[Rezension] Max Doty – Das hungrige Haus

„Plötzlich hörte ich ein Geräusch wie das Summen eines Kühlschranks oder eines Insekts, das Holz frisst. Je länger ich lauschte, desto mehr kam es mir wie ein Kauen vor. Als hätte das Haus Hunger …

Das neue Haus soll für Claire und ihre Familie ein Neuanfang werden. Sie tauschen San Francisco gegen die Vorstadtidylle, nach der sich Claire seit ihrer turbulenten Kindheit sehnt. Doch noch während sie Kisten auspacken und Bilder aufhängen, bemerkt Claire, dass etwas nicht stimmt. Schockiert erkennt sie: Das Haus hat Hunger. Es vertilgt alles, was nicht lebt: Umzugskartons, Schnittblumen, das Lieblingsspielzeug ihrer Tochter – oder ein totes Tier. Und was das Haus verschlingt, verschwindet nicht nur spurlos: Bis auf Claire und Tom kann sich auch niemand daran erinnern, dass es je existiert hat. Die beiden versuchen, den seltsamen Vorgängen auf den Grund zu gehen und die Geheimnisse des Hauses zu lüften. Und die sind tödlicher, als Claire ahnt …“

Autor: Max Doty
Titel: Das hungrige Haus
Übersetzung: Marie-Luise Bezzenberger
Genre: Horror-Roman
Seitenzahl: 432
Erscheinungsdatum: 23. September 2026
Verlag: Goldmann
Preis: 14,oo€ (Taschenbuch); 11,99€ (E-Book)

Meine Meinung:

Claire und ihre Familie hoffen, mit dem Einzug in ein neues Haus endlich einen Neuanfang wagen zu können. Und noch dazu bekommen sie das Haus zu einem Preis, der deutlich unter dem liegt, was die Immobilie eigentlich wert sein dürfte. Doch die Freude hält nicht lange an. Noch während sie mitten im Umzug stecken und die ersten Kisten auspacken, bemerkt Claire, dass in ihrem neuen Zuhause etwas nicht stimmt.

Immer wieder hört sie seltsame Geräusche und nimmt merkwürdige Temperaturunterschiede innerhalb des Hauses wahr. Dazu verschwinden plötzlich Dinge, die eben noch an ihrem Platz standen. Und dann stellt Claire fest, dass nicht nur die Umzugskartons spurlos verschwinden, sondern auch deren Inhalt plötzlich wie von Motten zerfressen aussieht. Claire versteht langsam, dass das Haus Hunger hat. Und dieser Hunger ist durchaus wörtlich zu verstehen…

Die Geschichte wird aus der Sicht von Claire erzählt, die als Mutter der Familie im Mittelpunkt steht. Dadurch erleben wir die merkwürdigen Ereignisse vor allem aus ihrer Perspektive, während die Familie versucht, sich in ihrem neuen Zuhause einzuleben. Der Schreibstil hat mir dabei gut gefallen. Das Buch liest sich angenehm und unkompliziert, sodass ich schnell durch die Seiten gekommen bin.

Allerdings hatte ich mir von einem Horrorroman deutlich mehr erwartet und der Anfang war auch wirklich gut! Es gibt immer wieder seltsame Vorkommnisse, die durchaus für ein gewisses Unbehagen sorgen, doch wirklicher Horror kommt für mich nur in kleinen Dosen auf. Vieles wirkt eher merkwürdig und teilweise beinahe grotesk, wobei ich das Geschehen über weite Strecken nicht so richtig ernst nehmen konnte. Stellenweise hatte ich sogar den Eindruck, dass die Geschichte einen gewissen schwarzhumorigen Unterton hat. Das lässt sich schwer beschreiben, denn so richtig komisch ist das Ganze eigentlich auch nicht.

Das Haus selbst kam mir dabei tatsächlich eher wie ein etwas ungewöhnliches Haustier vor und nicht  wie eine ernst zu nehmende Bedrohung. Gerade diese Vorstellung fand ich zwar durchaus originell, sie hat bei mir aber nicht unbedingt die Art von Grusel ausgelöst, die ich mir von einem Horrorroman erhofft hatte.

Zum Ende hin nimmt die Handlung noch einmal etwas mehr Fahrt auf und es passiert mehr als auf den vorherigen Seiten. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte über weite Strecken nicht richtig vorankommt. Wenn die Handlung schon eher ruhig bleibt, müsste für mich zumindest die Atmosphäre stimmen. Doch auch hier konnte mich das Buch nicht vollständig überzeugen, weil die merkwürdigen Ereignisse für mich eher einen skurrilen Charakter hatten und weniger unheimlich waren.

Insgesamt ist „Das hungrige Haus“ für mich ein solider Roman, der sich angenehm lesen lässt, aber durchaus eine kleine Straffung vertragen hätte. Wer einen richtig harten Horrorroman erwartet, dürfte hier enttäuscht werden. Auch wer bei einem Haus mit übernatürlichen Eigenschaften an ein klassisches Spukhaus oder einen Poltergeist denkt, sollte seine Erwartungen etwas anpassen. Irgendwie war es eher ein Familiendrama, in dem man mit einem ungewöhnlichen Mitbewohner zurechtkommen muss. Dass dieser Mitbewohner ausgerechnet ein ganzes Haus ist, ist dabei vermutlich die ungewöhnlichste Idee des Buches.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert