[Rezension] Alex Finlay – Falls mir etwas zustößt

„Seit fünf Jahren durchlebt Ryan Richardson diese Nacht immer wieder: die aufgerissene Autotür. Der Schlag auf den Kopf. Hände, die ihn aus dem Wagen zerren. Die Schreie seiner Freundin Ali. Seither ist Ali verschwunden, und viele argwöhnen, dass Ryan etwas damit zu tun hatte. Mittlerweile hat er seinen Nachnamen geändert, ein Jurastudium begonnen und versucht, jene Ereignisse hinter sich zu lassen. Bis zu dem Anruf seines Vaters: Man hat Alis Auto in einem See gefunden, darin zwei unbekannte Tote und eine Nachricht in Alis Handschrift: „Falls mir etwas zustößt …” Dann der nächste Schock: Ryan sieht den Mann, der ihn seit jener Nacht in seinen Träumen verfolgt. Die Suche nach der Wahrheit führt ihn zurück in seine Heimatstadt, wo eine junge Ermittlerin den Fall wieder aufrollt …“
Autor: Alex Finlay
Titel: Good Night, Pretty Girl
Übersetzung: Leo Strohm
Genre: Thriller
Seitenzahl: 368
Erscheinungsdatum: 18. August 2026
Verlag: Goldmann
Preis: 14,00€ (Paperback); 11,99€ (E-Book)
Meine Meinung:
Fünf Jahre sind vergangen, seit Ryan Richardson seine Freundin Ali zum letzten Mal gesehen hat. Die beiden waren gemeinsam unterwegs, als sie brutal angegriffen wurde. Als er wieder zu sich kommt, ist Ali verschwunden. Von ihr fehlt seitdem jede Spur. Ryan selbst konnte sich nie wirklich von dieser Nacht lösen, denn obwohl ihm nie etwas nachgewiesen werden konnte, blieb der Verdacht bestehen, dass er etwas mit Alis Verschwinden zu tun haben könnte. Inzwischen hat Ryan seinen Nachnamen geändert, ein Jurastudium begonnen und versucht, sein altes Leben hinter sich zu lassen. Doch dann wird Alis Wagen aus einem See geborgen. Darin befinden sich zwei unbekannte Tote und eine Nachricht in Alis Handschrift: „Falls mir etwas zustößt …“
„Falls mir etwas zustößt“ ist inzwischen mein drittes Buch von Alex Finlay. Mit „Allein gegen die Lüge“ hat der Autor bei mir damals allerdings auch direkt einen Volltreffer gelandet. Das Buch hat bei mir so eingeschlagen, dass Finlay sich ziemlich schnell auf meine Kauf-ich-blind-Liste katapultiert hat. Das nächste Buch „Good Night, Pretty Girl“ konnte mich ebenfalls überzeugen.
Und auch „Falls mir etwas zustößt“ hat mir wieder richtig gut gefallen. Aber auch hier muss ich sagen, dass es für mich nicht ganz an diesen ersten Kickstart mit „Allein gegen die Lüge“ herankommt. Das ist allerdings auch einfach eine ziemlich hohe Messlatte, die ich dem Autor mit seinem ersten Buch selbst gesetzt habe.
Was bei „Falls mir etwas zustößt“ zunächst vielleicht ein bisschen abschreckend wirken kann, sind die vielen verschiedenen Erzählstränge und damit natürlich auch die ganzen unterschiedlichen Charaktere. Bei manchen Thrillern habe ich damit tatsächlich meine Probleme. Wenn ständig zwischen irgendwelchen Personen hin und her gesprungen wird und ich mir irgendwann denke, wer war das jetzt noch mal und warum ist diese Person überhaupt wichtig, dann bin ich schnell raus.
Hier hat das für mich aber richtig gut funktioniert. Wir werden relativ schnell in die verschiedenen Geschichten hineingeworfen und lernen die Personen dabei kennen. Dadurch hatte ich zwar ziemlich lange sehr viele Fragezeichen im Kopf, aber ich hatte nie das Gefühl, den Überblick über die einzelnen Figuren zu verlieren. Was ich allerdings lange überhaupt nicht verstanden habe, war, wohin der Autor mit den verschiedenen Geschichten will. Über einen ziemlich großen Teil des Buches habe ich mich gefragt, wie diese ganzen einzelnen Stories zusammenpassen sollen. Warum erzählt er mir das und was hat diese Person mit dem eigentlichen Fall zu tun?
Ich habe irgendwann einfach darauf vertraut, dass Finlay schon wissen wird, was er da macht. Und Leute, es macht Sinn. Wirklich. Irgendwann beginnen diese ganzen einzelnen Fäden zusammenzulaufen und plötzlich ergibt vieles Sinn, was vorher noch völlig separat voneinander wirkte. Es gibt diesen Moment, in dem ich verstanden habe, warum man all diese unterschiedlichen Personen kennengelernt hat und wie ihre Geschichten miteinander verbunden sind.
Ich hatte während des Lesens jede Menge Theorien und habe auch bei ein paar kleineren Dingen tatsächlich irgendwann richtig gelegen, aber nicht das große Ganze! Da steckt eine wirklich immense Geschichte hinter, die sich erst nach und nach entfaltet und auf die ich so im Leben nicht gekommen wäre.
Trotzdem hatte ich am Ende nicht das Gefühl, dass hier einfach irgendwelche Überraschungen aus dem Hut gezaubert wurden. Wenn ein Thriller mich über hunderte Seiten mit Fragezeichen zurücklässt, möchte ich am Ende auch eine Auflösung bekommen, bei der ich sagen kann, dass das passt.
Was mir ebenfalls wieder sehr gut gefallen hat, ist der Umgang mit den Charakteren. Es gibt durchaus Personen, bei denen man zunächst denkt, dass die Sache eigentlich klar ist. Gut und böse. Opfer und Täter. Aber so einfach ist es dann eben doch nicht. Auch mit Figuren, die auf dem Papier nicht unbedingt zu den Guten gehören, kann man stellenweise mitfühlen oder zumindest nachvollziehen, warum sie so handeln. Das macht ihre Taten natürlich nicht automatisch besser, aber genau diese Grauzonen mag ich in Thrillern sehr gerne. Menschen sind eben selten nur gut oder nur böse.
Trotzdem bleibt „Allein gegen die Lüge“ für mich weiterhin mein persönliches Highlight von Alex Finlay. Das bedeutet aber nicht, dass „Falls mir etwas zustößt“ deshalb nur mittelmäßig wäre, nein. Es ist ein richtig guter Thriller und einmal mehr zeigt Finlay, dass er es versteht, komplexe Geschichten aufzubauen und am Ende die einzelnen Puzzleteile sinnvoll zusammenzusetzen. Nach drei Büchern steht für mich deshalb weiterhin fest, dass ich seine Bücher blind anschauen werde. Jetzt hoffe ich nur, dass die nächsten Übersetzungen nicht allzu lange auf sich warten lassen.
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