[Rezension] Allie Reynolds – Frostgrab

„Die Snowboarderin Milla trifft auf einer einsamen Lodge in den französischen Alpen ihre Clique von früher wieder. An diesem Ort haben sie vor zehn Jahren gemeinsam trainiert, bis eine Tragödie alles zunichtemachte. Doch was Milla als harmloses Wiedersehen ansah, entwickelt sich schnell zum gnadenlosen Psychospiel. Plötzlich sind die Handys verschwunden, und die Seilbahn steht still. Dann ist der Erste von ihnen tot. Die eisige Bergspitze droht zum Grab für sie alle zu werden, wenn sie nicht ihr düsterstes Geheimnis offenbaren. Und jeder hat etwas zu verbergen. Besonders Milla.“
Autorin: Allie Reynolds
Titel: Frostgrab
Übersetzung: Jürgen Bürger
Genre: Thriller
Seitenzahl: 416
Erscheinungsdatum: 27. Oktober 2020
Verlag: HarperCollins
Preis: 15,00€ (Taschenbuch); 9,99€ (E-Book)
Meine Meinung:
Milla gehört zu einer Gruppe junger Snowboarder, die sich vor zehn Jahren in den französischen Alpen auf wichtige Wettkämpfe vorbereitet haben. Der Ehrgeiz ist groß, die Konkurrenz schläft nicht und hinter dem gemeinsamen Training entwickeln sich Rivalitäten und persönliche Beziehungen. Doch die Zeit auf dem Berg endet mit Ereignissen, die die Beteiligten nicht so schnell vergessen werden…
Zehn Jahre später kehrt Milla an diesen Ort zurück. Die Mitglieder ihrer früheren Clique haben eine Einladung zu einem Wiedersehen erhalten und reisen mit ganz unterschiedlichen Erinnerungen an ihre gemeinsame Zeit an. Was zunächst nach einem harmlosen Treffen alter Bekannter aussieht, nimmt jedoch schnell eine unheimliche Wendung. Seltsame Dinge geschehen und schon bald verschwindet die erste Person. Die Situation wird zunehmend bedrohlicher und es stellt sich die Frage, was damals wirklich passiert ist…
Mit „Frostgrab“ habe ich mich in die kalte Jahreszeit eingestimmt. Ein Thriller, der in einer abgeschiedenen Umgebung in den französischen Alpen spielt, klang für mich nach einer passenden Lektüre. Dass es dabei um Snowboarden geht, hat mich zunächst nicht abgeschreckt, obwohl ich mit diesem Sport wirklich überhaupt nichts am Hut habe. Ich bin weder jemals Ski gefahren noch habe ich mich näher mit Wintersport beschäftigt. Ähnlich ging es mir damals schon bei „Blutige Bucht“, einem anderen Thriller der Autorin, bei dem das Surfen eine wichtige Rolle spielte.
Allie Reynolds scheint also eine Vorliebe für sportliche Themen zu haben. „Blutige Bucht“ damals ist mir grundsätzlich gut in Erinnerung geblieben. Ich kann allerdings durchaus verstehen, wenn sich jemand von einem solchen Thema erst einmal nicht angesprochen fühlt. Wer mit Snowboarden nichts anfangen kann, wird sich vielleicht fragen, ob das Buch überhaupt etwas für ihn ist. Ich kann hier aber Entwarnung geben, denn für mich war das überhaupt kein Problem.
Natürlich geht es immer wieder um das Snowboarden und hin und wieder begegnet man einem Fachbegriff, den man bei Interesse nachschlagen könnte. Notwendig war das für mich aber nicht, um der Handlung folgen zu können. Die Geschichte funktioniert auch ohne irgendwelches Vorwissen und ich hatte nie das Gefühl, etwas Wichtiges nicht zu verstehen. Mein Interesse am Snowboarden ist durch die Lektüre jetzt zwar nicht größer geworden, aber das war für mich auch gar nicht der Ansporn.
Erzählt wird auf zwei Zeitebenen. Wir begleiten in beiden Strängen Milla, also während der damaligen Trainingszeit als auch beim Wiedersehen zehn Jahre später. Dieser Unterschied zwischen Vergangenheit und Gegenwart war sehr interessant. Einmal in der Vergangenheit die jungen Menschen, die ehrgeizig ihre Ziele verfolgen, große Träume haben und sich ausmalen, wie ihr Leben einmal aussehen wird. Und zehn Jahre später sieht die Welt einfach ganz anders aus. Diese Kluft zwischen den Zukunftsplänen von damals und der tatsächlichen Lebensrealität von heute fand ich so realistisch.
Auch die Rivalitäten innerhalb der Gruppe spielen eine wichtige Rolle. Die Sportler wollen sich beweisen und stehen untereinander in Konkurrenz. Gleichzeitig entwickeln sich aber Freundschaften und andere zwischenmenschliche Beziehungen zwischen Einzelnen. Milla fand ich dabei recht angenehm zu verfolgen. Ihr Ehrgeiz war für mich nachvollziehbar, ebenso wie ihre Unsicherheiten. Gerade in dieser Lebensphase liegen große Träume und persönliche Zweifel eben oft nah beieinander.
Auch die übrigen Figuren haben für mich ihren Zweck erfüllt. Manche waren besser gezeichnet als andere, aber insgesamt fand ich die Charaktere für diese Art von Geschichte ausreichend ausgearbeitet. Ich brauche hier keine tiefgründigen Figurenporträts, sondern in erster Linie einen stimmigen Plot und gute Unterhaltung.
Man kommt auf jeden Fall zügig durch das Buch. Die Geschichte ist gut erzählt und für mich hat das Gesamtpaket einfach funktioniert. Es ist wie gesagt keine Geschichte, die ich wegen ihrer besonderen Tiefgründigkeit lesen würde, aber genau das habe ich hier auch nicht erwartet.
Wer sich für Snowboarden interessiert, bekommt hier sicherlich auch noch einen anderen Zugang zur Geschichte. Aus meiner Sicht muss man sich mit dem Sport aber keineswegs auskennen oder ihn mögen, um das Buch genießen zu können. Für mich war es genau die Art von unkomplizierter Spannungslektüre, die ich mir zwischendurch wünsche. Ein Popcorn-Thriller, bei dem ich mich gut unterhalten gefühlt habe.
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