[Rezension] Arno Strobel – Happy Weekend

„Katja und Marcel sind bester Laune, als sie an diesem Freitag mit dem Auto aufbrechen. Eine kleine Auszeit über das verlängerte Wochenende, einfach mal ausspannen. Doch beim kurzen Halt an einer Raststätte wird ihnen das Gepäck aus dem Kofferraum gestohlen. Zum Glück hat Katja einen kleinen GPS-Tracker in den Koffer gelegt, über den sie ihn orten kann. Und tatsächlich, auf der Karte in der App sehen sie ihn als blauen Punkt, wie er sich eben der Autobahnauffahrt nähert. Ohne groß nachzudenken, folgen sie dem Wagen, in dem sie ihr Gepäck vermuten. Doch dann ist es zu spät – sie sitzen in der Falle. Denn jemand hat sie absichtlich an diesen Ort gelockt. Und ihr schlimmster Albtraum beginnt genau jetzt … “
Autor: Arno Strobel
Titel: Happy Weekend
Genre: Psychothriller
Seitenzahl: 368
Erscheinungsdatum: 26. August 2026
Verlag: Fischer Taschenbuch
Preis: 18,00€ (Paperback); 12,99€ (E-Book)
Meine Meinung:
Katja und Marcel wollen ein entspanntes Wochenende zu zweit verbringen, doch schon auf dem Weg dorthin läuft einiges anders als geplant. Als ihr Gepäck an einer Raststätte gestohlen wird, versuchen die beiden mithilfe eines GPS Trackers herauszufinden, wo sich ihr Koffer befindet. Die Spur führt sie schließlich an einen merkwürdigen Ort und aus dem geplanten Kurztrip wird schnell ein Albtraum…
Arno Strobel und ich, das ist mittlerweile so eine Sache, denn ich weiß ich vorher eigentlich nie so genau, was mich erwartet. Seine Bücher sind für mich seit Jahren ein ziemliches Hopp-oder-Top-Spiel. Entweder ich bin begeistert oder ich frage mich irgendwann, wie dieses Buch eigentlich durch die Qualitätskontrolle gekommen ist. Manchmal gibt es noch ein bisschen was dazwischen, aber ehrlich gesagt nicht viel. Und trotzdem greife ich immer wieder zu seinen neuen Büchern, warum?! Die Grundideen klingen einfach jedes Mal spannend, die Cover machen neugierig und vor allem schafft Strobel es immer wieder, sich einem aktuellen, brisanten Thema zu widmen. Diese Kombi lässt mich immer wieder zu seinen Büchern greifen, aber dieses Mal bin ich wirklich mehr als enttäuscht.
Die Geschichte wird hauptsächlich aus Marcels Perspektive erzählt. Zu Beginn ist auch Katja stärker im Mittelpunkt, dazu kommen immer wieder optisch abgesetzte Kapitel aus der Perspektive des sogenannten Mechanikers. Schon diese eingeschobenen Passagen haben für mich überhaupt nicht funktioniert. Sie wirkten wie Fremdkörper und fügten sich nicht sinnvoll in den Rest der Geschichte ein. Wie reingeklebte Kapitel, so nach dem Motto: Ach, da muss doch noch ein bisschen Gewalt rein.
Überhaupt hatte ich beim Lesen zunehmend das Gefühl, dass hier vieles einfach nach einem Baukastensystem zusammengesetzt wurde. Eine merkwürdige Szene hier, ein seltsames Gespräch dort, zwischendurch noch eine möglichst brutale Szene, weil wir schließlich einen Psychothriller lesen. Das alles hatte für mich keinen erkennbaren Zusammenhang. Die Brutalität wirkte teilweise völlig abgelöst von der eigentlichen Geschichte und eher wie zusätzlich eingebaut, damit es auf seine benötigte Heftigkeit kommt.
Am schlimmsten waren für mich allerdings die Figuren und ihre Gespräche. Wer redet bitte im wahren Leben so miteinander? Gerade am Anfang hat mich dieses ständige Andeuten und Verschweigen wahnsinnig gemacht. Eine Figur weiß etwas, deutet es an, will es dann aber doch nicht mit der Sprache rausrücken. Sie fragt nach, bekommt wieder keine vernünftige Antwort und bleibt trotzdem erstaunlich ruhig. Das war keine Spannungskurve für mich, sondern einfach nur frustrierend.
Auch später reagieren die Figuren auf die Ereignisse für mein Empfinden völlig unangemessen. Mal wird auf etwas, das eigentlich eine massive Reaktion erfordern würde, erstaunlich gelassen reagiert, dann wieder auf Kleinigkeiten völlig überzogen. Das hat alles so unglaubwürdig und steif gemacht. Und dann ist da noch die Handlung selbst. Ich habe wirklich versucht, mich darauf einzulassen, aber je weiter die Geschichte voranschritt, desto abstruser wurde sie für mich.
Und mir tut das tatsächlich leid, denn ich kann nur vermuten, wie viel Arbeit hinter so einem Buch steckt. Genau das macht „Happy Weekend“ für mich aber auch so enttäuschend. Ich habe Strobel nicht gelesen, weil ich ihn grundsätzlich nicht mag und mal einen Rant loslassen wollte. Im Gegenteil! Ich habe sonst immer wieder zu seinen Büchern gegriffen, gerade weil er mich mit seinen Ideen regelmäßig neugierig macht.
Aber mit „Happy Weekend“ ist dieses Vertrauen für mich erst einmal weg. Wenn ich bei einem Autor schon mehrere Bücher gelesen habe, die mir richtig gut gefallen haben, entsteht irgendwann dieses Gefühl, dass man beim nächsten Buch einfach blind zugreifen kann. Bei Strobel hatte ich diesen Vertrauensvorschuss trotz einiger Ausreißer bisher immer noch. Nach diesem Buch ist das erstmal vorbei.
Einen Pluspunkt gibt es allerdings. „Happy Weekend“ lässt sich sehr leicht und schnell lesen. Der Schreibstil ist unkompliziert und der Lesefluss stimmt. Man kommt schnell durch die Seiten. Das reicht am Ende natürlich nicht aus, denn eine gute Lesbarkeit kann eine Geschichte, die mich inhaltlich und mit den Figuren so überhaupt nicht überzeugt, nicht retten.
Und deshalb ist „Happy Weekend“ für mich nicht einfach nur ein weiterer Ausreißer, den ich nicht mochte. Es ist das Buch, das es geschafft hat, dass ich erstmal keine Lust mehr auf die nächste Story des Autors habe. Und das hat bisher noch kein Strobel geschafft.
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