[Rezension] Katie Kento – Missing Page

„Die 17-jährige Toni reist nach Schottland, um am Workshop eines Bestsellerautors teilzunehmen. In dem abgelegenen Herrenhaus eröffnet der kauzige Schriftsteller den Teilnehmenden: Er will dem größten Nachwuchstalent sein Vermögen vermachen! Die Jugendlichen stürzen sich in die Textarbeit. Doch während ein Sturm sie von der Außenwelt isoliert, geschehen rätselhafte Dinge: Das Personal verhält sich seltsam, jemand geistert durch die Gänge, und es kommt zu einem Einbruch. Schlafwandlerin Toni wird nachts von Albträumen geplagt – und als der Schreibkurs eine blutige Wendung nimmt, beginnen die Grenzen zwischen Traum und Realität zu verschwimmen …“

Autorin: Katie Kento
Titel: Missing Page
Genre: Jugendthriller
Seitenzahl: 464
Erscheinungsdatum: 30. März 2026
Verlag: ONE
Preis:
17,00€ (Paperback); 9,99€ (E-Book)

Meine Meinung:

In einem abgelegenen, altehrwürdigen Anwesen findet ein exklusives Schreibseminar für junge Talente statt. Hier sollen Geschichten entstehen, die unter die Haut gehen und der berühmte Autor R.E. Giffard möchte einen ebenbürtigen Nachfolger finden. Die 17-jährige Toni reist nach Schottland, um an diesem Workshop teilzunehmen. Gemeinsam mit anderen Nachwuchstalenten möchte sie dort mehrere Tage lang an ihren eigenen Texten arbeiten. Gleich zu Beginn sorgt der exzentrische Gastgeber für Aufsehen, denn er kündigt an, sein Vermögen demjenigen zu hinterlassen, der ihn mit seinem schriftstellerischen Talent am meisten überzeugt.

Angestachelt von dieser Aussicht stürzen sich die Jugendlichen ehrgeizig in die Schreibaufgaben. Doch die Situation vor Ort entwickelt schnell eine eigene Dynamik. Ein aufziehender Sturm schneidet das Anwesen von der Außenwelt ab, das Verhalten des Personals wirkt zunehmend merkwürdig, und in den nächtlichen Gängen scheint sich jemand herumzutreiben. Als es auch noch zu einem ominösen Einbruch kommt, wächst die Unruhe innerhalb der Gruppe. Toni, die seit ihrer Kindheit schlafwandelt und von intensiven Albträumen geplagt wird, verliert dabei immer mehr den sicheren Halt zwischen Traum und Wirklichkeit. Was geht hier vor und wem kann man eigentlich trauen?

Im Zentrum steht Toni, aus deren Perspektive wir den Großteil der Geschichte erleben. Sie ist neugierig, reflektiert und bringt genau die richtige Mischung aus Unsicherheit und Entschlossenheit mit, um die Dynamik innerhalb der Gruppe glaubhaft einzufangen. Die übrigen Teilnehmenden des Schreibseminars sind individuell eingefangen und erfüllen weit mehr als nur die Funktion von Nebenfiguren. Jede einzelne Person bringt ihre eigene Geschichte, Beweggründe und auch Geheimnisse mit. Genau das macht die Gruppendynamik so interessant. Niemand ist einfach nur „da“ und schmückendes Beimwerk, sondern jede Figur trägt ihren Teil zum großen Ganzen bei.

Der Roman lebt stark von seiner besonderen Struktur. Neben der klassischen Erzählperspektive aus Tonis Sicht werden immer wieder Texte, Notizen und Auszüge aus den Arbeiten der Figuren eingeflochten. Besonders toll fand ich die visuellen Elemente wie Raumskizzen, Übersichten der Etagen oder auch scheinbar beiläufige Notizzettel und Listen. Ich liebe solche Details und verbringe gerne viel Zeit damit, diese Seiten zu studieren und auch gerne immer wieder dort hin zu blättern.

Der auch im Buch vorkommende Vergleich mit dem Spiel Cluedo passt hier hervorragend. Wie bei einem Rätsel setzt sich die Wahrheit Stück für Stück zusammen, während man gleichzeitig versucht, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Generell kein großer Fan bin ich von Traumsequenzen, bei denen man immer erstmal rätseln muss, ob das nun real oder geträumt ist.

Was diesen Jugendthriller besonders macht, ist seine Komplexität. Die Geschichte besteht aus vielen ineinandergreifenden Elementen, die sich nach und nach zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenfügen. Der Beginn des Buches hat mich sofort eingefangen. Das Setting, die Figuren und die ersten Andeutungen von Gefahr greifen sofort ineinander und machen neugierig auf mehr. Im Mittelteil gibt es eine kleine Phase, in der die Spannung etwas abflacht und sich die Handlung weniger dynamisch anfühlt. Das fällt jedoch vor allem deshalb auf, weil der Rest des Buches dann wieder Fahrt aufnimmt. Die einzelnen Handlungsstränge laufen überzeugend zusammen und rückblickend ergibt vieles Sinn und ich hatte einige Aha-Momente.

Ein von mir immer wieder geliebtes Instrument ist das abgeschlossene Setting. Das Anwesen ist durch einen Sturm abgeschnitten, die Telefone gehen nicht und es entsteht ein Gefühl von Enge und Misstrauen. Gleichzeitig sorgt der Schreibkurs als Rahmenhandlung für eine spannende Ebene, da sich Realität und Fiktion immer wieder überschneiden. Der Schreibstil ist für einen Young Adult Thriller angemessen zugänglich, aber keineswegs simpel.

Insgesamt überzeugt „Missing Page“ von Katie Kento als überraschend komplexer Jugendthriller mit vielen clever verwobenen Handlungssträngen. Besonders die kreative Aufmachung mit Skizzen, Notizen und Textauszügen macht das Buch zu einem echten Erlebnis und hat echt Spaß gemacht. Trotz eines kleinen Spannungstiefs im Mittelteil bleibt die Geschichte durchaus fesselnd und entwickelt dann zum Ende hin wieder eine starke Dynamik. Die Figuren wirken authentisch und handeln nachvollziehbar, ohne in typische Klischees zu verfallen und verhalten sich auch nicht zu kindisch. Auch wenn der Roman offiziell im Jugendbuchbereich angesiedelt ist, eignet er sich definitiv ebenso für erwachsene Thriller-Leserinnen. Wer Freude an rätselhaften Geschichten, detailverliebten Gestaltungen und einem Hauch von Cluedo-Feeling hat, wird hier auf seine Kosten kommen.

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