[Rezension] Caroline Seibt – Weil sie lügt

„Juli ist weg.
Die Polizei ist überzeugt, dass sie ermordet wurde. Der Hauptverdächtige: Ausgerechnet ihr eigener Vater. Während die Familie unter den Anschuldigungen zerbricht, versucht Julis jüngere Schwester Anna stark zu sein – für ihre Eltern, die an der Trauer ersticken. Vor allem aber für ihren kleinen Bruder, der noch nicht begreift, dass Juli nie mehr zurückkommen wird. Als die Ermittlungen kurz vor dem Durchbruch stehen, muss Anna sich eingestehen, dass der Albtraum für ihre Familie noch nicht vorbei ist.
Er hat gerade erst angefangen.“
Autorin: Caroline Seibt
Titel: Weil sie lügt
Genre: Thriller
Seitenzahl: 384
Erscheinungsdatum: 01. Juni 2026
Verlag: Droemer
Preis: 16,99€ (Paperback); 12,99€ (E-Book)
Meine Meinung:
Annas Familie ist seit dem Verschwinden ihrer Schwester Juli komplett auseinandergebrochen. Die Polizei ist überzeugt, dass Juli ermordet wurde und ihr eigener Vater gilt inzwischen als Täter. Ihr Vater sitzt bereits im Gefängnis und für die Außenwelt scheint der Fall praktisch gelöst zu sein. Doch während ihre Mutter immer weiter an der Trauer zerbricht, versucht Anna irgendwie stark zu bleiben, vor allem für ihren kleinen Bruder, der die Situation gar nicht begreifen kann. Gleichzeitig denkt Anna, dass noch längst nicht die ganze Wahrheit ans Licht gekommen ist…
Wir starten die Geschichte aus Annas Perspektive und bekommen dadurch sehr unmittelbar ihre Gedanken, ihre Verzweiflung und diesen permanenten inneren Druck mit. Im Verlauf der Handlung wechseln wir allerdings regelmäßig zur Kommissarin Katharina, die in dem wieder aufgenommenen Fall ermittelt. Gerade dieser Perspektivwechsel hat mir unglaublich gut gefallen, weil er die Spannung konstant oben gehalten hat. Die Kapitel enden oft genau an den Stellen, an denen man eigentlich sofort weiterlesen muss. Caroline Seibt beherrscht Cliffhanger wirklich extrem gut und genau dadurch entwickelt das Buch einen richtigen Sog. Man nimmt sich ständig vor, nur noch ein Kapitel zu lesen und plötzlich sind wieder fünf vergangen.
Besonders stark fand ich dabei, dass man trotz der Nähe zu beiden Frauen nie das Gefühl hatte, wirklich alles zu wissen. Vor allem Anna wirkt die ganze Zeit so, als würde sie etwas zurückhalten oder bestimmte Dinge bewusst nicht vollständig aussprechen. Und genau das wird ja auch angedeutet, allerdings erstmal nur so viel, dass man mehr erfahren möchte. Man rätselt permanent mit, versucht zwischen den Zeilen zu lesen und hat ständig das Gefühl, dass noch etwas Größeres hinter allem steckt.
Und auch generell ist der Thriller wirklich stimmig aufgebaut. Für mich vereinen sich hier genau die richtige Mischung aus Spannung, Atmosphäre und gut gesetzten Enthüllungen. Die Handlung wirkte nicht künstlich kompliziert oder unnötig konstruiert, sondern einfach stimmig. Selbst unvorhergesehene Wendungen habe ich dem Bauch komplett abgekauft.
„Weil sie lügt“ funktioniert für mich vor allem über seine Atmosphäre. Das Buch startet durch die zu Grunde liegenden Aspekte sowieso sehr düster und bedrückend und genau diese Stimmung zieht sich konsequent durch die gesamte Geschichte. Diese Schwere und Wehmut der Figuren wurde richtig stimmig transportiert. Man spürt von Anfang an, dass emotional alles komplett aus dem Gleichgewicht geraten ist und Anna verzweifelt versucht alles zusammenzuhalten.
Der Thriller setzt nicht auf große Action oder extreme Schockmomente, sondern vielmehr auf psychologische Spannung und dieses unangenehme Gefühl, dass irgendetwas ganz und gar nicht stimmt. Und wenn ein Ende mich noch komplett überraschen kann, dann muss das auch was heißen, denn damit habe ich wirklich gar nicht gerechnet. Für mich gehört „Weil sie lügt“ definitiv zu meinen bisherigen Highlights des Jahres.
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