[Rezension] Will Dean – Die Kammer

„Irgendwo in der Nordsee: Eine Gruppe von Tauchern – fünf Männer und eine Frau –, müssen vor ihrem Einsatz bei einer Ölpipeline zum Druckausgleich mehrere Tage in einer eisernen Kammer verbringen. Für die Profis eine vermeintliche Routine – bis es in der Kammer plötzlich einen ersten Todesfall gibt, dem weitere folgen. Die verbleibenden Tage werden für die weiter schwindende Zahl an Überlebenden zu einem nervenzerfetzenden Albtraum, aus dem es kein Entkommen gibt. Denn das Öffnen der Tür würde für alle Insassen den Tod bedeuten.“
Autorin: Will Dean
Titel: Die Kammer
Übersetzung: Sepp Leeb
Genre: Thriller
Seitenzahl: 400
Erscheinungsdatum: 6. März 2025
Verlag: Hoffmann und Campe
Preis: 18,00€ (Paperback); 15,99€ (E-Book)
Meine Meinung:
Ellen Brooke ist eine der wenigen Frauen, die als professionelle Sättigungstaucherin arbeitet. Gemeinsam mit fünf Kollegen soll sie einen Monat in einer Druckkammer tief unter der Nordsee verbringen, um von dort Reparaturarbeiten an einer Unterwasserpipeline durchzuführen. Zusätzlich möchte sie den Einsatz zusätzlich mit einer Kamera dokumentieren, um in einem Dokumentarfilm Einblicke in diesen außergewöhnlichen zu Beruf geben. Außerdem soll es zeigen, dass das Sättigungstauchen nicht ausschließlich Männern vorbehalten ist. Doch die ohnehin belastende Situation eskaliert, als plötzlich einer der Taucher tot aufgefunden wird. Bedeutet das, dass sich der Täter noch immer unter ihnen befindet? Und es bleibt nicht bei dem einen Toten…
Mit dem Thema Tauchen habe ich persönlich überhaupt nichts am Hut. Weder interessiert mich der Sport besonders noch könnte ich mir jemals vorstellen, selbst in solche Tiefen abzutauchen. Allein der Gedanke, von unendlich viel Wasser umgeben zu sein, löst bei mir schon Unbehagen aus. Und wenn dann noch Sättigungstauchen mit tagelangem Aufenthalt unter Druck hinzukommt, bin ich endgültig raus. Umso überraschter war ich, wie sehr mich dieses Buch begeistern konnte.
Ein großer Pluspunkt war für mich die Art, wie Will Dean dieses außergewöhnliche Berufsfeld vermittelt. Ich hatte vorher keinerlei Vorstellung davon, wie Sättigungstauchen überhaupt funktioniert, wie die Druckkammern aufgebaut sind oder welche Abläufe hinter einem solchen Einsatz stecken. Das Buch erklärt all das verständlich und anschaulich, ohne dabei zu technisch oder trocken zu werden. Stattdessen war ich die ganze Zeit fasziniert und wollte immer mehr über diese Welt erfahren. Sehr hilfreich fand ich auch die Skizze zu Beginn des Buches, die den Aufbau der Druckkammer und der gesamten Anlage veranschaulicht. Allein beim Betrachten wurde mir schon mulmig. Für kein Geld der Welt würde ich diesen Beruf ausüben, auch wenn im Buch mehrfach betont wird, wie gut solche Einsätze bezahlt werden.
Besonders gelungen fand ich außerdem, dass wir die Geschichte aus der Perspektive von Ellen Brooke erleben. Als Frau in diesem Beruf bringt sie noch einmal eine ganz eigene Dynamik in die Handlung. Dass sie zusätzlich den Auftrag übernimmt, den Einsatz für einen Dokumentarfilm zu begleiten, fügt sich gut in die Geschichte ein.
Richtig herausragend war für mich aber die Spannung. Schon allein die klaustrophobische Atmosphäre in dieser abgeschotteten Druckkammer tief unter der Nordsee hätte gereicht, um mich zu fesseln. Als dann auch noch ein Todesfall geschieht und klar wird, dass der Täter sich mitten unter den Eingeschlossenen befinden muss, entwickelt sich eine unglaublich dichte und nervenaufreibende Geschichte. Ich habe schon lange keinen Thriller mehr gelesen, der mich so gefesselt hat. Dieses sprichwörtliche Gefühl, beim Lesen auf der vorderen Sofakante zu sitzen, beschreibt es tatsächlich ziemlich gut. Ich wollte das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen und musste unbedingt wissen, was da nun passiert.
Für mich war „Die Kammer“ ein echtes Highlight und gleichzeitig der Startschuss, künftig mehr von Will Dean lesen zu wollen. Ich habe gesehen, dass im englischsprachigen Raum bereits mehrere weitere Thriller von ihm erschienen sind, die ebenfalls sehr gut bewertet sind. Leider haben es bislang noch nicht alle ins Deutsche geschafft. Ich hoffe sehr, dass sich das bald ändert, denn nach diesem Buch freue ich mich jetzt schon auf alles, was noch von ihm übersetzt wird.
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