[Rezension] Cleo Konrad – Home Story

„Der Steingruberhof ist ein abgeschiedener Ort mit einer eingeschworenen Gemeinschaft, die nach ihren eigenen Regeln lebt. Als dort in einem flirrend heißen Sommer die Leiche einer Journalistin gefunden wird, fällt der Verdacht auf die Hofbewohner. Die junge Anwältin Eva soll ihnen helfen, denn als Tochter der charismatischen Gründerin hat sie früher selbst in der Kommune gelebt. Nach dreizehn Jahren kehrt sie zurück. Doch der Ort, der einst ihre Heimat war, erscheint ihr nun fremd. Was verheimlichen ihr die Menschen, die sie so gut zu kennen glaubte? Auf der Suche nach Antworten stößt Eva auf eine Mauer des Schweigens. Und je näher sie der Wahrheit kommt, desto klarer wird ihr: Dieser Hof verbirgt mehr als ein Geheimnis – und einen Mörder, der bereit ist, für seines zu töten …“
Autorin: Cleo Konrad
Titel: Home Story
Genre: Thriller
Seitenzahl: 510
Erscheinungsdatum: 29. Juni 2026
Verlag: Lübbe
Preis: 18,00€ (Paperback); 14,99€ (E-Book)
Meine Meinung:
Der Steingruber Hof ist ein ökologischer Hof und zugleich Zufluchtsort, auf dem seit vielen Jahren Menschen leben, die aus den unterschiedlichsten Gründen dort ein neues Zuhause gefunden haben. Nach außen wirkt die Gemeinschaft abgeschottet und sorgt im Ort immer wieder für Gesprächsstoff. Hinter vorgehaltener Hand wird der Hof als Hippie-Kommune bezeichnet, außerdem halten sich hartnäckig weitere Gerüchte über das Leben der Bewohner. Diese Gerüchte wecken schließlich das Interesse einer Investigativjournalistin, die den Steingruber Hof genauer unter die Lupe nehmen möchte. Doch ihre Nachforschungen enden abrupt, denn kurz nachdem sie vom Hof verwiesen wurde, wird sie tot aufgefunden. Schnell geraten die Bewohner ins Visier der Polizei und der Druck auf die Gemeinschaft wächst.
Ausgerechnet Eva, die Tochter der Hofbesitzerin Wilma, soll nun helfen. Sie ist auf dem Steingruber Hof aufgewachsen, wurde von ihrer Mutter jedoch vor Jahren fortgeschickt, nachdem ihre Zukunftsvorstellungen nicht mit denen des Hofes vereinbar waren. Heute lebt sie als erfolgreiche Anwältin in München und hat ihrer Vergangenheit längst den Rücken gekehrt. Doch als die Bewohner sie um Unterstützung bitten, kehrt sie widerwillig an den Ort zurück, den sie eigentlich für immer hinter sich lassen wollte und gerät dabei mitten in einen Fall voller Misstrauen, alter Konflikte und gut gehüteter Geheimnisse…
Von Cleo Conrad hatte ich bislang noch nichts gelesen, obwohl mir ihre Bücher schon häufiger begegnet sind und gedanklich längst auf meiner “Das lese ich irgendwann mal”-Liste gelandet waren. Den endgültigen Ausschlag gab aber tatsächlich die Social-Media-Kampagne zu Home Story. An diesem Buch kam man in den vergangenen Wochen kaum vorbei und ich muss wirklich sagen, das hat sensationell gefruchtet. Die Kampagne war ausgesprochen gelungen und hat meine Neugier definitiv geweckt.
Auch wenn Eva ganz klar die zentrale Figur der Geschichte ist, wird der Thriller nicht ausschließlich aus ihrer Sicht erzählt. Insgesamt begleiten wir vier Perspektiven. Eva, die nach vielen Jahren auf den Steingruber Hof zurückkehrt, Teddy, der bereits seit längerer Zeit auf dem Hof lebt, dessen Schwester Toni, die die Gemeinschaft während ihrer Ferien regelmäßig besucht, sowie Wilma, Evas Mutter und Leiterin des Hofes. Daneben spielen viele weiterer Figuren eine Rolle, weshalb dem Buch auch ein ausführliches Personenverzeichnis vorangestellt ist. Als ich das gesehen habe, hatte ich ehrlich gesagt erst einmal Respekt. Gerade am Anfang musste ich auf dem Kindle häufiger zurückblättern, um noch einmal nachzusehen, wer genau wer war und in welcher Beziehung die einzelnen Personen zueinander standen. Mit der Zeit wurde das zwar deutlich einfacher, ganz leicht fiel mir der Einstieg dadurch aber dennoch nicht.
Besonders gut gefallen hat mir dagegen die Atmosphäre. Cleo Conrad fängt diese drückende Sommerhitze und die beinahe stehende Luft auf dem abgelegenen Hof unglaublich greifbar ein. Zufällig passte das perfekt zu den Temperaturen während meiner Lesezeit, wodurch sich das Setting noch intensiver angefühlt hat.
Neben den eigentlichen Todesfall setzt sich der Thriller außerdem mit Themen wie Heimat, Zugehörigkeit und persönlichen Wertvorstellungen auseinander. Wo fühlen wir uns zuhause, welche Überzeugungen prägen uns und wie läuft das Zusammenleben in einer Gemeinschaft. Gerade die zwischenmenschlichen Dynamiken nehmen einen großen Teil der Geschichte ein.
Der Einstieg war trotz der vielen Figuren durchaus interessant. Leider war die Spannung einfach nicht durchgehend da. Nach dem guten Beginn verliert die Geschichte über weite Strecken spürbar an Fahrt. Natürlich dient dieser ruhigere Mittelteil dem Aufbau der Handlung und der Figuren, stellenweise empfand ich ihn aber als langatmig. Ich habe eigentlich überhaupt nichts gegen einen langsamen Spannungsaufbau, im Gegenteil. Wenn am Ende der große Wow-Moment wartet und es generell zum Buch passt, dann verschmerze ich das. Aber genau dieser Knalleffekt hat mir hier leider gefehlt. Das Finale ist durchaus stimmig, konnte mich aber nicht mit dem großen Wow belohnen, auf das ich nach dem langen Aufbau spekuliert hatte.
Ich bin mir dennoch sicher, dass Home Story seine Leserinnen finden wird. Wer Thriller mit einem ruhigen Spannungsaufbau schätzt und großen Wert auf zwischenmenschliche Dynamiken sowie Figurenentwicklung legt, dürfte hier gut aufgehoben sein. Für mich war es insgesamt ein solides Buch mit interessanten Ansätzen, das mich am Ende aber nicht vollständig überzeugen konnte.
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