[Rezension] Louise Candlish – Marina


„Alex führt mit seiner Frau Beth ein ruhiges Leben in einem gepflegten Vorort von London, bis auf einem verlassenen Bahndamm ein Naturpfad angelegt werden soll. Alex gerät in Panik: Nur er weiß, dass dieser Ort ein dunkles Geheimnis birgt, das er am liebsten für immer vergessen hätte. Doch jetzt ist alles wieder da: Die Erinnerungen an diesen einen Sommer in den 1990ern, in dem er eine rätselhaft-faszinierende Frau namens Marina kennen lernte – mit fatalen Folgen. Während sich Beth für den Naturpfad begeistert, wandelt sich Alex‘ Angst vor der Vergangenheit in Paranoia. Denn sollte die Wahrheit ans Licht kommen, wäre sein gesamtes Leben zerstört … Ein packender Psychothriller über Schuld, Täuschung und die Frage, wie lange man vor der Wahrheit davonlaufen kann.“

Autorin: Louise Candlish
Titel: Marina
Übersetzung: Beate Brammertz
Genre: Thriller
Seitenzahl: 523
Erscheinungsdatum: 13. Mai 2026
Verlag: btb
Preis: 15,00€ (Paperback); 10,99€ (E-Book)

Meine Meinung:

Im London der 1990er versucht Rick im Berufsleben Fuß zu fassen und genießt das Leben mit all den Unsicherheiten des Erwachsenwerdens. Als er Marina kennenlernt, ist er sofort fasziniert von ihr. Doch obwohl zwischen ihnen schnell eine enge Verbindung entsteht, hält Marina ihn auf Anstand. Sie scheint ständig etwas vor ihm zu verbergen und verschweigt Teile ihres Lebens. Doch Rick kann sich ihrem Charme nicht entziehen und gerät er in eine Situation, deren Folgen weit über eine gewöhnliche Liebesgeschichte hinausgehen…

Knapp 30 Jahre später führt Alex ein geordnetes Leben mit seiner Frau Beth in einem ruhigen Londoner Vorort. Doch als direkt hinter ihrem Grundstück ein lange brachliegendes Gelände zu einem Naturpfad umgestaltet werden soll, wird Alex zunehmend nervös. Die geplanten Bauarbeiten lösen bei ihm eine Unruhe aus, die selbst Beth nicht nachvollziehen kann. Warum beschäftigt ihn das Thema so sehr?

Tatsächlich hat mich hier der Klappentext deutlich stärker angesprochen als das Cover. Letzteres hat mich ehrlich gesagt nicht besonders abgeholt und wirkt auf mich vergleichsweise unscheinbar. Schade eigentlich, denn die Geschichte selbst bietet jede Menge Stoff für eine deutlich aufmerksamkeitsstärkere Gestaltung.

Erzählt wird die Handlung auf zwei Zeitebenen, die sich gegenseitig ergänzen und immer stärker miteinander verweben. Zum einen begleiten wir Rick im London der Neunzigerjahre, zum anderen Alex in der Gegenwart. Grundsätzlich mag ich solche Konstruktionen sehr, dennoch habe ich bei vielen Romanen das Problem, dass ich eine der beiden Zeitebenen deutlich lieber lese als die andere. Genau so war es auch hier.

Die Vergangenheit rund um Rick und Marina hat mich von Beginn an deutlich stärker gefesselt. Dort lag für mich der eigentliche Sog der Geschichte. Die Beziehung der beiden, die vielen offenen Fragen und die langsam wachsende Unruhe haben dafür gesorgt, dass ich diese Kapitel regelrecht verschlungen habe. Die Gegenwartshandlung hatte zwar ebenfalls ihre Reize, konnte für mich aber nie ganz mithalten.

Das lag vor allem an Alex und seiner Ehe mit Beth. Die Dynamik zwischen den beiden war durchgehend angespannt und oft schwer greifbar. Zwar baut die Vergangenheit viel Verständnis dafür auf, warum bestimmte Figuren heute so handeln, wie sie handeln, dennoch konnte ich manche Entwicklungen emotional nicht vollständig nachvollziehen. Vieles wirkte auf mich ausgesprochen intensiv und stellenweise fast überzeichnet.

Was Louise Candlish jedoch hervorragend gelingt, ist der Aufbau ihres Plots. Die Geschichte ist durchdacht konstruiert und macht großen Spaß beim Entwirren ihrer Geheimnisse. Immer wieder werden neue Informationen eingestreut, die bisherige Annahmen ins Wanken bringen. Dabei hat die Autorin mehrfach geschafft, mich auf die falsche Fährte zu locken. Ich bin tatsächlich ganz naiv in die Fallen getappt und wurde dafür aber mit einigen Überraschungen belohnt.

Der größte Kritikpunkt vieler Leser dürfte allerdings in der Spannungskurve liegen. „Marina“ ist kein Thriller, der von Beginn an mit maximaler Spannung besticht. Die Handlung entwickelt sich sehr langsam, nimmt sich viel Zeit für ihre Figuren und investiert einiges in deren Gedanken, Gefühle und Motivationen. Die Spannungskurve steigt eher schleichend an, vor allem nach einer Enthüllung nach etwa der Hälfte des Buches.

Mich hat das überraschenderweise wenig gestört. Zwar hätte der Thriller an manchen Stellen durchaus etwas straffer sein können, gleichzeitig sorgt dieses langsame Tempo aber dafür, dass man den Figuren sehr nahekommt, was ja auch der Geschichte zu Gute kommt.

Wer also vor allem rasante Thriller mit hohem Tempo sucht, muss hier Geduld mitbringen oder wird generell nicht glücklich damit. Wer dagegen Freude daran hat, Charaktere intensiv kennenzulernen und sich langsam in ein Geflecht aus Geheimnissen und Fehlentscheidungen hineinzudenken, dürfte hier eine unterhaltsame Geschichte gefunden haben.

Insgesamt ein clever konstruierter Thriller mit einigen gelungenen Wendungen und Figuren, die lange im Gedächtnis bleiben. Nicht alles hat für mich vollumfänglich funktioniert, dennoch hatte ich durchgehend Freude beim Lesen und ich bin jetzt definitiv neugierig auf weitere Bücher der Autorin.

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