[Rezension] Belinda Bauer – Das Ding der Unmöglichkeit


„Yorkshire, 1926. An den schroff aufragenden Klippen der Küste seilen sich Männer ab, um die Eier der dort nistenden Seevögel zu stehlen. Die schönsten erzielen hohe Preise. Als die sechsjährige Celie Sheppard ein »unmögliches« rotes Ei findet, setzt sie damit eine Kette von Ereignissen in Gang, die ihr Leben – und das vieler anderer – für immer verändern wird.
Hundert Jahre später findet Patrick seinen Freund Nick und dessen Mutter Fort in einem abgelegenen Cottage in Wales gefesselt und beraubt vor. Verschwunden ist nur eine geschnitzte Schatulle, in der sich einst ein scharlachrotes Ei befand. Auf der beharrlichen Suche nach dem gestohlenen Objekt tauchen Patrick und Nick tief in die grausame Welt des Handels mit raren Vogeleiern ein – und folgen bald der Spur einer außergewöhnlich wertvollen Eiersammlung, die lange als verloren galt.
Das Ding der Unmöglichkeit ist ein hochspannender, meisterhaft konstruierter Roman voller Intrigen, der Belinda Bauers Status als eine der größten lebenden Krimiautorinnen eindrucksvoll unter Beweis stellt.“

Autorin: Belinda Bauer
Titel: Das Ding der Unmöglichkeit
Übersetzung: Conny Lösch
Genre: Roman
Seitenzahl: 400
Erscheinungsdatum: 13. August 2026
Verlag: Kunstmann Verlag
Preis: 25,00€ (Hardcover); 19,99€ (E-Book)

Meine Meinung:

An den steilen Küstenklippen von Yorkshire ist es während der Brut ein lukratives Geschäft, sich an Seilen herunterzulassen und die Nester der Seevögel zu plündern. Die Vogeleier lassen sich gut verkaufen und manchmal ist sogar ein seltenes dabei, das ein kleines Vermögen wert ist. Als die 6jährige Celie Sheppard sich waghalsig hinunterseilt, entdeckt sie ein Ei, das eigentlich gar nicht existieren dürfte. Es hat eine ungewöhnliche rote Färbung und wurde so noch nie gesehen. Und mit diesem Fund verändert sich das Leben von Celie und ihrer Familie von Grund auf…

Hundert Jahre später wird Patrick Fort mit einem äußerst merkwürdigen Diebstahl konfrontiert. Sein Freund Nick und dessen Mutter werden in ihrem abgelegenen Cottage gefesselt und ausgeraubt. Doch statt Geld oder andere Wertgegenstände zu klauen, nimmt der Dieb nur eine Schatulle mit, in der ein merkwürdiges Ei liegt. Für Patrick und Nick ergibt das zunächst überhaupt keinen Sinn. Warum sollte jemand ein altes Ei stehlen? Und was macht dieses Ei überhaupt so wertvoll? Ihre Suche nach Antworten führt die beiden immer tiefer in eine Welt, von deren Existenz sie vermutlich selbst nie etwas geahnt hätten…

Belinda Bauer erzählt die Geschichte auf zwei Zeitebenen. Wir springen zwischen der Gegenwart und dem Yorkshire der 1920er-Jahre hin und her. Es wird schnell klar, dass die Ereignisse der Vergangenheit ganz offensichtlich etwas mit dem Diebstahl jetzt zu tun haben.

In der Gegenwart begleiten wir Patrick und seinen Freund Nick bei ihren Ermittlungen. Patrick kennen wir bereits aus einem früheren Roman von Belinda Bauer, man muss diesen aber nicht gelesen haben, um „Das Ding der Unmöglichkeit“ genießen zu können. Und ich verstehe nach diesem Buch absolut, warum Patrick eine wiederkehrende Figur bei Belinda Bauer ist. Er ist einfach jemand, dem man unglaublich gerne dabei zuschaut, wie er denkt. Seine Ideen, die Dinge, die er ins Auge fasst, und vor allem die Art, wie er diese Ideen dann tatsächlich angeht, machen ihn zu einer wirklich besonderen Figur. Man weiß nie so ganz, wohin seine Gedanken als Nächstes führen, und genau das macht seine Passagen für mich so spannend.

Die zweite Zeitebene beginnt mit Celie Sheppard und ihrer Familie. Hier bekommen wir einen sehr rohen Einblick in das Leben auf einer Farm im Yorkshire der 1920er-Jahre. Und genau diesen Teil fand ich überraschend spannend. Eine völlig andere Lebensrealität, die mich sehr nachdenklich gemacht hat, wie selbstverständlich wir heute viele Dinge nehmen. Das Familienleben, die Arbeit auf der Farm und der Umgang mit den Tieren werden sehr anschaulich beschrieben. Sehr schön fand ich auch die Zeichnung der Farm gleich am Anfang des Buches. Ich liebe solche kleinen Karten in Büchern ohnehin und hier hat sie mir tatsächlich geholfen, mir den Schauplatz besser vorzustellen.

Ich glaube, „Das Ding der Unmöglichkeit“ ist genau eines dieser Bücher, bei denen man vorher nicht unbedingt erwartet, dass einen das Thema irgendwann so sehr interessieren wird. Vogeleier. Ich hätte vermutlich nicht gedacht, dass ich das einmal über so ein Buch schreibe, aber Belinda Bauer hat es tatsächlich geschafft, mich mit dem Thema Vogeleierhandel vollkommen abzuholen. Ich hatte mich vorher noch nie damit beschäftigt und wusste ehrlich gesagt überhaupt nicht, wie groß dieses Problem ist. Und plötzlich saß ich da und wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht.

Ich glaube, das liegt vor allem daran, wie unglaublich interessant Bauer dieses Thema in die Geschichte eingebaut hat. „Das Ding der Unmöglichkeit“ ist eben kein Sachbuch, das einem irgendwelche Informationen über Vogeleier um die Ohren haut. Nein, das Thema wurde einfach richtig gut mit einem Kriminalfall verknüpft, so dass es eben auch Thriller-Leserinnen wie mich gut abholen kann. Ein gestohlenes Ei klingt jetzt erst einmal nicht gerade nach dem Stoff, aus dem ein spannender Fall gemacht ist. Umso überraschter war ich dann von meiner Begeisterung! Auch die historische Komponente war toll eingebaut. Das Leben auf der Farm, die tägliche Arbeit und der Umgang mit den Vögeln beim Eierklau werden so anschaulich beschrieben. Belinda Bauer schreibt recht ausführlich und durchaus anspruchsvoll. Es ist kein Buch, das man mal eben nebenbei wegliest.

Und ich liebe es, wenn mir Bücher unverhofft Themen näher bringen, mit denen ich mich sonst wohl nie beschäftigt hätte. Und je mehr man über den Handel mit Vogeleiern erfährt, desto trauriger wird die Geschichte auch. Was für manche Menschen einfach ein hübsches Ei für die Vitrine war, bedeutete für die Tiere großes Leid. Dass dafür die Natur in einem solchen Ausmaß ausgenutzt wird, hat mich richtig traurig gemacht. Und das Thema ist ja keine Fiktion, sondern real. So saß ich dann da und habe all die Vögel gegoogelt, um mir auch optisch ein klares Bild machen zu können und kann nun wahrlich behaupten, dass ich mich etwas schlauer fühle.

Und wegen all dieser Dinge hat mich „Das Ding der Unmöglichkeit“ so begeistert. Es ist ein Roman, der mir ein Thema nähergebracht hat, mit dem ich mich sonst wahrscheinlich niemals beschäftigt hätte. Dazu kommt ein ungewöhnlicher Kriminalfall und eine historische Geschichte, die mir richtig gut gefallen hat. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass nicht jeder mit dem speziellen Thema etwas anfangen kann. Wer ausschließlich rasante Thriller mit hohem Tempo sucht, könnte hier vielleicht etwas Geduld brauchen. Wer dagegen gerne Bücher liest, die einem neben der Spannung auch ein völlig neues Thema eröffnen, sollte sich diesen Roman unbedingt anschauendes sich darauf einlassen. Für mich ist „Das Ding der Unmöglichkeit“ jedenfalls ein echtes Highlight. Und mal wieder ein schönes Beispiel dafür, dass es oftmals die Bücher, die ein bisschen anders sind als das, was man sonst liest, manchmal ganz nach oben schaffen.

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