[Rezension] John Marrs – The Vacation

„L.A., Venice Beach: Im International Hostel bleibt vom Glamour der Strandpromenade wenig übrig. In der heruntergekommenen Absteige treffen Backpacker aus verschiedenen Nationen aufeinander. Viele sind auf der Flucht vor ihrer Vergangenheit – und manche von ihnen hüten ein dunkles Geheimnis. Tommy, den seine eigenen düsteren Erinnerungen hierhergetrieben haben, jobbt im Hostel und kennt seine zwielichtigen Gäste. Wie Savannah, die aus gutem Grund einen Revolver unter ihrem Kopfkissen versteckt, oder der undurchsichtige Krankenpfleger Eric. Tommy ahnt, dass Eric vor nichts zurückschreckt und dass jedem Gefahr droht, der ihm zu nahe kommt …“

Autor: John Marrs
Titel: The Vacation
Übersetzung: Jens Plassmann
Genre: Roman
Seitenzahl: 592
Erscheinungsdatum: 10. Juni 2026
Verlag: Heyne
Preis: 18,00€ (Taschenbuch); 15,99€ (E-Book)

Meine Meinung:

Nur wenige Gehminuten vom Strand entfernt liegt in Los Angeles ein Hostel, in dem Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen zusammenkommen. Manche suchen Abstand von ihrem bisherigen Leben, andere hoffen auf einen Neuanfang oder wollen endlich herausfinden, welchen Weg sie künftig einschlagen sollen. Während sie sich begegnen, Freundschaften schließen, Beziehungen eingehen oder Konflikte austragen, offenbart sich nach und nach, was sie an diesen Ort geführt hat. Je länger die Bewohner des Hostels miteinander Zeit verbringen, desto enger verweben sich ihre Schicksale. Und schon bald wird deutlich, dass hinter den alltäglichen Begegnungen weit mehr steckt als zufällige Bekanntschaften…

„The Vacation“ ist eigentlich eines der früheren Werke von John Marrs und erschien ursprünglich sogar unter dem Titel „Welcome to Wherever You Are“. Tatsächlich gefällt mir dieser ursprüngliche Titel sogar besser als „The Vacation“, weil er den Charakter der Geschichte meiner Meinung nach deutlich treffender beschreibt.

Obwohl das Buch erst jetzt auf Deutsch erschienen ist, erkennt man bereits viele Elemente, die später zu den Markenzeichen des Autors werden sollten. Wer bereits andere Bücher von John Marrs gelesen hat, wird seine Handschrift sofort wiedererkennen. Wie auch in vielen seiner späteren Büchern erzählt er aus zahlreichen Perspektiven und verknüpft unterschiedlichste Handlungsstränge miteinander.

Genau dieser Aufbau war für mich allerdings gleichzeitig die größte Herausforderung des Buches. Zu Beginn fiel mir der Einstieg überraschend schwer. Die Vielzahl an Figuren, Perspektivwechseln und Rückblicken sorgte dafür, dass ich zunächst nur schwer in die Geschichte hineinfand. Jede Figur bringt ihre eigene Vorgeschichte mit und erhält neben der Gegenwartshandlung auch Raum für Rückblicke, die zeigen, wie sie überhaupt an diesem Punkt ihres Lebens angekommen ist.

Entsprechend langsam kam ich anfangs voran und las meist nur kleinere Abschnitte am Stück. Erst etwa ab der Hälfte des immerhin 600 Seiten starken Buches platzte bei mir der Knoten. Von da an entwickelte die Geschichte deutlich mehr Sog. Rückblickend würde ich sogar sagen, dass sich „The Vacation“ am besten lesen lässt, wenn man längere Zeit am Stück darin versinken kann. Je vertrauter man mit den Figuren und ihren Geschichten wird, desto besser funktioniert der Roman.

Die Kapitel sind meist kurz und knackig, die Perspektivwechsel häufig und viele Abschnitte enden mit kleinen Cliffhangern. In seinen neueren Büchern hat er diese Erzählweise zwar noch etwas perfektioniert, dennoch zeigt sich bereits hier sehr deutlich, warum seine Bücher für viele Leserinnen so schwer aus der Hand zu legen sind.

Positiv überrascht hat mich außerdem, dass mich der Autor mehrfach auf die falsche Fährte locken konnte. Einige Entwicklungen wirkten zunächst vorhersehbar und ich war mehr als einmal überzeugt, bereits zu wissen, worauf bestimmte Handlungsstränge hinauslaufen würden. Die tatsächlichen Auflösungen fielen jedoch häufig interessanter und überraschender aus als erwartet.

Besonders gefallen hat mir auch, wie die einzelnen Geschichten letztlich zusammengeführt werden. Die meisten Auflösungen wirkten stimmig und sorgten dafür, dass sich das Durchhalten der eher langsamen Anfangsphase gelohnt hat. Gelegentlich wirkte manches allerdings etwas konstruiert und ich hatte ich das Gefühl, dass der Zufall sehr großzügig nachhilft, damit am Ende alles ineinandergreift.

Bei den Figuren selbst blieb für mich etwas Potenzial liegen. Aufgrund der großen Anzahl an Charakteren fehlte vielen die nötige Tiefe, um dauerhaft im Gedächtnis zu bleiben. Gerade zu Beginn musste ich häufiger überlegen, wer nun eigentlich welche Geschichte mitbringt. Etwas mehr Ausarbeitung einzelner Figuren hätte dem Roman meiner Meinung nach gutgetan.

Trotz dieser Kritikpunkte erkennt man bereits deutlich die Handschrift von John Marrs. Seine Fähigkeit, viele Schicksale miteinander zu verweben und daraus ein großes Gesamtbild entstehen zu lassen, ist auch hier schon klar erkennbar. An seine stärkeren Bücher reicht „The Vacation“ für mich zwar nicht heran, dennoch habe ich das Buch nach anfänglichen Schwierigkeiten gerne gelesen und werde auch künftig weiterhin blind zu neuen Titeln des Autors greifen.

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