[Rezension] Andrea Mara – Alles ihre Schuld

»Die Adresse ist Tudor Grove 14 – sollte ich noch nicht zu Hause sein, wenn du Milo abholst, passt unsere Nanny auf ihn und Jacob auf.« Doch als Marissa Irvine zur vereinbarten Adresse kommt, wo ihr kleiner Sohn zum Playdate eingeladen war, erwartet sie ein Schock: Ihr öffnet nicht Jenny, die Mutter von Jacob. Auch kein Kindermädchen. Und von Milo hat die Frau, die dort wohnt, noch nie gehört. Eine fieberhafte Suche beginnt, doch der vierjährige Junge bleibt spurlos verschwunden. Wer hat Marissa und ihrem Mann diese Falle gestellt? Bald machen böse Gerüchte in der Idylle des Dubliner Vororts die Runde, und eine junge Frau gerät ins Visier der Polizei. Die Wahrheit verbirgt sich hinter abgründigen Geheimnissen, die nun Schicht um Schicht freigelegt werden …“
Autorin: Andrea Mara
Titel: Alles ihre Schuld
Übersetzung: Andreas Jäger
Genre: Thriller
Seitenzahl: 224
Erscheinungsdatum: 15. Juli 2026, eBook bereits am 1. Juli 2026
Verlag: Goldmann
Preis: 17,00€ (Taschenbuch); 4,99€ (eBook)
Meine Meinung:
Als Marissa ihren Sohn Milo nach einem Playdate bei einem neuen Schulfreund abholen möchte, scheint zunächst alles ganz normal zu sein. Doch an der angegebenen Adresse kennt niemand die Familie, bei der Milo angeblich zu Besuch ist. Von dem Jungen fehlt jede Spur und innerhalb weniger Minuten wandelt sich alles in einen Albtraum. Während die Polizei die Ermittlungen aufnimmt, gerät nicht nur Marissas Leben völlig aus den Fugen. Auch Jenny, die mit ihrer Familie in den Fall verwickelt ist, kämpft mit eigenen Sorgen, Geheimnissen und der Frage, wem sie überhaupt noch vertrauen kann.
Erzählt wird die Geschichte aus mehreren Perspektiven, wobei Marissa und Jenny klar im Mittelpunkt stehen und die Geschichte tragen. Marissa erlebt den schlimmsten Albtraum, den Eltern sich vorstellen können, und ihre Verzweiflung, Hoffnung und Angst werden sehr greifbar dargestellt. Jenny führt auf den ersten Blick ein ganz anderes Leben, doch auch sie trägt ihre eigenen Belastungen mit sich. Die beiden Frauen unterscheiden sich in vielen Bereichen und finden dennoch immer wieder Berührungspunkte. Beide fand ich toll ausgearbeitet. Man war an den Figuren unglaublich nah dran und konnte ihre Gedanken und Emotionen intensiv miterleben. Gerade die Verzweiflung und die ständige Ungewissheit wurden eindrucksvoll transportiert. Ein klarer Anhaltspunkt dafür, wie stark die Figuren ausgearbeitet waren, denn ohne glaubwürdige Charaktere hätte diese Story längst nicht so gut funktioniert.
Daneben kommen immer wieder weitere Figuren zu Wort, die das Gesamtbild ergänzen und nach und nach neue Puzzleteile liefern. Auch die Spannung konnte mich durchgehend gut fesseln. Zwischendurch hatte ich kurz den Eindruck, dass das Tempo etwas herausgenommen wird, doch das erwies sich schnell nur als Vorbereitung für die nächsten Überraschungen. Immer wieder wurde ich auf Spuren geführt, die absolut plausibel wirkten und bei denen ich überzeugt war, die Lösung bereits gefunden zu haben, nur damit diese sich später als falsch herausstellten. Die Wendungen wirkten nicht künstlich konstruiert oder übertrieben, sondern haben sich stimmig eingefügt. Es hat wirklich Spaß gemacht das clever aufgebaute Gesamtbild zu entschlüsseln.
Inzwischen gibt es zu „Alles ihre Schuld“ auch eine Netflix-Verfilmung, die den Roman insgesamt sehr gelungen umsetzt. Der zentrale Plot bleibt erhalten, auch wenn unter anderem der Handlungsort verlegt wurde und einzelne Nebenfiguren sowie einige Handlungsstränge angepasst wurden. Insgesamt ist die Adaption jedoch erfreulich nah an der Buchvorlage geblieben und wirkt nicht unnötig verändert. Ob man zuerst zum Buch oder zur Serie greift, bleibt natürlich Geschmackssache. Ich persönlich würde erst das Buch empfehlen und anschließend die Serie schauen. Wer nach der letzten Seite noch nicht genug von der Geschichte hat, bekommt mit der Netflix-Adaption eine wirklich gelungene Ergänzung.
„Alles ihre Schuld“ war mein erstes Buch von Andrea Mara und hat mich auf ganzer Linie überzeugt. Spannende Figuren, ein clever konstruierter Plot und zahlreiche glaubwürdige Wendungen machen den Thriller zu einem echten Pageturner. Ich bin schon jetzt sehr gespannt darauf, weitere Bücher der Autorin zu entdecken.
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