[Rezension] Rebecca Taylor McKay – Er lügt

„August 1961: Clara Carmichael ist glücklich. Sicher lenkt ihr Mann Spencer das zitronengelbe Cabrio auf der berühmten Küstenstraße nach Positano. Nur eine niedrige Mauer trennt sie vom hunderte Meter tiefer liegenden türkisblauen Meer. Eine aufregende Kulisse für die Flitterwochen an der Amalfiküste. Spencer ist reich, charmant und sorgt sich rührend um seine zweiundzwanzigjährige Frau. Schon bald nach ihrer Ankunft im Palazzo Rosso mit dem spektakulären Blick bemerkt die zurückhaltende Clara jedoch, dass ihr Mann angespannt ist. Und warum spricht er Italienisch? Die Fragen werden zu ernsthaften Zweifeln, als ihr jemand einen Zettel zukommen lässt: «Er lügt». Aber nicht nur Spencer scheint hinter der perfekten Fassade etwas zu verbergen. Die beiden Eheleute lernen die selbstbewusste Vivian und den lebenslustigen Fred kennen, die ein Paar sind. Was verschweigen die neuen Freunde? Und was Clara?
Unter der gleißend hellen Sonne der Urlaubsidylle brodeln dunkle Geheimnisse – so dunkel wie Tod. Clara ahnt: Dieser Sommer ist der Sommer der Wahrheit.“

Autorin: Rebecca Taylor McKay
Titel: Er lügt
Übersetzung: Silke Jellinghaus
Genre: Thriller
Seitenzahl: 416
Erscheinungsdatum: 17. Juli 2026
Verlag: Rowohlt Polaris
Preis: 18,00€ (Taschenbuch); 6,99€ (eBook)

Meine Meinung:

Im Sommer 1961 reisen Clara und ihr frisch angetrauter Ehemann Spencer an die Amalfiküste, wo sie ihre Flitterwochen in einem luxuriösen Hotel in Positano verbringen. Inmitten des mediterranen Flairs scheint zunächst alles genau so zu sein, wie Clara es sich erträumt hat. Doch schon bald schleichen sich erste Zweifel ein. Kleine Bemerkungen, widersprüchliche Aussagen und Spuren aus Spencers Vergangenheit lassen sie misstrauisch werden. Als sie schließlich den anonymen Hinweis erhält, dass ihr Mann sie belügt, beginnt Clara, ihr gesamtes Umfeld und ihre noch junge Ehe mit anderen Augen zu betrachten. Während immer neue Fragen auftauchen, wird nach und nach deutlich, dass hinter der romantischen Fassade weit mehr verborgen liegt, als Clara zunächst ahnt…

Rebecca Taylor McKay liefert mit „Er lügt“ ihr Debüt. Neugierig gemacht haben mich vor allem das sommerliche Setting an der Amalfiküste und die Aussicht auf eine Geschichte, in der Misstrauen und Geheimnisse eine zentrale Rolle spielen. Ein toller, leichter Sommerroman voller Spannung.

Und tatsächlich hat mich zu aller erst das Setting in seinen Bann gezogen. Positano und die Amalfiküste werden so lebendig beschrieben, dass man die engen Gassen, das glitzernde Meer und die warme Sommersonne beim Lesen förmlich vor Augen hat. Ich mochte auch das historische Setting des Jahres 1961 sehr gerne, denn es hat der Geschichte einen zusätzlichen Reiz gegeben und dafür gesorgt, dass sich vieles anders angefühlt hat als in einem modernen Thriller.

Erzählt wird die Handlung aus Claras Perspektive in verschiedenen Zeitebenen, die nach und nach offenlegen, welche Ereignisse der Hochzeitsreise vorausgegangen sind. Anfangs bleibt alles bewusst vage und es werden viele Andeutungen gemacht, deren Bedeutung sich erst mit der Zeit erschließt. Das verlangt ehrlicherweise etwas Geduld, dafür bleibt man aber auch am Ball und möchte wissen wie sich alles aufklärt.

Auch Clara als Hauptfigur hat mir wirklich gut gefallen. Sie ist für die Zeit, in der die Geschichte spielt, angemessen dargestellt. Ihre Herkunft, ihre Vergangenheit und die Erwartungen, die damals an junge Frauen gestellt wurden, bilden ein stimmiges Gesamtbild. Zu Beginn wirkt sie oft unsicher, fast schon zerbrechlich. Im Verlauf der Geschichte gewinnt sie jedoch etwas an Selbstvertrauen und beginnt, Dinge zu hinterfragen.

Auch die Ehe zwischen Clara und Spencer hat mich von Beginn an beschäftigt. Obwohl sie gerade erst geheiratet haben, wirkt ihre Ehe merkwürdig steif. Sicherlich spielt dabei auch die Zeit, in der die Geschichte angesiedelt ist, eine Rolle. Aus kleinen Irritationen werden nach und nach ernsthafte Zweifel und Ehemann Spencer kommt echt nicht gut weg…

Wer einen actionreichen Thriller mit ständig neuen Wendungen und Schnelllebigkeit erwartet, wird hier vermutlich nicht ganz die passende Lektüre finden. Für mich ist “Er lügt” eher ein Spannungsroman als ein klassischer Thriller, obwohl er schon die typischen Thriller-Elemente hat – nur eben alles sehr viel langsamer. Die Geschichte lebt von ihrer Atmosphäre, den zwischenmenschlichen Spannungen und dem stetig wachsenden Misstrauen. Gerade als Sommerlektüre funktioniert das Buch für mich ausgesprochen gut, denn das Urlaubsgefühl kommt gut heraus und wird mit einer konstanten unterschwelligen Spannung verbunden. Trotz des historischen Settings ist der Schreibstil ist übrigens angenehm flüssig und gut zugänglich.

Insgesamt ist “Er lügt” ein atmosphärischer Spannungsroman, der mich vor allem mit seinem besonderen Setting und der schleichend aufgebauten Spannung überzeugen konnte. Wer psychologische Spannung einer schnellen und actionreichen Handlung vorzieht, dürfte hier einen guten Kandidaten gefunden haben.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert