[Rezension] Andrew Welsh-Huggins – The Mailman

„Mercury Carter ist der Mailman. Er stellt Pakete zu, und er nimmt seine Arbeit ernst. Sendungen, die er ausliefert, werden grundsätzlich nur persönlich übergeben. Von dieser Regel gibt es keine Ausnahme. Auch dann nicht, wenn Carter am Zielort überraschend auf eine mörderische Bande stößt, die eine Frau als Geisel hält. Ein atemberaubender, wendungsreicher Thriller von radikaler Konsequenz, der mit jeder Seite an Tempo gewinnt und bis zum letzten Satz elektrisiert.“
Autor: Andrew Welsh-Huggins
Titel: The Mailman
Übersetzung: Ivana Marinović
Genre: Thriller
Seitenzahl: 400
Erscheinungsdatum: 04. März 2026
Verlag: Hoffmann und Campe
Preis: 18,00€ (Paperback); 15,99€ (E-Book)
Meine Meinung:
Alles beginnt mit einer eigentlich ganz simplen Lieferung. Mercury Carter nimmt seinen Job extrem ernst, Pakete werden ausschließlich persönlich zugestellt und wenn Carter einmal einen Auftrag angenommen hat, zieht er ihn auch durch. Als er jedoch ein Paket bei der Anwältin Rachel Stanfield abgeben will, platzt er mitten in einen brutalen Überfall. Mehrere Männer haben Rachel und ihren Ehemann Glenn in ihrer Gewalt und sind auf der Suche nach Informationen. Noch bevor Carter die Situation auflösen kann, ziehen die Täter mit Rachel als Geisel davon. Carter und Glenn machen sich an die Verfolgung der Täter und geraten immer tiefer in eine gefährliche Geschichte voller Gewalt und Verstrickungen.
Bis dato sagte mir der Autor tatsächlich überhaupt nichts und auch das Subgenre Actionthriller gehört normalerweise nicht unbedingt zu meinen ersten Anlaufstellen. Ich greife deutlich häufiger zu klassischen Spannungsromanen oder Psychothrillern, die eher mit Atmosphäre, Manipulation und psychologischem Druck arbeiten. Actionthriller funktionieren dagegen oft über Tempo, Eskalation und permanente Bewegung. Genau das merkt man auch bei „The Mailman“ sehr schnell.
Mercury Carter ist dabei allerdings eine Hauptfigur, die das Ganze deutlich interessanter macht, als man zunächst vielleicht erwarten würde. Er ist keiner dieser geschniegelt coolen Actionhelden, die scheinbar alles können und nie ins Wanken geraten. Stattdessen wirkt er eher zurückhaltend, beinahe unscheinbar, gleichzeitig aber extrem aufmerksam und clever. Seine Vergangenheit spielt eine große Rolle und wird nach und nach über Rückblenden aufgedröselt. Ich mochte sehr, dass Carter eben nicht wie die typische Klischeefigur wirkt, aber gleichzeitig auch nicht so geschrieben ist, wie man „unkonventionelle“ Figuren mittlerweile oft präsentiert bekommt.
Und „The Mailman“ macht für mich auch vieles richtig, was einen guten Actionthriller ausmacht. Wir haben hier ein enormes Tempo und man treibt einen regelrecht durch die Kapitel. Das Ganze würde vermutlich auch hervorragend als Film funktionieren. Erzählt wird die Geschichte dabei auch immer wieder auch aus anderen Blickwinkeln, wodurch man nach und nach weitere Zusammenhänge erkennt. Zusätzlich gibt es einige Rückblenden, die bestimmte Verbindungen erklären und deren Wirkung.
Ein paar kleinere Schwächen hatte das Buch für mich trotzdem. Vor allem im Mittelteil wurde es stellenweise etwas viel, was die ganzen Verstrickungen und Namen anging. Man muss durchaus aufmerksam bleiben, um bei allen Figuren und Zusammenhängen mitzukommen. Es gab Momente, in denen ich kurz überlegen musste, wer jetzt eigentlich nochmal Name XY ist. Was mir dafür wiederum richtig gut gefallen hat, war der Humor. Trotz aller Gewalt und Ernsthaftigkeit bringt das Buch immer wieder schwarzen Humor und teilweise fast schon fiese Situationskomik mit. Das lockert die Geschichte genau an den richtigen Stellen auf.
Insgesamt hatte ich mit „The Mailman“ wirklich eine gute und unterhaltsame Zeit. Das Genre wird vermutlich trotzdem nie meine absolute Nummer 1 werden, aber manchmal habe ich auf genau so etwas Lust.
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