[Rezension] Imani Thompson – Honey

„Das erste Mal hat Yrsa nicht die Absicht zu töten. Aber der Cambridge-Professor, der ihr gegenübersitzt, hat die Forschungsergebnisse ihrer Freundin gestohlen. Als sie die Biene in seine Sanpellegrino-Flasche schnippt, denkt sie, dass er einen schmerzhaften Stich abbekommen wird. Dann ist er tot. Und Yrsa, die – seien wir ehrlich – schon seit einiger Zeit gelangweilt ist, fühlt sich endlich wieder lebendig.“
Autorin: Imani Thompson
Titel: Honey
Übersetzung: Asal Dardan
Genre: Roman
Seitenzahl: 416
Erscheinungsdatum: 17. Juli 2026
Verlag: Rowohlt Hundert Augen
Preis: 25,00€ (Hardcover); 19,99€ (E-Book)
Meine Meinung:
Yrsa ist Doktorandin in Cambridge und beschäftigt sich wissenschaftlich vor allem mit Rassismus und feministischen Theorien. Doch der akademische Alltag ist längst nicht so ein Traumjob, wie man vielleicht denken könnte. Sie erlebt immer wieder Diskriminierung und muss sich mit den Machtstrukturen und Erwartungen auseinandersetzen, die bereits ihr ganzes Leben prägten. Als eine Freundin Probleme mit einem Professor bekommt, weil dieser ihre Forschung für seine eigenen Zwecke nutzt, gerät Yrsa immer stärker in einen Konflikt, der in einem folgenschweren Zwischenfall gipfelt. Der Professor stirbt und was zunächst wie ein tragischer Unfall aussieht, bringt in Yrsa etwas zum Vorschein, das sie selbst überrascht…
Das Cover von „Honey“ war für mich direkt ein Eyecatcher und auch der Klappentext hat mich neugierig gemacht. Die Mischung aus Campusroman und Thriller klang interessant und tatsächlich ist dieses Buch vor allem eines, nämlich ziemlich anders.
Der Einstieg fiel mir allerdings etwas schwer. Der Schreibstil ist nicht kompliziert, aber teilweise sehr abgehackt und wirkt stellenweise fast wie Gedankenfetzen aus Yrsas Kopf. Daran musste ich mich erst gewöhnen und gerade am Anfang hat mich das etwas ausgebremst. Aber um das schon mal vorwegzunehmen: ich finde, dass es sich lohnt dranzubleiben, denn das, was hier erzählt wird, hebt sich definitiv von der Masse ab.
Im Mittelpunkt steht Yrsa und ihre Entwicklung fand ich ausgesprochen interessant. Meine Meinung über sie hat sich im Laufe des Buches immer wieder verändert. Mehr möchte ich dazu gar nicht sagen, denn gerade diese Entwicklung sollte man meiner Meinung nach selbst erleben. „Honey“ ist für mich fast schon eine Charakterstudie und wer gerne Figuren begleitet, die sich nicht einfach in sympathisch oder unsympathisch einordnen lassen, bekommt hier einiges geboten.
Auch thematisch ist das Buch sehr vielschichtig. Es geht um Rassismus, aber auch um Diskriminierung im Allgemeinen, Geschlechterrollen und Feminismus. Gleichzeitig geht es darum, wie sehr unsere eigenen Erfahrungen und Beziehungen beeinflussen, wer wir sind und wie wir anderen Menschen begegnen. Die Beziehung zu den Eltern spielt dabei ebenso eine Rolle wie romantische und freundschaftliche Beziehungen. Vieles hängt miteinander zusammen und genau diese Verknüpfungen fand ich spannend.
Und das derzeit sehr beliebte Thema Female Rage spielt hier eine große Rolle. Was hier in Gang gesetzt wird, ist sicherlich nicht die Norm und sehr drastisch dargestellt, aber es war definitiv interessant und unterhaltsam. Wer Bücher mag, die sich mit Female Rage, gesellschaftlichen Erwartungen und Ungerechtigkeiten auseinandersetzen, sollte „Honey“ definitiv einmal genauer anschauen.
Mein größter Kritikpunkt ist allerdings das Ende. Ich habe überhaupt kein Problem mit offenen Enden oder Interpretationsspielraum. Hier hat es sich für mich aber nicht so angefühlt, als sollte ich als Leserin selbst etwas interpretieren. Vielmehr hatte ich das Gefühl, dass einfach etwas fehlt und die Geschichte ziemlich abrupt abbricht. Das hat mich am Ende tatsächlich etwas enttäuscht.
Trotzdem bleibt für mich ein Buch, das sich deutlich von der Masse abhebt und gerade deshalb im Gedächtnis bleibt. Der Einstieg ist etwas holprig und das Ende hätte ich mir anders gewünscht, aber die ungewöhnliche Geschichte und vor allem Yrsa als Hauptfigur haben mich überzeugt.
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