgangspunkt der Handlung, rückt jedoch lange nicht wirklich in den Fokus und entfaltet seine Bedeutung erst nach und nach.
Frida ist eine sehr in sich gekehrte, kontrollierte Protagonistin. Sie wirkt distanziert und gibt nur wenig von sich preis, was sie gleichzeitig interessant, aber auch schwer greifbar macht. Ihre Vergangenheit hat tiefe Spuren hinterlassen, die ihr Verhalten in der Gegenwart stark beeinflusst.
Gabriel steht ihr in dieser Hinsicht in nichts nach. Auch er bleibt lange undurchsichtig, beobachtend und zurückhaltend. Die gemeinsame Vorgeschichte der beiden sorgt für eine spürbare Grundspannung, die jedoch weniger durch offene Konflikte als vielmehr durch Schweigen und Andeutungen getragen wird. Gerade diese Dynamik macht die Figuren komplex, fordert aber auch Geduld, da vieles erst nach und nach verständlich wird.
Als Psychothriller angekündigt, hatte ich hier eine gewisse Erwartung an Spannung und psychologische Tiefe. Beides bleibt für mich jedoch eher verhalten. Der Einstieg ist vergleichsweise langsam. Obwohl relativ früh ein Mord geschieht, spielt dieser lange keine wirklich tragende Rolle, sodass sich ein klassisches Spannungsgefühl zunächst nicht einstellt. Stattdessen nimmt sich die Geschichte viel Zeit für die Background Story.Gerade durch die sehr verschlossenen Figuren muss man sich viele Informationen selbst erschließen. Frida und Gabriel geben kaum etwas von sich preis, weder dem Gegenüber selbst noch den Lesenden. Das sorgt zwar für eine gewisse Tiefe, lässt das Ganze aber auch stellenweise zäh wirken.
Der Aufbau mit den zwei Zeitebenen, Gegenwart im Resort und die sich annähernde Vergangenheit, ist grundsätzlich interessant und hat Potenzial. Für mich fühlt es sich jedoch über weite Strecken eher so an, als würde viel erklärt werden, bevor wirklich Spannung entsteht. Die Hintergrundgeschichte ist tragisch und wirft einige Fragen auf, konnte mich emotional aber nicht vollständig abholen. Vor allem fehlt mir der Thrill, den ich bei einem Psychothriller erwarten würde.
Am Ende ist „Our Last Resort“ für mich ein eher ruhiger Vertreter seines Genres. Das Buch ist keineswegs schlecht geschrieben und bringt einige interessante Ansätze mit, bleibt für meinen Geschmack jedoch zu distanziert und stellenweise zu dröge, um wirklich zu fesseln. Insgesamt ein solides Buch, das sicher seine Leserschaft finden wird, für mich persönlich aber kein Highlight war.
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