[Rezension] Liz Nugent – Seltsame Sally Diamond


„Entsorg mich mit dem Müll“, sagte er immer. „Wenn ich sterbe, kannst du mich einfach mit dem Müll entsorgen.“

Sally Diamond kann nicht verstehen, warum es seltsam sein soll, was sie getan hat. Sie hat doch einfach nur befolgt, was ihr Vater ihr aufgetragen hat. Aber plötzlich interessieren sich alle für die zurückgezogen lebende Frau: Medien, Polizei und eine unheilvolle Stimme aus ihrer Vergangenheit – an die sie keine Erinnerungen hat. Während sie nach und nach die Schrecken ihrer Kindheit versteht, entdeckt Sally zum ersten Mal wirklich die Welt. Sie findet neue Freunde, trifft weitreichende Entscheidungen und lernt, dass Menschen nicht immer meinen, was sie sagen. Doch wer ist der Fremde, der Sally Nachrichten schickt? Und warum scheint ihr Nachbar geradezu besessen von ihr zu sein? Ein Roman, der unter die Haut geht mit einer unvergesslichen Protagonistin.“

Autorin: Liz Nugent
Titel: Seltsame Sally Diamond
Übersetzung: Kathrin Razum
Genre: Roman
Seitenzahl: 400
Erscheinungsdatum: 25. Juni 2026
Verlag: Gutkind
Preis: 10,99€ (E-Book)

Meine Meinung:

Sally Diamond lebt gemeinsam mit ihrem Vater sehr zurückgezogen auf dem Land. Ihr Alltag folgt festen Routinen und viele soziale Regeln erschließen sich ihr nicht. Als ihr Vater stirbt und Sally seinen letzten Wunsch wortwörtlich nimmt, löst sie damit eine Kette von Ereignissen aus, die plötzlich die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sie lenken. Während sie versucht, mit all den Veränderungen zurechtzukommen, holen sie nach und nach Erinnerungen ein, die lange tief in ihr verborgen lagen…

Ich habe dieses Buch in letzter Zeit wirklich überall gesehen. Eigentlich wusste ich von Anfang an, dass das ein Buch für mich sein würde. Gleichzeitig wusste ich aber auch schon, dass diese Geschichte emotional keine leichte Kost sein soll und wollte deshalb bewusst auf den richtigen Moment warten.

Schon nach wenigen Seiten war ich komplett in der Geschichte drin. Mein erster Gedanke war tatsächlich, was für eine furchtbare Geschichte. Und damit meine ich überhaupt nicht das Buch selbst, sondern das, was hier erzählt wird. Liz Nugent nimmt ihre Leserinnen mit auf eine Reise, die mich immer wieder fassungslos gemacht hat. Es gibt Momente, in denen man kaum glauben kann, dass Menschen zu so etwas fähig sind. Dieses bedrückende Gefühl zieht sich eigentlich durch das gesamte Buch und hat mich bis zur letzten Seite begleitet.

Sally ist dabei eine Hauptfigur, die ich so schnell nicht mehr vergessen werde. Es passiert gar nicht so oft, dass sich Figuren so tief einprägen, aber Sally gehört definitiv dazu. Ich habe sie unglaublich gern begleitet. Mit ihrer direkten Art, ihrer Ehrlichkeit und ihrer ganz eigenen Sicht auf die Welt ist sie einfach etwas ganz Besonderes. Gerade weil sie die Welt anders wahrnimmt, entstehen immer wieder Situationen, die zum Schmunzeln anregen, obwohl die Geschichte insgesamt so schwer ist.

Besonders spannend fand ich auch das Zusammenspiel zwischen Sally und ihrer Umwelt. Es war unglaublich interessant zu beobachten, wie Sally mit anderen Menschen agiert und wie diese wiederum auf sie reagieren. Stellenweise ein ziemlich guter Spiegel unserer Gesellschaft. Wie schnell Menschen urteilen, wie schnell jemand in eine Schublade gesteckt wird und wie wenig Verständnis manchmal vorhanden ist, wurde hier unglaublich gut eingefangen. Gleichzeitig entwickelt sich Sally im Laufe der Geschichte immer weiter und genau diese Entwicklung mitzuerleben, war einfach sooo schön.

Obwohl das Buch so schwere Themen behandelt, ließ es sich unglaublich gut lesen. Die Kapitel sind angenehm kurz und der Roman ist in drei Teile gegliedert, die sich auch erzählerisch ein wenig voneinander unterscheiden. Selten hat ein Buch in mir gleichzeitig den Wunsch ausgelöst, unbedingt weiterlesen zu wollen und gleichzeitig Angst vor den nächsten Enthüllungen zu haben. Auch nachdem ich die letzte Seite gelesen hatte, hat mich die Geschichte nicht losgelassen. Ich war nachdenklich, bedrückt und irgendwie auch wehmütig. Es ist eines dieser Bücher, das man zuklappt und das einen trotzdem noch eine ganze Weile begleitet. Immer wieder musste ich an Sally denken und an alles, was sie erleben musste.

Die Genrezuordnung fällt mir bei diesem Buch tatsächlich gar nicht so leicht. Ja, es gibt Thrillerelemente und auch Crime spielt eine wichtige Rolle. Trotzdem würde ich “Seltsame Sally Diamond” nicht als klassischen Thriller bezeichnen. Vielmehr lebt dieses Buch von seinen Figuren und den Emotionen, die es auslöst. Liz Nugent erzählt eine Geschichte über traumatische Geschehnisse, Menschlichkeit und die Auswirkungen der Vergangenheit, ohne dabei reißerisch mit diesen schweren Themen umzugehen.

“Seltsame Sally Diamond” ist ein absolutes Highlight und ein Buch, das ich so schnell nicht vergessen werde. Sally ist eine Figur, die sich tief bei mir eingebrannt hat und an die ich sicher noch lange denken werde. Auch wenn mich die Geschichte emotional ziemlich mitgenommen hat und mich am Ende nicht unbedingt mit einem guten Gefühl zurücklässt, hat sie mich vollkommen überzeugt.

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