[Rezension] Jason Rekulak – Dein letztes Fest


„Frank kann nicht glauben, dass seine Tochter Maggie ihn nach drei Jahren ohne Kontakt zu ihrer Hochzeit einlädt. Maggies Verlobter Aidan Gardner entstammt einer der reichsten Familien des Landes, und die Hochzeit wird auf ihrem abgelegenen Luxusanwesen in New Hampshire stattfinden. Alles könnte perfekt sein. Doch je näher der große Tag rückt, desto stärker wird Franks Gefühl, dass die Gardners etwas zu verbergen haben. Wieso sind die Einwohner des nahegelegenen Dorfs so feindselig? Wieso geben sie Aidan die Schuld am Verschwinden einer jungen Frau? Und wieso versteht Maggie nicht, was Frank so beunruhigt?“

Autor: Jason Rekulak
Titel: Dein letztes Fest
Übersetzung: Leena Flegler
Genre: Thriller
Seitenzahl: 432
Erscheinungsdatum: 02. April 2026
Verlag: Piper
Preis: 17,00€ (Taschenbuch); 14,99€ (E-Book)

Meine Meinung:

Frank Szatowski hat seit Jahren keinen Kontakt mehr zu seiner Tochter Maggie. Nach einem Zerwürfnis herrschte drei Jahre lang komplette Funkstille, bis sie sich plötzlich aus dem Nichts wieder bei ihm meldet. Ihre Nachricht kommt überraschend und überrumpelnd zugleich, denn Maggie hat nicht nur einen neuen Partner, sondern lädt Frank direkt zu ihrer bevorstehenden Hochzeit ein. Trotz der spürbaren Distanz zwischen ihnen macht sich Frank auf den Weg, fest entschlossen, diese zweite Chance nicht zu vergeigen.

Doch das Wiedersehen verläuft anders als erhofft. Die Hochzeit soll auf dem abgelegenen Anwesen der wohlhabenden Familie ihres Verlobten stattfinden, und schon kurz nach seiner Ankunft beschleicht Frank ein ungutes Gefühl. Die Familie wirkt kontrollierend, die Dynamiken sind schwer zu durchschauen, und hinter der makellosen Fassade scheint sich mehr zu verbergen, als auf den ersten Blick sichtbar ist. Während Frank versucht, die verlorene Verbindung zu seiner Tochter wiederherzustellen, wächst in ihm gleichzeitig die Sorge, dass sie sich in einer Situation befindet, die gefährlicher ist, als sie selbst ahnt…

Schon mit seinem Debüt „Schlafenszeit“ konnte Jason Rekulak mich komplett überzeugen. Für mich war das damals eines meiner absoluten Highlights des Jahres, weshalb ich mich natürlich umso mehr gefreut habe, dass weiterer Nachschub angekündigt wurde. Entsprechend groß war die Vorfreude auf „Dein letztes Fest“, und ich habe wirklich darauf hingefiebert, bis das Buch endlich auf Deutsch erschienen ist. Wichtig ist aber, dass man hier nicht den Fehler macht, beide Bücher zu stark miteinander zu vergleichen. Zwar merkt man natürlich die Handschrift des Autors, aber der Vibe ist ein völlig anderer und auch das Lesegefühl unterscheidet sich deutlich.

Im Mittelpunkt steht Frank, ein Vater, der es nicht immer leicht hatte und der vor allem versucht, für seine Tochter da zu sein, auch wenn ihm das nicht immer perfekt gelingt. Gerade diese Unvollkommenheit macht ihn aber so greifbar und menschlich. Seine Beziehung zu Maggie ist ein zentraler Bestandteil der Geschichte und wird sehr authentisch dargestellt, mit all den Spannungen, Missverständnissen und der tiefen Verbundenheit, die Frank zu seiner Tochter empfindet. Frank ist kein Held im klassischen Sinne, sondern jemand, der Fehler macht, zweifelt und trotzdem immer wieder versucht, das Richtige zu tun. Wirklich eine der sympathischsten Figuren, die mir in letzter Zeit begegnet sind.

Erzählt wird die Geschichte komplett aus Franks Sicht, was ich als sehr gelungen empfunden habe. Dadurch ist man nah an seinen Gedanken, erlebt seine Unsicherheiten mit und wird regelrecht mit hineingezogen in dieses stetig wachsende Gefühl, dass etwas ganz und gar nicht stimmt. Was man hier aber wirklich wissen sollte, ist, dass sich die Geschichte sehr viel Zeit lässt. Über weite Strecken passiert erst einmal gar nicht so viel im klassischen Sinne. Stattdessen begleitet man Frank beim Beobachten, beim Einordnen, beim Grübeln. Vieles wird detailliert beschrieben, Situationen werden eher eingefangen als vorangetrieben, und man läuft im Grunde einfach neben ihm her, ohne genau zu wissen, worauf das Ganze hinausläuft.

Gerade diese ruhige, fast schon entschleunigte Erzählweise sorgt aber dafür, dass sich dieses ungute Gefühl immer weiter steigert. Es ist von Anfang an da, leise, unterschwellig, und wird mit jeder Seite ein bisschen stärker. Ich fand das teilweise fast ein wenig zermürbend, weil ich nicht abschätzen konnte in welche Richtung sich diese Story bewegt. Ich wusste nicht, wohin ich es einordnen soll, was genau hier eigentlich schiefläuft, und genau das hat mich gleichzeitig auch total gepackt. Ich habe in alle möglichen Richtungen gedacht, aber das, was letztendlich passiert, hatte ich so nicht auf dem Schirm.

Man sollte sich außerdem darauf einstellen, dass „Dein letztes Fest“ weniger ein klassischer Thriller ist, als man vielleicht erwartet. Übernatürliche Elemente, wie sie in „Schlafenszeit“ eine Rolle gespielt haben, sucht man hier vergeblich. Stattdessen bewegt sich die Geschichte stärker in Richtung Spannungsroman mit deutlichen Einschlägen eines Familiendramas. Die Thriller-Elemente sind zwar vorhanden, lassen aber lange auf sich warten.

Die Auflösung selbst hat mir gut gefallen. Sie ist vielleicht im Vergleich zum Debüt weniger brachial, aber auf eine andere Art eindringlich und definitiv wirkungsvoll. Wenn man den direkten Vergleich zieht, kommt „Dein letztes Fest“ für mich nicht ganz an „Schlafenszeit“ heran. Gleichzeitig muss man aber auch sagen, dass der Autor mit seinem ersten Thriller die Messlatte einfach extrem hoch gelegt hat.

Für sich genommen ist „Dein letztes Fest“ ein wirklich gelungener Spannungsroman mit einem tollen Schreibstil, einer starken Hauptfigur und einer Atmosphäre, die einem konstantes Unwohlsein beschert. Frank trägt die Geschichte mit seiner sympathischen, oft auch angenehm humorvollen Art und macht das Lesen zu einem echten Erlebnis. Jason Rekulak bleibt für mich ein Autor, den ich definitiv im Blick behalten werde, und ich freue mich jetzt schon darauf, was als Nächstes von ihm kommt.

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