[Rezension] Olivie Blake – Girl Dinner

„Das Haus ist die exklusivste Studentinnenverbindung auf dem Campus, und alle ihre Absolventinnen sind schön, erfolgreich und angesehen. Nach einem ersten Semester, das sie lieber vergessen würde, ist Nina Kaur sicher, dass die Aufnahme in das Haus der erste Schritt in eine glänzende Zukunft ist. Ihre neuen Schwestern werden sie vor denjenigen beschützen, die eine junge Frau als Beute betrachten.
Dr. Sloane Hartley hat zu kämpfen: Nach der Elternzeit passen ihre Klamotten nicht mehr richtig, ihr Mann, der sich als Girl-Dad inszeniert, ist nicht so präsent, wie er glaubt, und selbst die wenigen Stunden am Tag, die sie von ihrem Kind getrennt ist, sind eine Qual. Als sie gebeten wird, die Verbindungslehrerin des Hauses zu werden, badet Sloane in der kollektiven Perfektion, die alle aktuellen und ehemaligen Bewohnerinnen ausstrahlen und nach der sie sich so verzweifelt sehnt.
Doch das perfekte Leben im Haus ist mit Kosten verbunden – Kosten, die mit Blut beglichen werden. Und als Nina und Sloane schließlich zu Tisch gebeten werden, müssen sie entscheiden, wie viel sie schlucken können …„
Autorin: Olivie Blake
Titel: Girl Dinner
Übersetzung: Michael Siefener
Genre: Roman
Seitenzahl: 448
Erscheinungsdatum: 13. Mai 2026
Verlag: Heyne
Preis: 24,00€ (Hardcover); 14,99€ (E-Book)
Meine Meinung:
Nina sich ein großes Ziel gesetzt, denn sie möchte unbedingt Teil einer angesehenen Schwesternschaft werden und richtet im Prinzip ihren ganzen Alltag danach aus, aufgenommen zu werden. Sloane hingegen steht an einem völlig anderen Punkt. Sie kommt gerade aus der Elternzeit und versucht, Familie, Karriere und ihre eigenen Ansprüche unter einen Hut zu bekommen. Als sich ihre Wege in einer geheimnisvollen Gemeinschaft von Frauen kreuzen, geraten beide immer tiefer in ein Geflecht aus Zusammenhalt, Macht und dunklen Ritualen…
Im Vorfeld hatte ich tatsächlich gar nicht so viel über das Buch gehört. Aber das Wenige, das ich mitbekommen habe, hat mich sofort neugierig gemacht. Immer wieder fiel dabei, dass das Buch ziemlich schockierend sein soll und gleichzeitig gesellschaftskritische Themen behandelt. Außerdem liebe ich Geschichten rund um Colleges und Studentenverbindungen sowieso, deshalb war ich direkt interessiert. Von Olivia Blake hatte ich bis dahin noch nichts gelesen und bin deshalb relativ blind in die Geschichte gestartet.
Im Mittelpunkt stehen mit Nina und Sloane zwei Frauen, die an völlig unterschiedlichen Punkten in ihrem Leben stehen. Nina setzt alles daran, in diese Schwesternschaft aufgenommen zu werden. Sloane dagegen ist gerade Mutter geworden und setzt sich mit Themen wie Elternschaft, Karriere und den Erwartungen auseinander, die an Frauen gestellt werden. Generell spielen Feminismus, Female Empowerment, Female Rage und gesellschaftliche Rollenbilder hier eine riesige Rolle. Diese Themen ziehen sich wirklich durch das komplette Buch.
Was mir beim Lesen allerdings immer mehr aufgefallen ist: Man sagt ja auch oft bei Filmen und Serien “Show, don’t tell”. Also, dass eine Geschichte Dinge zeigen soll, anstatt sie einfach nur zu erzählen und damit zu erklären. Und genau das hat mir hier ehrlich gesagt gefehlt. Gefühlt wird in diesem Buch ununterbrochen geredet. Figuren führen Gespräche, schweifen plötzlich gedanklich seitenlang zu irgendwelchen Erinnerungen oder Erlebnissen ab und springen dann wieder zurück zur eigentlichen Unterhaltung. Ich wusste vorher ehrlich gesagt gar nicht, dass mir dieses “Zeigen” in einer Geschichte so fehlen kann, aber hier habe ich es wirklich vermisst. Ich hätte viele Szenen einfach gerne selbst erlebt, anstatt sie nur erklärt zu bekommen.
Dabei fand ich den Einstieg wirklich richtig gelungen. Die Ausgangssituation war spannend und hat eine tolle Grundlage geschaffen. Danach kommt für mich allerdings ein wirklich zäher Mittelteil. Ich habe die ganze Zeit auf diesen einen Moment gewartet, von dem alle sprechen. Auf den großen Schock. Auf den Plot Twist. Irgendetwas, das die Geschichte komplett auf den Kopf stellt. Ja, diese Momente kommen. Aber eben erst sehr spät. Und dann gehen sie für meinen Geschmack fast schon ein bisschen zu schnell vorbei. Auch hier hatte ich wieder das Gefühl, dass vieles eher erzählt als tatsächlich gezeigt wird. Dabei hätte gerade das unglaublich starke Bilder erzeugen können.
Genau deshalb bleibt für mich am Ende vor allem der Gedanke hängen, dass dieses Buch unglaublich viel Potenzial hatte. Die Grundidee fand ich richtig stark, doch wurde dieses Potenzial für mich irgendwie anders genutzt, als ich erwartet hatte. Aufgrund der wenigen Eindrücke, die ich vorher über das Buch gesammelt hatte, bin ich automatisch von einer deutlich stärkeren Spannungskurve ausgegangen. Tatsächlich geht es hier aber viel mehr um gesellschaftskritische Themen als um Spannung.
Auch der Schreibstil passt im Übrigen dazu. Er ist stellenweise schon etwas literarischer und definitiv kein Buch, das man mal eben so nebenbei wegliest. Gleichzeitig ist er aber auch nicht unnötig kompliziert. Man sollte einfach aufmerksam bleiben.
Ich würde daher auch sagen, dass dieses Buch vor allem davon lebt, mit welcher Erwartung man ran geht. Wer Lust auf einen gesellschaftskritischen Roman hat, der sich intensiv mit Themen wie Feminismus, Mutterschaft und Macht beschäftigt, dürfte hier wahrscheinlich genau das finden, was er sucht. Wer dagegen hauptsächlich wegen der schockierenden Szenen oder des Hypes zum Buch greift, sollte wissen, dass diese erst ganz zum Schluss wirklich eine größere Rolle spielen.
Ich bin deshalb insgesamt etwas zwiegespalten. Die Idee hinter der Geschichte und auch die Themen, die Olivia Blake anspricht, haben mir wirklich gut gefallen. Erzählerisch hätte ich mir allerdings deutlich mehr gewünscht. Trotzdem würde ich noch einmal zu einem Buch der Autorin greifen.
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