[Rezension] Josh Malerman – Other Mommy

So steht sie am Kinderbett: groß, langhaarig, übelriechend – und sie will in Belas Herz
Für die achtjährige Bela ist ihre Familie alles: Mommy, Dad und Oma Ruth geben ihr Sicherheit. Doch Bela hütet ein Geheimnis. Jede Nacht kommt eine zweite Mutter zu ihr – groß, mit langen Haaren, mit einem Geruch nach Kanalisation, der bleibt. Und jede Nacht flüstert sie dieselbe Frage: „Kann ich in dein Herz?“

Autorin: Josh Malerman
Titel: Other Mommy
Übersetzung: Urban Hofstetter
Genre: Roman, Horror
Seitenzahl: 432
Erscheinungsdatum: 17. September 2026
Verlag: dtv
Preis: 18,00€ (Taschenbuch); 12,99€ (E-Book)

Meine Meinung:

Bela ist acht Jahre alt und hat ein Geheimnis, das sie schon lange mit sich herumträgt. In ihrem Schrank lebt die „andere Mami“. Sie spricht mit Bela, besucht sie immer wieder und stellt ihr dieselbe Frage. Eine Frage, die Bela nicht gefällt. Doch die andere Mami kommt Bela immer näher und während sich die Situation zwischen den beiden immer weiter zuspitzt, wird es für Bela zunehmend unangenehmer…

Josh Malermans „Other Mommy“ ist eines dieser Bücher, bei dem ich schon nach wenigen Seiten gemerkt habe, dass ich vermutlich richtig viel Spaß haben werde beim Lesen. Die Geschichte wird ausschließlich aus der Sicht der achtjährigen Bela erzählt und genau das sorgt für einen ganz besonderen Sog. Wir wissen immer nur das, was Bela weiß, erleben alles durch ihre kindlichen Augen und bekommen dadurch keinerlei Möglichkeit, die Ereignisse aus einer anderen (erwachsenen) Perspektive einzuordnen.

Allerdings ist der Schreibstil zunächst durchaus gewöhnungsbedürftig und das steht als Anmerkung des Autors direkt am Anfang des Buches. Die wörtliche Rede steht ohne Anführungszeichen im Text und wird durch Einzüge und Leerzeilen hervorgehoben. Ich verstehe absolut, was der Autor damit erreichen möchte und warum diese ungewöhnliche Formatierung zu seiner Idee passt. Für mein Auge war es trotzdem nichts. Ich bin beim Lesen immer wieder darüber gestolpert und fand den Text optisch schlicht nicht besonders angenehm.

Auch mit Bela selbst war ich ein wenig zwiegespalten. An manchen Stellen wirkt sie erstaunlich erwachsen, denkt sehr reflektiert und handelt für ein achtjähriges Kind ausgesprochen abgeklärt. An anderen Stellen wiederum verhält sie sich sehr kindlich. Trotzdem hat mir die Entscheidung, die komplette Geschichte ausschließlich durch Bela zu erzählen, ausgesprochen gut gefallen, weil genau dadurch auch diese beklemmende Atmosphäre entsteht.

Ihre Eltern haben bei mir dagegen deutlich weniger Begeisterung ausgelöst. Beide sind auf ihre ganz eigene Art wirklich furchtbare Eltern und ich habe mich mehr als einmal gefragt, wie man seinem Kind gegenüber so handeln oder sprechen kann. Vieles davon war für mich absolut kein Beispiel für gute Elternschaft.

Aber all das gerät angesichts dessen, wie unglaublich packend diese Geschichte ist, ziemlich schnell in den Hintergrund. Ich habe „Other Mommy“ förmlich inhaliert. Die Handlung setzt an einem Punkt ein, an dem zwischen Bela und der anderen Mami bereits eine lange Vorgeschichte besteht. Sie kennt die unheimliche Gestalt in ihrem Schrank schon seit Jahren und wir steigen genau dort ein, wo die Situation zunehmend außer Kontrolle gerät. Dadurch ist die Geschichte von Anfang an enorm temporeich und ich bin bis zum Ende kaum zum Atmen gekommen.

Und was den Gruselfaktor angeht… Ich fand „Other Mommy“ wirklich schaurig. Die ständige Anspannung und das Gefühl, dass jederzeit etwas passieren könnte… Besonders empfehlen kann ich tatsächlich auch das Hörbuch. Ich habe während einer Autofahrt hineingehört und war vollkommen begeistert davon, wie die andere Mami dort umgesetzt wurde. Sie bekommt ihre eigene Stimme und ich kann euch sagen, ich habe mich am helllichten Tag beim Zuhören wirklich sehr erschrocken. Die Atmosphäre funktioniert im Hörbuch für mich sogar fast noch besser und so umgeht man auch die eigenwillige Textformatierung.

Das Ende lässt von der Bedeutung her einiges an Interpretationsspielraum und das mag ich persönlich sehr gerne. Ich habe das Buch beendet und noch eine ganze Weile darüber nachgedacht, wie ich das Gelesene eigentlich deuten möchte. Ob man das mag dürfte allerdings sehr vom persönlichen Geschmack abhängen.

Unterm Strich hat mich „Other Mommy“ komplett in seinen Bann gezogen. Ja, die ungewöhnliche Textgestaltung war für mich schwierig und Bela hat mich als Erzählerin nicht in jeder Hinsicht überzeugt. Aber die Geschichte selbst war so nervenaufreibend, atmosphärisch und unglaublich packend, dass ich darüber hinweg sehen kann und muss! Eines meiner Highlights des Jahres.

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